Inoffizieller Knigge für alle Verkehrsteilnehmer (Denn es herrschte selten bis noch nie, im Verkehr so viel Anarchie)

Herzlich Willkommen beim brummbrummquietsch’en offiziellen, inoffiziellen Knigge für jedermann und jeden einzelnen Teilnehmer im Straßenverkehr! Für die nicht nur technisch Unversierten und im korrekten Verhalten Vollkastrierten, sondern auch für diejenigen, die sich optimal im Verkehr benehmen wollen.

Verkehr, Verkehr, und es wird immer mehr.
Verkehr, Verkehr, Verkehr, viel zu viel und immer mehr.

Bevor Sie also versuchen, sich selbst, Ihr Ego und Ihr Fahrzeug in den Straßenverkehr einzupflegen, sollten Sie sich bitte kurz etwas Zeit nehmen, folgendes Regelwerk zu beherzigen. Die Reihenfolge der aufgelisteten Punkte ist nicht von Wichtigkeit, aus welchem Grund Sie allen Punkten gleiche Aufmerksamkeit zukommen lassen sollten. Insofern zutreffend und nach Möglichkeit, versteht sich. Schließlich versucht jeder, seinen Teil zum Straßenverkehr beizutragen. Und jeder gibt sein Bestes. Suchen Sie sich daher das für Sie Zusprechende heraus und handeln Sie in diesem Krieg nach bestem Wissen und Können.

Der Wechsel der Fahrtrichtung ist gleich des Fahrers Unterbelichtung

Das blinkende Relikt.
Verdikt: Es ist und bleibt das blinkende Relikt.

Die Aktivierung der außen am Auto angebrachten, blinkenden und leuchtenden Fahrtrichtungsanzeiger mithilfe des linken Hebels am Lenkrad ist optional. Der minderbemittelte Affenkopf hinter Ihnen wird schließlich schon noch früh genug bemerken, in welche Richtung Sie Ihr Gefährt bewegen wollen. Bremsen Sie hierzu aber unbedingt im letzten Augenblick scharf ab und lenken Sie erst dann in die Kurve, in welche Sie wollen. Ein Auffahrunfall kann schließlich nicht von alleine passieren, etwas Übung ist hierbei also unerlässlich.

Sollte Sie hingegen selten das Bedürfnis plagen, Ihren Fahrtrichtungswechsel angeben zu wollen, so tun Sie dies erst, wenn Sie bereits abgebogen sind oder sich während des Vorgangs befinden. Denn, wie gesagt, die Dummvisage aus Arschingen hinter Ihnen wird Ihre Intention schon früh genug erfahren.

Ein Autofahrer blinkt niemals zu spät. Er blinkt auch nicht zu früh. Er blinkt genau dann, wenn er es für richtig hält. Meistens nie. Aber zurückblicken soll man schließlich nicht. Geschehen ist geschehen und vorbei ist vorbei.

Goldene Radkappen für minderbemittelte Knappen & eingeschaltete Nebellampen für den Rest der Arschkrampen

Golf 3, wie allerlei.
Golf 2. Wie in ‚allerlei‘ und ‚Einheitsbrei‘.

Sie besitzen einen hergerichteten Dreier-BMW der E36-Baureihe? Eventuell einen gaaanz doll tiefergelegten 2er oder 3er-Golf? Oder auch einen Fiat Punto, dessen mangelnde Qualität und Schnapsglashubraumität Sie wie in den ersten Beispielen mit Breitreifen, blauwalflossengroßen Spoilern, blinden Endrohren, dämlichen Idiotenstickern und nicht verbauten Firmen und sonstigem sinnlosen Drecksrotz verhässlicht haben? Zudem mit Bassboxen ausgestattet haben, deren Wummern Sie der bereits verkrüppelten Gehirnzellen berauben und auch noch die letzten Fugen aus dem Kitt ballern? Zudem hat Ihr Vater keinen Stolz, dafür ein hässliches Kind? Sehr gut! Denn wie es hier im kuhfladenverseuchten, biersaufenden Bayern so schön heißt: Wie der Herr, so das Gescherr. Und schließlich würde auch jeder Neanderthaler und Uruk-Hai eine tiefergelegte, rostige Schubkarre und nichts anderes fahren.

Loser will sich zwar nicht auf Poser reimen, dafür vermag dieses Trottelgeschlecht an jeder Ecke zu keimen. Denn wie das Sprichwort so schön sagt, kommt ein Trottel selten allein. Zudem fällt der Apfel nicht weit vom Stamm, ist dafür aber genau so matschig und frei jedweder Nährwerte. Dieser Satz war zu hoch für Sie? Dann sind vielleicht sogar Sie gemeint und genau richtig hier. Ja genau, Sie, der Fahranfänger mit der Tribal-Arm-Tätowierung, dem Unterhemd, der Sonnenbrille, miserablen Hauptschulabschluss und der dummen Wasserstoffblondine neben Ihnen, die immer nur in das Smartphone guckt.

Insofern alles auf Sie zutrifft, sind Sie hier richtig. Und wenn Sie sich nicht gerade mit anderen gleichgesinnten Minderproleten auf einem Parkplatz wiederfinden, wo sie spät abends Fastfoodspeisen zu sich nehmen und alles zumüllen, während Ihr Auto die Luft mit wertvollem Kohlenmonoxid anreichert, dann befinden Sie sich sicher im Straßenverkehr. Hierzu ist beachten: Passen Sie also unbedingt Ihren Fahrstil der infantil-lächerlichen Aufmachung Ihres Autos an. Schließlich ist allseits bekannt, dass eine große dreistellige Anzahl der Pferdestärken eines Löwen oder auch nur ein kaputter Auspuff mit fünfzig Prozent Blindrohranteil meistens auf ein jolendes Rindviech und quakenden, sonnenbrillentragenden Esel im Unterhemd am Steuer hinweist.

Sparen Sie weiterhin keinesfalls an der Liebe zum Detail: Aufkleber wie „Jage nicht, was du nicht töten kannst“ oder „Blinke nicht, kämpfe!“ waren schon immer gefragt und werden Sie im Straßenverkehr gleich an die richtige Stelle der Rangordnung platzieren.

Gewöhnen Sie sich ab sofort daher die sogenannte Ziehharmonika-Fahrweise an. Versuchen Sie keinesfalls, eine gleichbleibende Geschwindigkeit oder gar einen festen Abstand beizubehalten. Schließlich sind sie schon ausreichend damit beschäftigt, Ihre wenigen Gehirnzellen darauf zu fokussieren, den Kanaldeckeln und Bodenwellen auszuweichen, die Sie selbst am hellichten Tag mit Ihren Nebelscheinwerfern beleuchten. Geben Sie (auch und insbesonders) innerorts möglichst viel Gas, ehe Ihr Vordermann Ihr Kennzeichen immer weniger, Ihre Nasenhaare dafür immer mehr sehen kann. Lassen Sie sich anschließend wieder zurückfallen und wiederholen Sie die oben beschriebenen Punkte. Geben Sie ebenso Vollgas, wenn sich minderjährige Frauen am Gehweg befinden. Nur so können Sie diesen hundsmissratenen, von Zwilicht und Grauabstufungen verdummten Gören imponieren und Ihr eigenes, niederträchtiges Ego etwas boosten.

Sollten Sie, wie in Ihrem Versagerleben auch, auf der Straße kein Ziel haben und nur den von Daddy und Omi gesponserten Sprit stundenlang bei der gleichen Stadtrunde verfahren, dann behalten Sie ebenso diese Fahrweise bei, bis sich Ihr Vordermann dazu genötigt fühlt, auf einen Parkplatz auszuweichen und Sie vorbeizulassen.

Kompensationsmodule für die mit Geld und ohne Schule

Sie sind nicht so helle im Oberstübchen? Nicht das schärfste und beste Werkzeug im Regal? Als Kind schon immer von den geschlagen worden, die nicht wie Sie zwei Mal sitzen geblieben sind? Mama hat Sie drei Mal geworfen und nur zwei Mal gefangen? Überhaupt kein Problem! Auch für diese Sondergruppe, zu der Sie gehören könnten, gibt es eine Lösung. Denn gerne und generell können Sie Ihre fehlende Intelligenz, mangelnde Integrationsfähigkeit, offensichtliche Minderbestückung oder nicht mehr vorhandenes Ego durch Größe, Schnelligkeit, Lautstärke und Auftreten Ihres Automobils ausgleichen.

Je dummer, desto Hummer.
Je dummer, desto Hummer.

Das nennt sich die sogenannte Deppen- oder, Vorsicht, langes Wort, Vollspastenkompensation. Kaufen Sie sich hierzu  etwas Großes. Etwas richtig Großes. Beispielsweise einen PickUp mit Zwillingsbereifung und Aufbau, einen Hummerjeep oder ähnliches Raumschiff und Sport Utility Vehicle (SUV) mit der Größe eines vierstöckigen Bürogebäudes. Sollte Ihnen die physische Größe nicht so zusagen, greifen Sie auch gerne zu einem gut motorisierten Porsche, einem Audi RS6 oder gleich einen Lamborghini und Ferrari für die Fahrt zum Postkasten, Metzger und der Eisdiele. Wie soll man auch nur ansatzweise bequem reisen können, wenn man unter fünf-hundert Pferdestärken besitzt? Nein, das soll nicht Ihre Welt sein. Wirklich nicht.

Schließlich sind sie ein charakterloser Idiot und minderbemittelter Vollspast, und dies lässt sich am besten mit Geld kompensieren. Und indem Sie die die Kraft des Motors von dem Esel in Ihrem Hirn steuern lassen und Ihr Gefährt mittels Kavaliersstart von jeder Ampel weglassen, können Sie es der Welt zeigen, zu welch großartigen Aufgaben Sie geboren wurden. Achten Sie unbedingt auch beim Kauf darauf, dass es sich um schön glänzende, besondere Felgen handelt. Diese müssen nicht besonders schön sein. Hauptsache blingbling. Denn wer innen matt ist, muss nach außen hin glänzen.

Wie Sie sehen, spielt Geschmack, Sinn oder Geld keine Rolle. Charakter und Urteilsfähigkeit haben Sie schließlich schon längst mit der zusätzlichen 0 auf Ihrer Haben-Seite verloren, also gönnen Sie sich endlich etwas! Die Welt und der Asphalt gehört Ihnen! Markieren Sie Ihr Revier mithilfe qualmender, lauter Burnouts! Investieren Sie so viel Geld, wie andere in zehn Jahren nicht verdienen in ein einzelnes Auto. Zeigen Sie es den Menschen, was für ein unglaublich toller Hecht Sie sind. Überholen Sie knapp. Überholen Sie immer. Selbst ein Sicherheitsabstand von vier Metern ist völlig ausreichend, um einen Ferrari dazwischenzubringen. Und ganz wichtig: Immer viel Gas geben!

Doch keine Sorge. Nach Umsetzung all dieser Ratschläge wird nie wieder jemand schlecht von Ihnen denken. Sie werden Respekt in vollen Zügen genießen. Einen Volldeppen, Proletenspacko, Vollspastkanacken oder einfachen Idioten wird man Sie nie wieder schimpfen. Auch wird sich das niemand mehr über Sie denken.

Also: Haben Sie Mut! Die Welt hat auch für Noch-Idioten wie Sie einen Platz!

Autobahnfahrer & Versicherungsvertreter sowie linksfahrendes Getobe & Gezeter

Sie sind Pendler und viel auf der Autobahn unterwegs? Hervorragend.

Anders als wie von vielen behauptet, besitzen Sie als wichtigster Mensch der Welt das Vorrecht für die Überholspur und linke Seite der Autobahn. Einzig für Sie als superiore Hoheit wird das Rechtsfahrgebot aufgehoben, annulliert und besitzt keinerlei Gültigkeit mehr. Lassen Sie anzugtragender Holzkopf sich von nichts anderem mehr überzeugen. Egal was Ihr Ziel ist und egal, welche Mission Ihnen aufgetragen wurde: Sie sind nicht nur ein VIP, sondern die MIP, also die Most Importend Person. Sollen sich die Fahrzeugheere teilen wie der fiktive Moses einst das Meer, und möge die Welt erzittern unter der Gewalt Ihrer Wichtigkeit.

Einziges Manko: Die eroberte linke Spur werden Sie sich mit der Fahrerklasse der mindestens 80jährigen Ex-Wehrmachtsangehörigen teilen müssen, die Sie in einem überwiegend braunen Mercedes W124 sitzend vorfinden werden. Weitere Erkennungsmerkmale wären der schimmelnde Hut und die angefangene Toilettenrolle. Wobei ersteres meistens auf dem (eventuell ebenso schimmelnden) Kopf des Fahrers und zweiteres auf der Hutablage vorzufinden ist. Selten vice versa. Temporär werden Sie somit auf auf ungefähr neunzig Stundenkilometer ausgebremst werden.

Baujahr Auto: 1989. Baujahr Fahrzeughalter: Hundert Jahre früher.
Baujahr Auto: 1989. Baujahr Fahrzeughalter: Circa einhundert Jahre früher.

Doch auch hier halten Sie sich bitte tunlichst an den für Sie vorgeschriebenen Knigge: Der Fahrtrichtungsanzeiger ist dauerzuaktivieren. Ebenso sollten Sie nicht davon abweichen, mit Hupe, Fernlicht und/oder Lichthupe Ihren Vordermann zu begrüßen. Älteste Menschen wertschätzen dies nämlich sehr. Unter Umständen wird dieser diese Geste mit einem freundlichen Kopfschütteln, dem bekannten, wedelnden Mittelfingergruß oder dem Aufleuchten seiner hinteren roten Lichter entgegenkommen.

Sollten Sie es wider Erwarten nicht schaffen, den freundlichen Centenarian links zu überholen, so scheren Sie aus und überholen Sie rechts. Wenn Sie sich auf gleicher Höhe befinden, nutzen Sie die sich jetzt ergebende Chance und erwidern Sie freundlich den Mittelfingergruß. Gerne können Sie hier auch weitere Gesten, Mimiken und dergleichen einpflegen. Im Straßenverkehr gilt schließlich immer, zuvorkommend und respektvoll miteinander umzugehen. Somit gilt: Wie du mir, so ich dir, du verschissener Hurensohn.

Indem Sie in beim erneuten Wiedereinscheren in die Überholspur schneiden, zeigen Sie ihm eine weitere Unze Ihres Respekts.

Um generell Ihr Anrecht auf die linke Spur durchzusetzen, wird es unter Umständen notwendig sein, Ihr Kennzeichen zu verschleiern. Dies gelingt Ihnen am besten, indem Sie den Windschatten maximal ausnutzen. Grobe Richtlinie und Merkhilfe: Wenn die Schrauben der Kennzeichenbefestigung am Vordermann schrammen, fehlen nur noch wenige Zentimeter, um das Optimum erreicht zu haben.

Und geht es mal nicht weiter im Verkehr da vorne, dann bediene man sich dem magischen Horne

Wir alle kennen das Problem: Der Verkehr kommt beispielsweise an der Ampel zum Erliegen, man befindet sich mitten in einer Schlange aus unvorstellbaren vier Fahrzeugen und das bis hier angehaltene Stop-and-Go-Verfahren wurde nun gänzlich eingestellt. Somit: Stillstand! Doch hat die Welt des Verkehrs nicht mit Ihnen gerechnet.

Eine handelsübliche Fahrradklingel, hier im Kleinformat.
Eine handelsübliche Fahrradklingel, hier das Model S-5T von Leslie SuperTyfon im Kleinformat für Kinderräder oder Tretroller.

Denn Sie als Meister der arkanen Künste besitzen schließlich, ob wissend oder unwissend, den symbolischen Zauberstab für prekäre Lagen wie diese: Ihre Hupe! Das Horn des modernen rebellischen Rügens und rechtschaffenden Rächertums. So ausweglos Ihre Situation im Stau oder stockenden Verkehr auch sein mag, ein Drücker oder zwanzig auf den Aktivator des Instruments der Gerechtigkeit wird sofort Wirkung zeigen und diese auch nicht verfehlen.

Noch im nächsten Atemzug werden Sie beobachten können, wie alles wieder zum Fließen kommt und die Autothrombose aufgelöst und die Straßenvene frei wird. Daher zieren Sie sich nicht, kräftig zu hupen. Bereits nur ein Auto vor Ihnen an der Kreuzung, welches auf die Grünphase wartet, wird davon betroffen sein. Rot zu sehen sollte keine Option oder gar ein dauerhafter Zustand von mehr als eine Hundertstel Sekunde für Sie sein. Nicht für Sie. Als scharfrichtender Inquisitor aller Rotphasen können diese ungerechte Impedanz zerstören und hart über Sie richten. Ja! Als Hupender besitzen das Recht als auch die Macht, den Krieg gegen den Stau zu führen. Worauf warten Sie? Diese Welt braucht einen Hupen-Mad-Max und Trötenmagister wie Sie!

Und es wettrennen alle Dilettanten auf ihren metallenen Elefanten

Laut vorläufigen Hochrechnungen hat jeder Tag soweit nur ungefähr vier-und-zwanzig Stunden. Das mag als ein relativ geringes Quantum Zeit erscheinen. Vor allem dann, wenn ungefähr die Hälfte für das Schlafen verwendet wird und man als Lastkraftwagenfahrer seine Termine einhalten muss. Und dies meistens so knapp, dass selbst eine temporäre Minute Zeitgewinn von ausschlaggebendem Charakter sein kann, mit einem Überholmanöver zu liebäugeln. Schließlich wissen Sie als angesprochen Gefühlter, dass man diese bange sechzig Sekunden Vorsprung an Zeit für immer halten kann. Selbst verhäufte Baustellen, Ampeln und der Verkehr innerorts können daran nichts ändern. Diese soeben gewonnene Zeit wird sich härter manifestieren als der Stuhlgang im Darm nach ein-ein-halb Kilogramm Blockschokolade.

Sie sind sehr laut und tun nicht tröten, verdient hätten sie nen Tritt in die Klöten.
Sie sind sehr laut und tun nicht tröten, verdient hätten sie ’nen Tritt in die Klöten.

Sollte es Ihnen aber wie immer mehr pressieren wie all den anderen vor, hinter und neben Ihnen, so zügeln Sie sich nicht. Auch dann nicht, wenn sich bereits ein Personenkraftwagen auf der Überholspur befindet. Nein. Auch dann nicht, wenn er schon neben Ihnen ist. Je größer, desto Vorfahrt ist das Gebot. Geben Sie richtig Gas, verebben Sie jenes rechte Pedal im Boden und ziehen Sie mit einem Stundenzentimeter Geschwindigkeitsvorteil an dem dahinlahmenden, tempomatgelangweilten Dorftrottel neben Ihnen vorbei, der sich gerade die Zehennägel schneidet und nebenbei die aktuelle Bravo liest. Sprengen Sie die Kette dieser Etikette, werfen Sie Norm und jedwedes sinnvolle Verhalten über Bord! Diese Gesellschaft muss endlich wachgerüttelt werden! Und wer soll das sonst machen außer Sie? Erwecken Sie den Brummer aus dem Schlummer und tun Sie etwas!

Recht bekommen Sie auf Ihrem Gewaltmarsch in die Freiheit von der Gefolgschaft aus normalen Personenkraftwagen, die aus Solidarität hinter Ihnen eine vier Kilometer lange Schlange bilden, welche Sie für ungefähr eine Dreiviertelstunde begleiten wird.

Das Ausfahren all der Güter ist wohl nur etwas für LMAA-Kaltblüter

Oft werden Sie einsehen, dass es unumgänglich ist, eine gewisse Gesunde LMAA-Einstellung an den Tag zu legen. Wer früh aufsteht und bis spät abends rackern muss und nicht gewillt ist, an seiner missligen Lage etwas zu ändern, indem er seinem Vorgesetzten ein Paket aus Darmstadt direkt auf den Tisch abliefert, kann dies natürlich an seinen Mitmenschen im Straßenverkehr auslassen. Verlieren Sie jedwede Achtung. Sowohl vor sich selbst als auch vor allen anderen.

Schach matt, Spiel Satz und Sieg, Ofen aus. Oder: Leck mich einfach. Ich parke jetzt hier.
Schach matt, Spiel Satz und Sieg, Ofen aus. Oder: Leck mich einfach. Ich parke jetzt hier.

Parken Sie dort, wo Platz ist, nicht dort, wo andere es gerne hätten. Würde sich jeder an die Parkordnung halten, nun, das Leben käme zum Erliegen, nicht? Parken in zweiter Reihe ist für Anfänger. Interessant wird es nur in der dritten und vierten Reihe aufwärts, direkt auf dem Trottoir, quer über die Straße und mitten auf der Kreuzung.

Alles andere? Sind Anfänger und Möchtegerns. Ein wahrer Ausliefer kann mit einer gewissen Omnipräsenz brillieren und ist ergo immer da, wo er sein will.

Von Kreuzungen und Ampeln und den dort nicht losfahrenden Trampeln

Wenn Sie sich einer Kreuzung nähern, die für Sie rot anzeigt, so fahren Sie keinesfalls bis zur weißen Linie vor. Erst recht nicht, wenn es sich um eine Ampel handelt, die nur mithilfe eines Sensors aktiviert wird. Nur so können Sie gewährleisten, dass mindestens eine Autolänge Sicherheitsabstand gewahrt wird, falls ein Klavier abstürzt oder ein Helikopter notlanden muss. Die Verzögerung wird maximiert und die Unfallmöglichkeit minimiert, was sich zum Vorteil von jedem einzelnen Verkehrsteilnehmer herauskristallisieren wird. Ihr Vorhaben können Sie weiterhin verfeinern, indem Sie sich nicht auf die Ampel, sondern den schönen Mittagshimmel mit den Augen oder Ihre Nasenhöhlen mit Ihren Fingern erkunden. Lesen ist auch eine Möglichkeit, Ihre Wartezeit sinnvoll zu gestalten. Natürlich während Sie Ihre olfaktorische Beute verzehren.

Warten Sie dann auf das hupende Signal von mindestens drei unterschiedlichen Automobilen hinter Ihnen.  Drei. Unterschiedlichen. Nicht weniger. Bitte also gut hinhören. Erst dann sollten Sie losfahren. Mit einer erneut geschehenen Verzögerung wird Ihnen die Ampel ganz alleine gehören.

Genießen Sie also den Tag! Er gehört Ihnen! Möge die anderen die Kretze heimholen und sie beim Scheißen von einem brennenden Güllefass erschlagen werden!

Grün grün grün.
Lichtsignal vor Pfeilsignal, doch alles wurst und mir egal.

Auf Ihrer Reise kann es unter Umständen vorkommen, dass Sie eine Ampel mit einer so genannten Grünpfeilregelung vorfinden. Obacht, auch hier heißt es nicht, dass Sie sich einfach daran halten sollen. Warten Sie auch in diesem Fall, bis Sie das Hupen von mindestens zwei Autos und das laute Grölen der Fahrer hinter sich hören. Dies kann variieren von „Fahr endlich zu, du dämliche Scheißfotze, grüner wird’s nicht mehr!“ bis hin zu „Es ist grün, verficktes Arschgesicht!“ oder „Der Pfeil ist grün, du brunzdämlicher Ochsenpenner einer schielenden Hurenmutter!“ reichen. In diesem Fall biegen Sie bitte nicht zügig, sondern nach vorsichtigem Zögern ab. Ein erneuter Blick nach links in die Vorfahrtsstraße wird nicht notwendig sein.

Radfahrer und andere Zu-Unrecht-Ruhebewahrer

Sollten Sie sich mithilfe eines Drahtesels in den Verkehr einpflegen eindrängeln, so passen Sie sich bitte Ihrem Gefährt an und seien Sie ebenso ein Esel. Nicht nur so stinkend und behaart, sondern auch so stur. Sollte es auf Ihrer Reise einen Radweg geben, so meiden Sie diesen vehement und nutzen Sie die Straße, welche sich wenige Schrittlängen parallel dazu befindet. Hier halten sich an die Devise: Platz dem, dem Platz gebührt! Und es gibt nur Sie. Sie ganz alleine. Soll sich der Rest doch ins linke Ohr ficken. Diese Straße gehört jetzt und hier Ihnen. Komme, was wolle. Und selbst wenn der reinkarnierte Dschinghis Khan auftaucht und Sie mit einem ganzen Topf geplatzter Weißwürste bewirft. Sie bleiben, wo Sie sind!

Fahren Sie daher nicht möglichst weit rechts, wie Sie es vielleicht mit dem Auto (zumindest aus Fahrschulzeiten) gewöhnt sind, sondern nutzen sie die ganze breite Ihrer Straße. Gelegentliche Schwenker nach beiden Seiten sind durchaus akzeptabel! Die Geschwindigkeit passen Sie bitte den Fußgängern an. Keinesfalls sollten Sie schneller fahren als ein Fußgänger, dem schon der Kackstift hinten ansteht und auf der Suche nach einem Thron ist, da die Notdurft schon zu einer Kackastrophe zu mutieren droht.

Sie sehen mich (t)rollen, sie hassen.
Sie sehen mich (t)rollen, sie hassen.

Weiterhin bietet die Straße vielerlei Vorteile. Erstens ist es dort sicherer, weil es im Generellen viel mehr Platz gibt und Ihnen keine Fußgänger entgegenkommen können. Zum Zweiten lichthupen Ihnen alle anderen Verkehrsteilnehmer in Autos den Weg, weil Ihre eigene Birne nicht hell genug leuchtet. Weder die vom Fahrrad noch die im Denkstübchen, um ersteres Problem abzustellen. Und zum Dritten fallen ohnehin alle Regeln weg, die Ihnen bei der Fahrschule damals eingebläut wurden. Denn ein Radfahrer ist von Geburt an ein Anarchist. Sobald er sein Sitzfleisch auf den Sattel schwingt, bricht der nie gestorbene Cowboy in ihm durch. Die Straße verwandelt sich zur Prärie und die anderen Verkehrsteilnehmer in niedere, dumme Rindviecher. Welche ihn nicht zu interessieren haben, insofern sie sich ihm nicht in den Weg stellen.

Somit gehört die Welt nun Ihnen, Cowboy. Das Hupen hinter Ihnen dürfen Sie keineswegs als Nötigung auffassen. Insofern Sie es überhaupt auffassen und nicht, empfohlenerweise, ignorieren. Ohnehin ist es als Anerkennung und freundlicher Gruß der zwei Dutzend Autos hinter Ihnen anzusehen, die Ihre Wahl begrüßen, heute das Fahrrad nutzen zu wollen. Gelegentlichen Gewehrkugeln können Sie mit gekonnten Schwenkern links und rechts ausweichen. Überhaupt: Interessieren den Cowboy das Muhen der Kühe?

Sicher nicht. *kautabak in spucknapf spuck* *dingeling*

Der Anfang ist oftmals das Ende, somit bremst man gleich und zwar behände

Nicht für Sie gedacht: Der Beschleunigungsstreifen.
Nicht für Sie gedacht: Der Beschleunigungsstreifen links im Bild.

Es ist ein Mythos, dass ein Beschleunigungsstreifen auf der Autobahn oder auch auf Landstraßen dazu dient, zu beschleunigen. Nur, weil die Bezeichnung zufällig das Wort „beschleunigen“ trägt, muss dies noch gar nichts bedeuten. Und zwar üüüüüberhaupt nichts. Nada. Nüschd. Njente. Nix.

Fahren Sie daher so auf diesem Streifen, wie es Ihnen beliebt. Es empfiehlt sich sogar, am Anfang des Streifens stehenzubleiben, um sich in aller Ruhe einen Überblick über die Verkehrssituation zu verschaffen. Nur so können Sie garantieren, dass Sie auch alles richtig machen. Hinten Nachkommende werden es Ihnen gleichtun und auch stehen bleiben. Man hupt hinter Ihnen? Sehr gut. Ein Zeichen des Zuspruchs und Lob Ihrer Vorsicht. Und ob sich dieser Beschleunigungsstreifen nun im ländlichen Bereich oder gar der Autobahn befindet, spielt ebenso keine Rolle. Geschwindigkeit ist nur eine Zahl. Passieren kann in keinem Fall etwas.

Doch wehe, wenn sie losgelassen und verlassen ihre Trassen

Sollten Sie, aus welchen Gründen auch immer, sich dazu entschließen, Ihren Weg via Fußmaschine fortzusetzen, so ist hierfür primär das Trottoir vorgesehen. Primär, aber nicht ausschließlich. Schließlich sind Sie frei und nicht mehr an irgendwelche Grenzen, Schilder oder Regeln gebunden. Auf Ihrem Weg kann es vorkommen, dass Sie ein Gespräch mit einem anderen Fußgänger suchen werden. Hierzu orientieren Sie sich bitte an den weißen Streifen auf der Straße. Dies ist der so genannte Zebrastreifen. Vor diesem können Sie innehalten, Rast suchen und ungestört Ihr Pläuschchen halten. Vereinzelt wird ein Auto an diesem Zebrastreifen anhalten. Dies ist ein Zeichen dafür, dass man Ihre Konversation respektiert und Sie nicht mit einem zu schnellen Passieren stören möchte.

Typisches Bild dieser Anhäufung von Problemfällen.
Typisches Bild einer Anhäufung von Problemfällen.

Möchten Sie hingegen die Straße überqueren, so meiden Sie diesen Zebrastreifen, wie er in Fachkreisen genannt wird. Suchen Sie sich mindestens drei Meter weiter eine geeignete Stelle, die Straße zu überqueren.

Obacht: Bitte vermeiden Sie es hier tunlichst, dies im 90-Grad-Winkel und somit auf dem kürzesten, möglichen Weg zu tun. Je diagonaler Sie die Straße überqueren, desto ordentlicher verhalten Sie sich. Im Optimalfall verlassen Sie die Straße gar nicht mehr, bis Sie an Ihrem Ziel angelangt sind.

Parkplatz das heißt Ruhen, Rasten, aber auch zu viele dumme Parkerspasten

Als Besitzer und Lenker eines Automobils werden Sie sich früher oder später einmal dazu gezwungen sehen, einen Parkplatz aufzusuchen. Öffentlicher wie privater Natur. Ob es sich nun um einen Parkplatz im Sinne eines Rastplatzes handelt oder Sie bei einem Geschäft halten müssen, um Lebensmittel und Kleidung zu kaufen, spielt keine Rolle. In jedem Fall Sind sie automatisch Teilnehmer am PPPP. Diese Abkürzung steht für Parkplatzproletenprogramm. Wie sie an diesem, diesem und diesem Beispiel gut erkennen können, ist es gar nicht so schwer. Im Grunde ist es sogar so leicht, dass sogar Sie als minderbemittelter Hinterneanderthaler es auf die Reihe bringen könnten. Somit: Nur Mut, Sie schaffen das! Und lassen Sie sich keinesfalls von weißen Markierungen, Zeichen am Boden oder Schildern ablenken.

Die Welt ist groß und es wäre ja gelacht, würde hier nicht jeder ein Plätzchen für sein Automobil finden.

Vom Wagen zum Wagen. Ein Teufelskreis.
Vom Wagen zum Wagen. Ein Teufelskreis.

Sollten Sie sich auf dem Weg zu Ihrem Fahrzeug befinden und Ihren Schlüssel suchen oder auch sich von diesem wegbewegen und in den endlosen Tiefen Ihrer Taschen auf der Suche nach einer Münze für den Einkaufswagen sein, so bringen Sie das Element Ruhe mit. Verharren Sie dazu kurz nicht an der Seite, wo Sie kein Auto stören, sondern inmitten des Parkplatzes oder der Zufahrt. Ganz wichtig: Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen. Wenn andere sie schon nicht mitgebracht haben, so sollen Sie selbst sie doch besitzen.

Denn man sollte nicht nur mit gutem Beispiel vorangehen, sondern mit noch besserem Beispiel stehenbleiben.

Schließlich können Sie selbst nichts dafür, wenn andere keine Zeit haben und hier parken möchten. Auch dieses unscheinbare Element und Sich-am-Arsch-lecken-lassen gehört zum Parkplatzproletenprogramm. Schon bald werden Sie aber realisieren, dass die Umsetzung dessen gar nicht so schwer ist, wie man meinen mag.

70 Stundenkilometer müssen reichen, sowohl zum Rasen als auch zum Schleichen

Fühlen Sie sich bereits beim Lesen der Überschrift angesprochen? Dann sind Sie genau richtig. Denn wie Sie vielleicht wissen, ist ein Tempomat eine kleine, aber verdammt feine Angelegenheit. Aus diesem Grund scheuen Sie sich auch nicht, nach dem Ausfahren aus Ihrem Grundstück möglichst schnell auf siebzig Stundenkilometer zu beschleunigen und anschließend den Tempomat anzuschalten.

Eine Geschwindigkeit, um sie alle zu knechten!
Eine Geschwindigkeit, um sie alle zu knechten!

Dabei müssen Sie sich keineswegs irgendwelche Vorwürfe machen. Schließlich sind Sie der einzig vernünftig Handelnde und Fahrende im Straßenverkehr.

Fünfzig Stundenkilometer in der Stadt? Das ist ohnehin eine veraltete, ja direkt lachhafte Beschränkung aus der Zeit des Mittelalters, wo es noch zum guten Ton gehört hat, einfach vom Balkon zu scheißen. Diese Hürde hätte schon längst um zwanzig auf Siebzig erhöht gehört. Die Menschen sind heute schließlich weitaus agiler und sportlicher als damals und können schneller zur Seite springen, ehe es ihnen beim Zebrastreifen den Fuß wegreißt. Und was all die anderen, viel zu gehäufte vorzufindenden Geschwindigkeitsbegrenzungen angeht: Humbug. Alles Humbug.

Deshalb lassen Sie sich weder innerorts aufhalten noch außerorts von irgendjemand dazu drängen, schneller zu fahren. Ansonsten heben Sie allen Gegnern und Andersdenkern in gemächlicher Poste den Finger, welcher sich zwischen Ring- und Zeigefinger befindet. Verdeutlichen Sie hierzu Ihren Missmut anschließend mit den Worten: „Fick dich selbst, Sohn einer fleischfressenden einbeinigen Hure!“ Achten Sie hierbei bitte darauf, dass die Betonung auf ’selbst‘ und ‚Hure‘ liegt.

Doch wehe die da dahinschleichen, mögen sie alsbald werden zu Leichen

Sie haben das Gefühl, nicht so recht in die Kategorie der 70er-Fahrer zu gehören? Nein? Auch gehören Sie nicht zu den Kompensationsfahrer, noch weniger zu den Rasern? Generell gehen Sie es etwas chilliger an? Dann werden Sie sich hier genau richtig finden. Denn so wie sie selbst in der dritten Klasse hängengeblieben sind, sollten Sie auch nicht über die ersten Gänge hinauskommen.

Innerorts ist der erste Gang völlig ausreichend. Warum auch die Eile? Sterben wird man noch früh genug und da die einhundert Lenze bald erreicht sind, spielt das wirklich keine Rolle mehr. Alle guten Dinge sind drei, aus welchem Grund der dritte Gang das höchste der Gefühle sein sollte, wenn Sie einen Ausflug ins Grüne planen. Beide Hände sollten zitternd das Lenkrad umfassen, der Blick Ihrer zweistelligen Dioptrinaugen durch die bierkrugdicken Gläser sollte möglichst nah an der Windschutzscheibe sein und Ihre Frau, bereits verstorben oder noch lebendig, sollte sich auf Ihrem Beifahrersitz befinden.

Möge es ein schöner Lebensabend werden! Genießen Sie ihn, solange Sie können!

Es geht um jede Sekunde, darum heißt’s Gasgeben in jeder Runde

So mancher Leser dieses Knigge mag sich in einer Berufssparte befinden, in welcher Zeit stets zu einem sehr knappen Kalkül wird. Zeit brennt stets im Nacken, der nächste Auftrag in Form von verpacktem Karton oder atmendem Fleisch wartet schon. Somit sollten auch die Räder auf dem Asphalt brennen. Aus diesem Grunde ist es gebräuchlich und auch gängige Methode, dass jeder, der in einem Beförderungsdienst seiner Wahl tätig ist, sei es ein Taxifahrer oder Lieferant, zustätzlich eine Rennlizenz erwirbt.

Ein gewöhnlicher Taxifahrer im Einsatz. Hier bei der Heimfahrt eines Patienten vom Krankenhaus.
Abb.: Ein Taxifahrer im Einsatz. Hier bei der Heimfahrt eines Patienten vom Krankenhaus.

Nur so kann gewährleistet werden, dass das Päckchen oder der Kunde zeitig passend am Zielort ankommen. Hierbei ist es wichtig, jedwedes vorausschauendes Handeln und Denken abzulegen. Und zwar gänzlich. Überholen können Sie innerorts und jeder engen Gasse. Unabhängig von Tages- und Nachtzeit oder gar entgegenkommendem Personen- und Autoverkehr.

Erleichternd fällt für Sie dank Sondergenehmigung der Mindestabstand weg. Jeder Zentimeter kann und sollte jetzt zum in vollem Umfang ausgereizt und benutzt werden. Jemand ziert sich, in eine Passantengruppe oder den Straßengraben zu fahren, nur um Sie und Ihre wertvolle Fracht vorbeizulassen? Kein Problem! Setzen Sie die Lichthupe, die normale Hupe und gewisse Gesten und Flüche ein. Den anderen zu schneiden beim anschließenden Einkehren gehört natürlich zum guten Ton wie der geworfene Aschenbecher in Gesichtshöhe.

Scheren Sie stets zwei Dinge: Rücksichtslos aus und sich einen Dreck um andere. Wo Sie sind, sollte der rote Teppich bereits ausgerollt sein. Denn nur Sie haben einen Auftrag, das Ziel vor Augen und die Zeit im Nacken. Zeit ist schließlich Geld, Geld ist bekanntermaßen Leben. Und jeder Millimeter glühender Reifengummi bringt Sie weiter dorthin, wo Sie hinwollen.

Kuppeln, Bremsen und Gas geben – den Zusammenhang kapiert so mancher nie im Leben

Mittlerweile bewegen wir uns allmählich auf das Ende dieses Knigge zu. Sie haben sich immer noch nicht identifizieren können? Nein? Sie sind kein Teilnehmer am Parkplatzproletenprogramm und auch kein Kompensationsfahrer? Nein?

Von links nach rechts: Kein Gas, Vollgas, Unwichtig, Gas
Von links nach rechts: Kein Gas, Vollgas, Unwichtig, Gas

Kein Problem! Schauen Sie sich einfach das Bild auf der linken Seite dieses Absatzes an. Wenn sie dort ganz links die Fußraste und daneben die Pedale für Kupplungsgas, Leerpedal und Gasgas sehen, dann sollten Sie sich die Informationen dieses Absatzes zu Herzen nehmen.

Denn Sie haben als einer von ganz ganz Wenigen die versteckte Technik hinter all dem pedalischen Tohuwabohu verstanden. Sie sind eine der wenigen Personen, die sich nicht von dem Einheitsbrei der Fahrschule unterjochen lassen. Oooh nein, ganz gewiss nicht. Denn wieso sollte man beim Ein- und Ausparken sowie beim generellen Losfahren auch dem Gaspedal und rechten Fuß den ganzen Spaß gönnen?

Daher gehen Sie nach wie vor wie folgt vor: Geben Sie grundsätzlich Vollgas und dosieren Sie die Geschwindigkeit mit der Kupplung. Denn dafür ist sie nur und einzig da und fristet für diesen Zweck ihre Daseinsberechtigung. Denn: Es gibt nur ein Gas und das ist VOLLGAS.

Und zu guter letzt nun die Spontanen, von deren Aktionen wir nie was ahnen

Zu guter Letzt finden sich nun diejenigen Verkehrsteilnehmer wieder, die stets von Spontantität getrieben sind. Sehen Sie sich in dieser Beschreibung wieder? Fällen Sie auch eine Entscheidung, einzig, um sich im letzten Moment dann doch noch zu etwas anderem umzuentscheiden? Nein? Ja? Nein? Ja? Also doch? Nicht?

Handelsüblicher Handanker zum Auswurf aus dem Fahrerfenster.
Fahrtrichtungswechselhelfer. Abbildung zeigt handelsüblichen Handanker (ohne Kette) in Kleinausführung zum Auswurf aus dem Fahrerfenster.

Halten Sie dieses Verhalten unbedingt bei, sobald Sie in Ihr Gefährt steigen und sich auf den Weg zu Ihrem Ziel machen. Betrachten Sie Ihren Ausflug als eine nicht lang anhaltende Erinnerung, die sich schon im nächsten Augenblick wieder verflüchtigen wird. Und jedes einzelne Puzzlestück dieser Erinnerung ist nur eine Tat, der man nach Vollendigung nicht länger Beachtung schenken sollte.

Wollen Sie von einer Straße in eine andere abbiegen? Tun Sie dies! Aber zelebrieren Sie es als einen spontanen Akt! Verleihen Sie Ihm mit Hektik und Ruckartigkeit den letzten kantigen Schliff. Ziehen Sie die Reißleine! Qualmen müssen die Reifen und spritzen müssen die Gummiwutzal, wenn es im Haken und letzten Moment um und in die Kurve geht. Diese Technik des Fahrtrichtungswechsels nennt sich dann auch das so genannte Ankerwerfen und ist die übliche Methode, welche Sie stets anwenden sollten.

Sie denken, etwas Interessantes entdeckt zu haben? Nur zu, latschen Sie kräftig auf die Bremse! Dafür ist Sie schließlich da! Sie wollen ausparken? Dann tun Sie es! Sofort und ohne sich umzusehen! Das Leben ist viel zu kurz, um auf die anderen Kackspacken aufzupassen, die hier und da im Spiegel oder auch unter dem Auto auftauchen mögen. Wo kämen wir schließlich hin, würde jeder auf seinen Mitmenschen achten und ihm mit Respekt begegnen? Richtig. Nicht ans Ziel.

Und das ist inakzeptabel. Schließlich gibt es nur einen selbst, und dies haben alle anderen zu akzeptieren.

Daher sollte jeder tun, was er tun muss. Damit trägt auch jeder seinen elementaren Teil zum Straßenverkehr bei. Seien es die abschlußlossen Proletenspacken in Ihren hergerichteten Autos, die lichthupenden Vollgranaten in ihren hausteuren Supersportwagen auf den Autobahnen oder auch die zuparkenden Lieferanten, die einfach auf alles scheißen, insbesondere auf jeden. Seien es auch hirnkastrierten Dahinschleicher, die mit den ebenso deppisierten Dauer-70-Fahrern konkurrieren oder diese bestimmten Passanten und Fußgänger, die man, fein ausgedrückt, einfach nur mal in die dämliche Saufresse treten möchte. Von anarchistischen Radfahrern bis hin zu platzhirschenden Elefantenrennern, Dauerhupern und egoboostende Kompensationsfahrern – Sie alle tragen den von uns allen aufgetragenen Titel des Vollidioten und somit ihren Teil zu dem Ganzen bei. Und alles in der Summe ist das, was wir täglich im Straßenverkehr erleben dürfen. Nicht, weil wir wollen, sondern weil wir müssen.

Was wäre die Welt und der Verkehr auch ohne sie?

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