Ein Riesending! Diese Verfilmung rettet das deutsche Fernsehen!

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Ständig aufgewärmtes Leid zur besten Einschaltzeit

Uns dürstet nach Blut, Gewalt und Tod. Denn schon immer vegetiert der Mensch nach getaner Arbeit auf der Couch in den eigenen vier Wänden. Und während er sich eine warme Mahlzeit genehmigt, will er unterhalten werden. Sperrfreundchen, auch Blockbuster genannt und fiktive Unterhaltung reicht aber nicht. Schließlich geht es ihm selbst nur gut, wenn es anderen schlecht geht. Glücklicherweise aber hilft das Streamingprogramm, die Lust nach Erdenleid zu stillen.

Unzählige Hülsengießer – Podcasts – über Foltermethoden und Serien- und Massenmörder sind da zu wenig. Das Auge hungert ebenso! Ob Dokumentationen über Kreuzzüge, Weltkriege, das Blutvergießen einer Dynastie, da eine Diktatur, dort der blutige Untergang einer Zivilisation. Alles dient der Befriedigung des kauenden Konsumenten.

Überaus beliebt: die Schicksale einzelner Menschen. Aufgewärmt als Serie für alle, um die Heimeligkeit in den eigenen vier Wänden aufzuwerten. Innereien für den eigenen Teller, Gedärme fürs Auge. Ein Bonusprogramm fürs eigene »Brot und Spiele« eben.

Gut also, wenn das Leid noch weniger ausgeht als der Willen, Kapital daraus zu schlagen.

Da nur an Leiden sich die Augen weiden

So geschehen erst kürzlich mit »Riesending – jede Stunde zählt«. Was sich zunächst anhört wie ein Gruppenknallungsvideo einer einschlägigen Videoplattform für Erwachsene, ist eine deutsch-österreichisch-schweizerische Produktion aus dem Jahr 2022. Ähnlich zu Videos auf expliziten Internetseiten handelt die Verfilmung von der Penetration einer Höhle.

Zur Erklärung: Riesending heißt eigentlich Riesending-Schachthöhle und liegt im Untersberg in den Berchtesgadener Alpen auf dem Gebiet der bayerischen Gemeinde Bischofswiesen. 1996 entdeckt, verletzte sich im Jahr 2014 der Höhlenforscher Johann Westhauser und wurde unter immensem Aufwand und breitm medialen Interesse – es waren knapp siebenhundert Helfer und Retter involviert – aus der Höhle geborgen.

Somit nicht verwunderlich, auch diese Geschichte mit einem sonderbar aufgeblähten, dreistündigen Zweiteiler verfilmt zu sehen. Eine derartige Übertreibung von vorhandenem Material findet man für gewöhnlich nur in der Blogger-Domäne.

Dem aber nicht genug, sah sich die Deutsche Filmproduktion vom Titel Riesending inspiriert, die Geschichte eines weiteren Riesendings zu verfilmen. Und dieses wurde vor über eintausend Jahre in die Welt gesetzt und erlangte erst in der Neuzeit als Koprolith Weltenruhm.

Die Fakten des Gekackten

Ein Koprolith oder Kotsein ist Fossilexkrement. Versteinerter Kot also, der über Jahrhunderte, ja Jahrtausende erhalten blieb und als rektaler Zeitzeuge dient.

Verfilmt wurde aber nicht nur ein Koprolith, sondern der Koprolith schlechthin, der sogar schon einen Namen, einen Wikipedia-Artikel und Internetberühmtheit besitzt: der Lloyd Banks Coprolite. Es ist quasi ein Monolith von Koprolith und Urvater.

Gefunden wurde der versteinerte Streitkolben von der York Archaeological Trust bei einer Ausgrabung im Jahre 1972 in York, England, unterhalb des Geländes, auf dem später die Lloyds Bank entstehen sollte. Sicher unfreiwillig ernannte man die Bank als Namensgeber für diese Jahrtausendwurst. Seit 2008 ist die Powerpastete im Jórvík Viking Centre ausgestellt und dürfte mit Abstand der prominenteste Scheißschlegel sein, den die Welt kennt und bestaunen darf.

Ganze zwanzig Zentimeter Länge und fünf Zentimeter Durchmesser misst das Prachtstück von Schlachtstück und Rakete von Darmknete. Eine Analyse ergab eine Zusammensetzung überwiegend aus Fleisch und Brot. Im Stuhl des Gebärenden fand man auch Eier von Parasiten, was auf Würmer im Darm zurückzuführen ist.

Durch diese Untersuchungen war man in der Lage, ihn auf das neunte Jahrhundert zu datieren. Um diese Zeit musste der Leger dieses Prügels sich bücken und was aus dem Rücken drücken. Ob er hingegen männlich oder weiblich war, ließ sich nicht mehr feststellen.

»Allein das Vorhandensein eines solchen extremen Exkrements und das mediale Interesse daran waren ausreichend Gründe, das auf die große Leinwand zu bringen«, heißt es von der Produktionsfirma. »Sofort stand auch der Titel mit ›Der Kropolith‹ fest«, fügt Josef Schwengelmeier an, der sich mit Herzblut der Sache annahm. Der Arbeitstitel ›Eine Wurst für die Ewigkeit‹ änderte man schließlich in ›Das Monstrum aus dem Rektum‹.

Nicht ganz sachte ans Eingemachte

»Von Anfang wollten wir die Produktion auf Authentizität münzen und verzichteten auf übermäßige Computereffekte. Ausgedacht war hausgemacht. Dabei setzen wir auf bewährte Hausmannskost – im wahrsten Sinne, da alles vom Schauspieler selbst produziert werden sollte. Es ist alles real. Sowohl die praktikablen als auch die kacktikablen Effekte.«

Zusammen mit Diätexperten versuchte man, ein entsprechendes Esskonzept herauszuarbeiten, um auch eine solche Menge zu produzieren.

»Das war am Anfang am schwersten. Wir brauchten eine Diät, die sauber bläht. Der damals gelegte Zerstörer bestand aus überwiegend Fleisch und Brot. Das versuchten wir; erste Versuche mit kiloweise Fleisch und laibweise Brot begannen. Herbert Hinterhupfinger gab sich tapfer, das Endresultat aber war immer ernüchternd statt einschüchternd. Statt einem Durchbruch in der Szene erlitt er einen Durchbruch.«

Hilfe fand man letztendlich in der Szene der Körperbauherren, die sich selbst Bodybuilder nennen. Markus Rühl dürfte der erste Name sein, der einem da einfällt (wir Unterbelichteten berichteten). »Viel hilft viel«, sagt Rühl nicht umsonst als einer der Besten der muskulös Festen. Ihn bezog man als Berater heran, da er bereits in Amerika war, um den derzeit amtierenden Lauchpräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Joe Biden damals auf den Wahlkampf vorzubereiten.

Nicht umsonst ist aus einschlägigen Foren bekannt, dass die Kunst von Hanteln pressen und heftig Gewichte reißen sich beim vielen Fressen und kräftig Scheißen widerspiegelt. Die Grundlage war geschafft. Hinterhupfinger, der im Film den namenlosen Wurstwikinger spielt, wusste, was zu tun war: Essen, essen, essen, und danach nur sauber pressen, auf dass er durch die Enge zwänge, was ihn bedränge.

Alles ist Wurst

Auf die Frage, ob eine Fortsetzung geplant ist, hat man eine klare Antwort. »Ein Mehrteiler wird es nicht werden. So wie ihn der Wikinger vor über eintausend Jahren als eine Einheit schmiedete, soll auch der Film einzigartig bleiben. Das Excalipoop als Excalibur, wenn man so will.

Ein entsprechendes Casting war rasch abgeschlossen und viele Einsendungen der fotografierten Scheißschlegel wurden in Betracht gezogen. Das Interesse der Deutschen Produktionsfirma erfreut den Drehbuchschreiber Gustl Schwürgmüller. In einer Zeit, in der man sich fragt, ob denn schon jeder Scheiß verfilmt wird, flutscht die Idee genau hinaus.

Es ist an der Zeit, den deutschen Markt aus der niederträchtigen Senke der Peinlichkeit zu holen und mit »Kot und Spiele« als das neue »Brot und Spiele« von der restlichen Unfähigkeit Deutschlands abzulenken.

Denn das Einzige, was man in den Farben von Schwarz-Rot-Gold produziert, sind Darbietungen wie »Stars in der Manege«, »Bauer sucht Frau«, »Dschungelcamp« und »LOL – Last One Laughing«. Wobei bei Letzterem der Zuschauer gleichzeitig Verlierer und Gewinner ist, weil er vor Langeweile noch vor der ersten von siebzehn Werbeunterbrechung auf dem Sofa einschläft.

Und nicht zu vergessen: drei Dutzend Eberhofer-Krimis.

Da sprechen die Zahlen für sich. Keiner Umfrage nach zufolge finden neuneinhalb von zehn Zuschauern die bayerischen Krimifilme so amüsant, wie der Protagonist den ganzen Film lang durch die Gegend schaut. Gelangweilt, genervt, Augen überdrehend.

Mit ›Der Koprolith‹ will man den Thron der Filmkunst besteigen und, um einen der Beteiligten zu zitieren, »filmtechnisch so dermaßen einen reinwemsen, wie noch nie zuvor jemand einen reingewemmst hat.« Das ist eine Hommage an die damals gelegte Wurst, die erst nach über tausend Jahren Berühmtheit erlangte. Es ist also nicht das erste Mal, dass in Deutschland ein riesiges Arschloch versucht, etwas Tausendjähriges zu erschaffen.

Zumindest preisen die Kritiker das Werk aber jetzt schon an und loben das rektale Finale, dass würdig sei, in die Annalen der Filmgeschichte einzugehen. Ob am Ende wirklich alles Wurst ist und ob auch diese Wurst nicht doch zwei Enden hat und eine Fortsetzung bietet, bleibt abzuwarten.

Bildquellen:

Die Höhle: Dave Bunnell / Under Earth Images, Wikimedia Commons
Das Poster selbst: Eigenes Werk, mit Ausnahme des folgenden Hintergrundbildes:
Das Steinbild: Robert Björkén, Wikimedia Commons, (CC BY-SA 3.0)
Das Amphiteater: James Frid, Pexels
Der Kameramann: cottonbro studio, Pexels
Der Riesenhotdog: MarkNeal, Pexels