Hopfen und Malz? Bier her, sonst knallt’s!

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Daher vergeude niemals einen Tropfen dieses ach so holden Hopfen. Oder, wie es in den nicht nicht nur geistig unteren Breitengraden so schön heißt: Bist‘ schon voll vom vielen Fressen, hilft nur noch Saufen und Reinpressen.

Schließlich sind wir einfaches Bayernvolk nicht nur unglaublich geizig und zuwiderbrüchlich widersprüchlich, nein, wir sind zudem auch noch (und einzig nur!) im Fressen und Saufen die Besten. Eben die bayerische Dreifaltigkeit. Fressen, Saufen, bescheuert sein.

Und wie bekommt man so eine Lebenseinstellung gelehrt? Ungefähr so leicht, wie man eine Bierflasche geleert bekommt. Hoch den Stutzen, Glas leer putzen! Denn nur beim Exen kann der dickwanstige Unterbayer auch gewährleisten, keinen einzigen, noch so kleinen Tropfen des ach so holden Lebenssaftes zu verschwenden. Wäre ja ein Unding, eh?

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, wie ich es selbst mehr oder weniger hautnah mitbekommen habe. Denn natürlich bin ich dazu verdammt, in einem der hinterletzten Orte zu wohnen, die es gerade noch geschafft haben, nicht der Einfachheit halber nur Misthaufen #8 an der Güllegrube links genannt zu werden. Und wenn dieses räudige Kuhkaff hier nicht so ein versoffenes, vom Dummbauerntum geschwängertes Ogerdorf wäre, hätte ich niemals diesen Artikel verfassen können.

Eins, zwei, drei, Bier.
Eins, zwei, drei, Bier.

Wie kam es? So: Da betrittst du die Tankstelle, um offenstehenden Betrag zu begleichen und für dich und deinen Kollegen noch einen Kaffee zu holen. Kurz nach dir hat ein weiteres Auto gehalten, aus welchem typisch anzutreffendes, männliches Bauernvolk steigt.

Dick an Bauch, schlank an Hirn und auch sonst mit allen Attributen gesegnet, die problemlos für eine weitere Shrek-Trilogie reichen würden. Wäre es möglich gewesen, hätte er sich sicherlich noch ganz herzlich rülpsend seine Finger in die Arschgrunse gegraben, doch hielt er in den Händen zwei leere Bierflaschen, die er nun zwecks Pfandrückgabe an der Kasse abstellte.

Beim Abstellen bemerkte er, dass in einer Flasche noch ein Schlückchen drin ist. „Woah, da ist ja noch Bier drin! Ja das geht ja mal gar nicht!“, frohlockte er noch verbliebenen Gerstensaft entgegen. Mit glänzenden Augen, vor Erregung bebenden Lippen greift er mit zitternden Händen endlich zur Flasche und litert sich ganz vornehm den Rest in die Binde. An dieser bereits routinierten, sicher über Jahre hinweg einstudierten Bewegung ist zu erkennen, dass er schon seit er nicht denken kann nur dieses Trinkgefäß zu seinen Lippen geführt hat.

Doch auch dieses Mal lässt es ihn sein Seelenheil finden. Schließlich ist es ja schon kurz nach Mittag! Das bedeutet im Klartext, dass ein ausgewachsener Bayer schon Cornflakes mit Schwarzgeräuchertem zum Frühstück, drei ausreichend gefüllte Fleischbrät-Sem- *laute backpfei- *noch lautere gnackwatschn knallt* warme Leberkas-Semmeln zu den zwei Brotzeiten, eine Bratensemmel sowie vier Weißwürste vor dem Zwölf-Uhr-Läuten in sich verewigt hat. Und unter Umständen vielleicht sogar gekaut hat.

Und genau so sieht der Georg (so hat er vermutlich geheißen, da es außer Josef aka Sepp, Matthias aka Hias und somit Georg aka Shrek-Schos keine anderen Namen gibt) auch aus. Der hatte nicht nur schon einen im Turm sitzen, als er zur Tankstelle gefahren ist. Nein. Ganz bestimmt nicht. Der war an dem Tag morgens so aufgewacht und hat dort weitergemacht, wo andere eigentlich ins Koma fallen, wenn sie den letzten Rülpser gen Himmel speien und es sie dann flundergleich in die Pissrinne brettert. Und wie erwähnt, genau so sah er auch aus. Als hätte er gerade noch diesen kleinen Schluck gebraucht, um nicht in die Entzugsphase zu schlittern.

Es war ja beileibe ja überhaupt nicht so, dass seine aufgedunsene, nach allen Seiten seltsam aufgeblähte Schweinskopfoberbirne nicht eh schon mehr geglüht hätte als ein vollbestückter Weihnachtsbaum Ende Februar brennen kann. Ein Fachmann hätte wahrscheinlich eine Facharbeit zum Thema Kernschmelze schreiben können. Für Shrek-Schos, Hopfen-Hias, Schweiners-Sepp oder wie auch immer dieser fettwamperte Fettwamper geheißen hat, war es halt einfach ein ganz normaler Arbeitstag.

Wobei es halt schon immer umschmeichelnd beschrieben ist, wenn man bei uns von Arbeit, Arbeitstag und geregeltem Leben spricht. Schließlich geht es hier ja doch nur ums Fressen und ums Saufen. Gemäß dem Motto: Hopfen und Malz, Bier her sonst knallt’s. Und man spare nicht am Essen, sonst wird sich hier noch wer vergessen.

Bildquelle:
Das Bierregal im Supermarkt:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bier-im-supermarkt.jpg,
By Ralf Roletschek (User:Marcela) (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)%5D, via Wikimedia Commons