Bodybuilding: Neues Gym „Rühlsches Strammhaus“ in Kooperation mit Augustiner-Bräu

Damals noch ein Stammhaus, nun ein Strammhaus.

Der Gerstensaft für Leibeskraft?

Den Stolz kann man Markus Rühl trotz seiner glasigen Augen ansehen, und die Ungereimtheiten und mangelnde Fairness bei damaligen Wettbewerben, hat er schon längst überwunden. Wir treffen ihn an einem sonnigen Montagmorgen in seinem neuen Fitnessstudio. Dort hängt er an den Tresen, blickt leicht verträumt durch die Hallen von Schweiß und Eisen. Eine sanfte Fahne weht uns entgegen, gemischt mit der Würze eines Bierfurzes.

Eine Einführung benötigt der legendäre Körperbauherr nicht. Er ist die wahre Größe und Aushängeschild des deutschen Kraftsports. Auch, wenn er noch nie den ersten Platz bei Herr Olympia oder vergleichbar erreichte, ist er der wahre König der Kraft. Die Wurzeln eines wachsenden Strammbaums, ein Stemmesbruder und Muskelvater.

Nun mag man sich fragen – wie passen Alkoholkonsum und ein Fitnessstudio überhaupt zusammen? Überraschenderweise gut. Denn die Zeiten sind vorbei, in denen sich Sportler, Szenepumper und Saunagänger nach ihrer Anstrengung ein kühles, alkoholfreies Bier genehmigen. Heute gibt es Wärme für die Därme und es wird in die Windungen reingeprallt, bis man nur noch lallt.

Für die Leber, für die Heber?

Harte Anfänge, Auflagenstrenge und finanzielle Enge

„Bis vor zwei Jahren ging alles seiner normalen Wege“, erinnert sich Rühl. „Erst letztes Jahr half ich Frank Rosin – mittlerweile als Schrank Rosin bekannt – zu neuer Stärke. Mein Pumpel Rosin und ich trainieren heute noch miteinander. Es kamen noch andere Prominente. Natürlich darf ich keine Namen nennen, aber man kennt die Pappenheimer ja aus der Presse, wenn die Poser wieder mit ihren Ärmchen posen und posten“, unkt Rühl. „Höchstens Günther Jauch, der sein „Günther Lauch“ ablegte und nun als Günther Schmauch bekannt ist, weil er die Konkurrenz so dermaßen wegballert.“

Der Groschen ist gefallen, und er tut auch noch gefallen.

„Auf diesen Erfolg musste ich natürlich aufbauen“, weiß Rühl und spannt seinen Arm an, als er zum Bierstutzen greift und ihn in einem Zug leert. Es folgt ein Rülps aus der mächtigen Brust, der unseren Tonmann in olfaktorischer Ehrfurcht einen Schritt zurückweichen lässt.

Markus Rühl ist eine ehrliche, sonnengegerbte Haut und Bärenmann von Ehrenmann. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und tut kund, was ihm auf dem Herzen liegt. Es ist das, was man an ihm mögen muss, weil man es bei allen anderen vermisst.

Doch Sympathie und Ehrlichkeit reicht bekanntlich für kein Geschäftsmodell. Während Tonnen von Gewicht zu stemmen kein Problem ist, sieht es bei den Finanzen anders aus. „Ein Studio aufrechtzuerhalten, ist mit all den Auflagen nicht leicht. War es nie. Was vor allem fehlte, war die Knete. Moneten. Ein solches Studio kostet scheiß viel Geld, was selbst durch verkauftes Eiweißpulver, Merchandising und den ganzen Rotz nicht ansatzweise kostendeckend ist“, weiß der gebürtige Darmstädter. „Und in einem Unternehmen kann man sich leicht übernehmen.“

Das Tor zum Investor

„Ich brauchte eine saftige Finanzspritze. Dabei ging ich ungewöhnliche Wege und fragte auch bei Unternehmen an, von denen ich nicht einmal eine Antwort erwartete. Scheißdreck! Nur einer antwortete!“ Da bricht Rühl in einen Lachanfall aus. Verständlich.

Denn was kam, war eine sofortige Zusage der in München ansässigen Augustiner-Bräu Wagner KG. Die Kommanditgesellschaft wurde 1328 gegründet; ihr süffiges Bier mit dem Markennamen Augustiner-Bräu ist in ganz Deutschland bekannt und beliebt – und das ganz ohne Werbung (beziehungsweise nur einem einzigen Werbespot in den 90er Jahren).

Stamm-, Stemm- und Strammhaus.

„Sicher, es war eher ungewöhnlich, ein Fitnessstudio von einer Brauerei sponsern zu lassen. Aber es kam alles viel besser, als wir dachten. Besonders, als wir keine anderen Sponsoren mehr an Land ziehen konnten und Augustiner auch mehr mitbestimmen konnte, was das Design des Studios angeht“, erinnert sich Rühl.

„Zu Beginn war es natürlich schwer. Besonders, als Augustiner den Tresen umrüstete, eine Zapfstation einbaute und lastwagenweise Bierfässer anrollten, dachte jeder, wir schließen und bauen zu einer Bar um. Nun, gewissermaßen war es auch so“, lacht Rühl.

Nur beim Namen war man sich nicht ganz einig. Die Entscheidung, ob aus dem ursprünglichen Stammhaus nun ein Stemmhaus oder Strammhaus werden sollte, bedurfte sorgfältiger Diskussion. Nach einem geteilten Kasten Augustiner-Bräu standen zwar nicht mehr die Beteiligten, dafür ein Name fest: Strammhaus!

Es lief an und das Volllaufen war voll am Laufen

Das Geschäft lief gut und Münder mit dem Bier voll. Zu Beginn war niemand bereit, für eine Mitgliedschaft zu zahlen. Bis sie breit genug waren, dafür zu bezahlen. So kommen jetzt noch zahlreiche Trinkfreudige, die sich verleiten lassen, der einen oder anderen Maschine einen Versuch zu gönnen.

Dabei bietet Augustiner nicht nur das süffige Lagerbier an, sondern auch Pils und Starkbiere wie den Doppelbock Maximator mit fast acht Volumenprozent Alkohol. Für festliche Anlässe soll der sein, etwa wenn man ein Training überlebt hat und beim Verlassen des Studios nicht im Vollsuff gegen den Türstock knallt.

Erst Aufschwemmen, dann Hochstemmen.

Pumpen für Humpen

Pumpen ist in jeder Hinsicht das, was den Sport schon seit Jahrzehnten ausmacht und mit dem Trinken verbindet. So thront eine Erinnerung an diese Sache bereits in beleuchtbarer Reklame am Eingang. Morgens um neun Uhr, mittags um zwölf Uhr und Abends um achtzehn Uhr bekommt jeder Pumper für einen sauberen Satz eine Sturzhalbe aufs Haus. Und das eine ganze Stunde lang.

Hier gibt es Bier!

Pumpen für Humpen nennt sich das, eine täglich stattfindende Aktion. So können Durstige auch ohne Anmeldung oder abgeschlossenem Jahresvertrag das Strammhaus besuchen und Leber und Latissimus gleichermaßen fordern.

Inspiriert durch eine Werbeaktion in Moskau, bei der man dreißig Kniebeugen machen musste, um ein gratis Ticket für die Metro zu erhalten, gibt es weitere Aktionen.

Beim Rühlschen Strammhaus erhält man für jede Kniebeuge einhundert Milliliter Bier, oder zehn Milliliter Spirituose. Bei zehn Kniebeugen ist das immerhin schon eine ganze Mass.

Alles dreht sich – im und ums Training

Hoch die Gläser, hoch die Gewichte!

Wir fragen Rühl, ob das nicht ein Minusgeschäft ist.

„Im Gegenteil“, erwidert er. „Vielen gefällt das Konzept und unterschreiben oftmals auch einen mehrjährigen Vertrag. Wie jedes Geschäft ist auch das hier unterm Strich knallharte Politik. Pullitik, wenn man so will“, witzelt Rühl und lässt den mittlerweile fünften Eiweißfurz an den Tresen stehen und unseren Tonmann blass werden.

Die Kundschaft säuft, das Geschäft läuft, viele nehmen das Angebot an und nehmen den Sauf in Kauf. „Und man sieht hier alle. Wirklich alle. Hier torkelt nicht nur das zerlumpte Bauernpöbelpack neben dem glattrasierten Discopumperpussytum mit Hühnerbeinen in die Eisenschmiede, sondern auch die Prominenz.“

„Und Ihr würdet nicht glauben, wer in den letzten Jahren zugelegt hat.“ Rühl bekreuzigt sich und legt die Arme zum Gebet. Denn ja. Seit Monaten bekommt Rühl Unterstützung von ganz ungewohnter Seite: der Kirche.

Erstaunlicherweise erkannte auch die eher konservativ eingestellte Kirche mehr und mehr das Potenzial, das im Heben schwerer Gewichte liegt. „Stemmen ist das Werkzeug Gottes, Gutes auf der Welt zu bannen. Stemmt man Gewichte, stemmt man die Sünde aus dem Leben“, sagt ein deutscher Kardinal dazu.

Ein Geistlicher, der körperlich wurde

Für gewöhnlich ist die Anrede für einen Kardinal Seine Eminenz – seit seiner Hingabe der heiligen Strammheit jedoch gilt er nur noch als Seine Stemminenz. Immerhin pulverisiert er im Bankdrücken regelrecht die Rekorde, derzeit angesiedelt bei 320 Kilogramm.

Ein geschwollener Geist braucht einen geschwollenen Körper.

Bereits bei seiner ersten Trainingseinheit vor zig Jahren drückte er 130 Kilogramm. Roh, ohne Hilfe, ohne Aufwärmen. „Kardinale Fehler machte er nur einen“, sagt er, „namentlich, sich zu spät für diesen faszinierenden Sport für Faszien und Fasern zu interessieren. Gepriesen sei der Herr! Prallelujah!“

Einzig übertrumpft vom Papst selbst. Der zeigte sich überraschend interessiert und ebenso diszipliniert an der Hantelbank. Mit dem Glauben an den Herrn selbst, dessen Sohn die Disziplin des Kreuzhebens perfektionierte, legte der Heilige Vater sogar seinen Titel ab.

In Hinblick auf seine von Eisen geformte, zu Stahl gewordene und vom Glauben geschwollene Brust will er fortan nicht mehr Pontifex maximus (lateinisch für „oberster Brückenbauer“), sondern als Pectoralis maximus gelten, als der größte Brustmuskel beider Hemisphären.

Um seine Macht in Stein zu meißeln, nahm er sich den aufstrebenden Kardinal zur Brust, der sich noch mit seinen Rekorden brüstete. Dabei zeigte Seine Heiligkeit fürwahr, wer denn im Zeichen des Herren pumpt – sage und schreibe 400 Kilogramm drückte der Heilige Vater. Ohne Spott und Spotter, aber dafür mit der Kraft der Pontifexpromille, was ungefähr dem Gehalt nach einer Weinreinorgelei von zwei Litern entspricht.

Der Wille zu mehr Promille

„Der Wille muss da sein“, weiß Rühl. „Scheiß auf den ganzen Rotz dieser ganzen scheiß Influencerpussies. Nur viel hilft viel. Und das hier“, er deutet auf einen Maßkrug eines Trainierenden, der sich mit leichtem Linksdrall eine Erfrischung an den Tresen holt, „bedarf’s. Alleinig des bedarf’s. Pumpen und Humpen.“ Die prosten sich zu, als kennen sie sich schon Jahrzehnte, und exen ihre Gläser.

Überhaupt scheinen hier kurze, knackige Kommandos das knallharte Kredo zu sein. Pumpen, Pause, Prost steht an der Wand bei den Kurzhanteln. Lasten! Rasten! Kasten! prangert in dicken Lettern beim Powerrack, direkt neben einer Palette voll frischer Bierkästen. Pumpen, Humpen, Pumpen – wiederholt ad infinitum, bis Rausch oder Muskelversagen einen plagen und kommt der Krankenwagen.

In den sich neu etablierenden Heber- und Leberkreisen nennt man es „Die Krönung durch die Dröhnung“. Während die Elite noch bis vor Kurzem den warnenden Schmerz des Trainings durch Schmerzmittel unterdrückte, erkannte man im Alkohol das bessere und auch legalere Wohl.

„Es schmeckt, bis man verreckt“, sagt Nadine „The Machine“ Müller, die namentlich nicht genannt werden möchte, mit einem Schulterzucken. Sie war schon 45, als sie zufällig nach einer trinkfreudigen Nacht und einem gebuchten Gangbang hier im Rühlschen Strammhaus landete. Ihr Geheimnis des Durchhaltevermögens ist ein allmorgendlicher Rotweinshake mit einem gestrichenen Schöpflöffel Eiweißpulver. „Kirsche muss es sein“, wankt sie. „Sonst haut es nicht rein. Alles Gute wie der Portwein muss immer dort rein“, grinst sie und zeigt auf ihren Mund.

Wo ein Wille, da Promille.

Wir sind fast den ganzen Tag in dem neuartigen Studio, und unser Eindruck ist zugegeben anders, als wir dachten. Auch, wenn wir nicht wussten, was zu erwarten war. Wir beobachten mit zunehmender Stunde, wie sich mit steigendem Alkoholpegel auch die gute Laune und die Gewichte steigern. Keine Aggression, keine Pöbeleien.

Einzige Sachen, die fallen, ist das festgefahrene Image. Mit jeder Stemmung fällt die Hemmung. Zeigten sich die Muskelhelden im Kopf der Untrainierten immer als störrische, kopfhörertragende Fleischberge, die der Steroidenweißglut – roadrage – zugetan sind und zu keinerlei Interaktion fähig sind, ist hier das Gegenteil auszumachen.

„Wenn ich anfange zu lallen, darf mich jeder knallen“, bezirzt die Rotweindame von vorher einen jungen Mann Mitte zwanzig, der von der ralligen Rotweinreinliterungsmaschine nicht abgetan zu sein scheint. „Und ich brauche nur vier Humpen mit Gärung und etwas Hopfen, dann würde ich alles mit Loch komplett durchstopfen.“ Und schon verschwinden die beiden in einem Kursraum.

Fest steht, anders als die Promillepumper: was Rühl in Kooperation mit der ältesten, noch existierenden Brauerei in München erschaffen hat, ist eine Alkohol-Rühl-Wohlfühloase. Hier gibt es kein Alter, hier gibt es keinen Streit oder Konkurrenz. Das warme Flair einer Bar harmoniert mit der Härte eines eigentlich kalten Studios. Es gibt Trinken bis zum Abwinken und Eisen zum Stemmen fürs Aufschwemmen, hier kommen alle zusammen – Jung und Alt, die schon festen Trinker und einstigen Abwinker.

Erst das Ende der Leber ist das Ende vom Heber

Es ist eine Lebens- und Hebenseinstellung, die nicht jedem zusagt. Dass es gesundheitliche Risiken birgt, ist jedem klar. Aber das ist bei allen Dingen so, betont Rühl mehrfach. „Nur viel hilft viel, also rein mit dem Rotz, eh. Verrecken tut man so wie so, aber bitte nicht als Lauch.“ Im Eisen und Bier finden viele ihr Seelenheil und wollen das harte Trainingsregime durchhalten, bis es entweder den Muskelapparat zerwirft, die inneren Organe zerlegt oder es mit einer Leberzirrhose mehr als nur in die Hose geht.

„Es möge sein, mein letzter Wank – prall und dicht zur Hantelbank.“

Tätowierter Spruch

„Als Suffköppe würde ich uns nicht bezeichnen“, sagt Rühl und signalisiert der Barkeeperin mit karottendicken Fingern, ihm noch vier Kurze zu bringen, die er sofort reinkippt. Er bedeutet auch uns – nicht daserste Mal – uns auch zu bedienen, aber wir haben keinen Durst. „Das Gute zudem ist, dass der Alkohol nicht nur die Muskeln lockert, sondern prall werden lässt und vielleicht auch den einen oder anderen Muskelkater erträglicher werden lässt.“

Ob er sie manchmal vermisse, die Schmerzen der Muskelfaserrisse, fragen wir ihn. „Keineswegs“, blubbert es aus dem Mund, die glasigen Augen bereits im dauerhaften Schielbetrieb.

Alles was ist blank, endet auf der Bank.

Rühl deutet auf die Rückentätowierung eines Trainierenden. „Es möge sein, mein letzter Wank – prall und dicht zur Hantelbank“, steht dort auf pralles Fleisch geschrieben und auch in hohen Lettern an der Wand bei den Umkleiden. „Das ist unser aller Lebens- und Hebensmotto“, lallt Rühl, lässt einen Bierfurz stehen, bedankt sich für das Gespräch und widmet sich zwei Hanteln, groß wie Tiefkühltruhen.

Wir verabschieden uns von den Trainierenden und ein, zwei von unserem Team denken dann doch darüber nach, ob man den schönen Abend in einer Bar nicht doch mit etwas körperlicher Ertüchtigung und leberspezifischer Vernichtung verbinden kann.

Denn nach so viel Muskeln und Bier ist eines klar: Als Lauch will niemand enden. Und irgendwie muss man sich doch irgendwie mit den Dämonen arrangieren, die in einem herumflanieren. Denn wenn sie schon in einem lungern, sollen sie wenigstens nicht hungern. Und schon gar nicht dursten.

bbq;

Danke:

Danke an den wunderbarsten Böhmi – nein, nicht der – sondern der, der für den Nachschlag verantwortlich ist. Einige der dämlichen Ideen und Wortspiele aus dem Artikel stammen von ihm. Welche, ich habe keine Ahnung! Danke, du fetter Wichser! 😘😁

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