Inoffizieller Knigge für alle Verkehrsteilnehmer (Denn es herrschte selten bis noch nie, im Verkehr so viel Anarchie)

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Herzlich Willkommen beim brummbrummquietsch’en offiziellen, inoffiziellen Knigge für jedermann und jeden einzelnen Teilnehmer im Straßenverkehr! Für die nicht nur technisch Unversierten und im korrekten Verhalten Vollkastrierten, sondern auch für diejenigen, die sich optimal im Verkehr benehmen wollen.

Verkehr, Verkehr, und es wird immer mehr.
Verkehr, Verkehr, Verkehr, viel zu viel und immer mehr.

Bevor Sie also versuchen, sich selbst, Ihr Ego und Ihr Fahrzeug in den Straßenverkehr einzupflegen, sollten Sie sich bitte kurz etwas Zeit nehmen, folgendes Regelwerk zu beherzigen. Die Reihenfolge der aufgelisteten Punkte ist nicht von Wichtigkeit, aus welchem Grund Sie allen Punkten gleiche Aufmerksamkeit zukommen lassen sollten. Insofern zutreffend und nach Möglichkeit, versteht sich. Schließlich versucht jeder, seinen Teil zum Straßenverkehr beizutragen. Und jeder gibt sein Bestes. Suchen Sie sich daher das für Sie Zusprechende heraus und handeln Sie in diesem Krieg nach bestem Wissen und Können.

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Bewirken wollte ich das Gegenteil, doch ging die Oma richtig steil

Ich schwöre beim abgewutzelten Radiergummi meiner Vorfahren: Es war nicht meine Intention, dass die Situation so dermaßen eskaliert. Und ich würde unter Schwur aussagen, dass ich sanft war, als ich bei der Oma von hinten kam und ihn reingedrückt habe. Hm? Wie bitte? War das eine Frage da hinten von dem Fettsack mit dem grünen Shirt? Aber ja, freilich hat die ältere Dame nicht gedacht, dass es so heftig und laut ausfallen würde. Was für eine Frage. Ich selbst ja auch nicht!

Aber als ich im Stadtverkehr diese ältere Dame vor mir auf dem Fahrrad sah und gute hundert Meter weiter eine Verkehrsinsel, da war ich mir sicher: Nein, Alexander, du bist ein designierter Fahrer. Ein Überholmanöver ist hier zu riskant, die ein-ein-halb Meter benötigter Sicherheitsabstand wären hier bestenfalls im Minusbereich, nach Abzug meines Spiegels. Und schließlich willst du weder diese Dame, noch weniger deinen Autolack gefährden. Selbst dann nicht, wenn beides schon die besten Jahre hinter sich hat. Also verblieb ich ihm zweiten Gang, ehe meine unterhubraumisierte Möhre etwas zu stottern anfing und ich mich mehr oder weniger gezwungen sah, in den ersten Gang zu schalten.

Und wie hallen die Worte meines Fahrlehres noch immer in meinem Geiste, bezüglich des ersten Ganges?

Erst beim Halten schalten.

Tja. Das ist wohl lange her. Und das Fahrschulauto hatte auch mehr Hubraum als das gefühlte Schnapsglas meiner Gurke.

Wohl habe ich bei diesem Vorgang den Herrn Getriebe gerade gestört, da es sich anfühlte, als hätte ich bei einhundert Stundenkilometern gerade den Rückwärtsgang reingetrümmert. Ein Geräusch vergewaltigter, knirschender Zahnräder erklang, welches nicht nur mir selbst durch Mark und Bein ging, sondern ebenso der betagten Dame vor mir mächtigst durchs staubige Osteoporosen-Gerippe rumpelte. Zumindest sah es danach aus. Hat sie mit ihrem Rad doch einen Satz und Sprung gemacht, als wollte sie mit einem Bunnyhop die komplette Verkehrsinsel samt dem entgegenkommenden Jeep überspringen. Vom Momentum hätte es zumindest ausgereicht. Sogar noch für einen Doppelsalto.

Wie dem auch sei, da versucht man einmal, Vorsicht walten zu lassen und schon zerlegt’s fast jemanden. Zumindest wird sie das nächste Mal gleich den Radweg benutzen und nicht mit gefühlten vier Stundenzentimetern durch die Gegend eiern.

Hat der Lastkraftwagenfahrer hinter mir doch auch durch eine kaum bemerkbare Minimierung des Sicherheitsabstandes mir zu verstehen gegeben, dass es ihm a bissale pressiert. Das heißt es hätte ein Lastwagen sein können, da im Rückspiegel nur ein riesiger Grill zu sehen war, der von einer gut justierten, sogar heftig aufflackernden Fernlichtanlage beflankt wurde. Imposant. Dies hat sich nicht verändert, bis man endlich die Landstraße erreichte, wo er sich mit einer erfreuten Ein-Finger-Gestikulation und noch frivolerem Hupen schließlich dazu entschloss, trotz Gegenverkehr, Kurve und schlechter Sicht zu überholen.

Ehrlich gesagt empfinde ich die Variante ohne Überholen besser. Ich mein, richtig hart und laut von hinten kommen ist dann doch die bessere Wahl.

Zumindest für mich.