Pfui! Ist diese Empfehlung der Regierung schon bald Gesetz für „Nummer 1“?

Für manche ist es Alltagsritual und der Lauf gewohnter Dinge, für andere schon in der Vorstellung ein ekelhafter Graus. Wie man auch dazu steht – das Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz schlug in einem Streitthema genau das ganz offiziell vor und will es umgesetzt sehen. Und es bleibt abzuwarten, aus dem Vorschlag ein Gesetz entstehen zu sehen.

Um was geht es?

Es geht um die Nummer 1, die zwar als „klein“ beschrieben wird, jetzt aber ganz groß im Geschäft ist. In einer Stellungnahme empfiehlt die Bundesregierung nämlich, besagtes kleine Geschäft zusammen mit der morgendlichen Dusche zu verrichten. Die Begründung, warum man nur den Haufen laufen lassen soll, ist der Energiekrise geschuldet.

„Durchschnittlich fast vierzig Liter, ein Drittel des täglichen Wasserverbrauchs, ist auf die Nutzung der Toilette zurückzuführen. Für die Einsparung empfiehlt es sich, das kleine Geschäft mit dem Duschen zu verbinden“, heißt es. Das alles stützt sich auf Machbares und bereits Gemachtes – Umfragen nach praktiziert das bereits ein Drittel der Bevölkerung. Die Dunkelziffer der Duscherschiffer dürfte sogar noch weitaus höher sein.

Die Initiative „Golden Shower“

Sauberes Wasser ist wertvoll, und das nutzt man als Hauptargumentation. So gibt man sich sprachlich kreativ und proklamiert es als die „Golden Shower Initiative“. Etwa, weil man Wasser einsparen kann, dessen Wert für Hygiene und Wohlbefinden in barem Gold aufgewogen wird.

Damit Golden Shower auch in aller Munde kommt, lässt man das Internet für sich arbeiten und hofft auf die Memehaftigkeit der Thematik und auf die Treue der Textakrobaten, Trolle und Tastaturhelden, die jede Thematik via Twitter total terrorisieren.

Und man begann auch gleich, das alles mit absichtlich schlechten Sprüchen anzufeuern. Inspiriert sah man sich von einem Sprichwort des Sparens aus dem Englischen. Dort heißt es „Is it yellow, let it mellow, is it brown, flush it down.

Übersetzt heißt das, dass man nur bei Nummer 2 die Spülung betätigt und Nummer 1 eben lässt, bis Nummer 2 nachrückt. Eine gelbe See stört schließlich nicht, Treibholz hingegen schon.

„Tust du’s aus dem Rücken drücken, musst du es Richtung Hölle schicken“ und „Beim Gelben heißt es Wiedersehen, beim Braunen heißt es ‚Du musst gehen'“ und nicht zuletzt „Das Wasser sollst du lassen, den Stuhl hingegen musst du passen“ dürften die ersten drei bedenklichen Merksätze von offizieller Seite sein. Doch die Rechnung ging auf: das Internet explodierte; noch am selben Tag entstanden einige Sprüche im Netz, um sich die wassersparende Praktik leichter einzuprägen.

„Nur wenn du siehst den strammen Prügel, ist es Zeit zu zieh’n den Bügel.“

„Flüssig ist überdrüssig, aber ist es fest – gib ihm den Rest.“

Dabei scheint der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Je derber die Worte, desto höher die Merkfähigkeit. Es fallen also die Lettern fürs heimelige Schmettern und Reinbrettern, die Diskussion ist angeheizt – da heißt es das nächste Scheit nachlegen und weiter anfeuern und alles auf den Kurs bringen, den man eigentlich vorhatte:

Für jedes Haus ein Häusl?

„Die Sparmaßnahmen lassen sich noch weiter ausbauen, wir arbeiten an weiteren Sparkonzepten“, heißt es von höchster Stelle. Für Gebäudekomplexe und Hochhäuser etwa strebt der als Gesundheitsgesetzesentwurf für geringe und große Geschäfte gehandelte Entwurf Überlegungen an, mobile Toilettenkabinen aufzustellen.

So könne allein eine dieser Kabinen auf einem einzelnen Stockwerk eines Hochhauses die Wasserkosten für die Verabschiedung manifestierter Formen um bis zu siebzig Prozent senken.

Die Golden Shower – Initiative und andere Reformen schmecken nicht jedem Bürger. In Zeiten, in denen Datenschutz großgeschrieben wird, möchte nicht jeder mit Auge und Nase an der Kostenersparnis des anderen teilhaben.

Harter Ton der Spülfraktion

Viele – allen voran die fliesentischbesitzende Spülfraktion – sehen darin eine Verletzung der Pinkelpersönlichkeitsrechte, eine Brunzbevormundung und einen rektalen Rückgang ins Mittelalter. Sie bezeichnen es in den sozialen Netzwerken als ein Kackkonzept, das sich auf einen Pissparagraph stützt. Besonders im Mittelalter breiteten sich vor allem aufgrund mangelnder Hygiene hässliche Krankheiten wie die Seuche, die Pest und das Veganertum aus. Jede Lawine in der Latrine sei zu vermeiden und abzuscheiden.

„Das Weiche darf noch etwas reifen, das Harte muss in die Ferne schweifen.“

Dem gegenüber steht nach wie vor das Sparpotenzial, das selbst von den härtesten Kritikern nicht von der Hand zu weisen ist. In von Krieg und Krisen gebeutelten Zeiten, in denen die Preise für Grundnahrungsmittel, Sprit, Grafikkarten, Bordellbesuche und besonders Energie steigen, wird jeder abwägen und Sparmöglichkeiten in Betracht ziehen, auch, wenn sie befremdend sein mögen.

Für die ganze Familie

Das sieht die Regierung ganz anders, und geht sogar noch einen Schritt weiter. Weiteres Einsparpotenzial sieht der Energieminister in der sogenannten Sammelsynchronisierung, die man als Latrinenleitlinie und Pipiparagraph beschreibt. Hier empfiehlt man, das familiäre Topfgehen und Thronbesteigen zeitlich abzustimmen.

„Das alles lässt sich trainieren“, weiß der Minister. „So, wie man ein Hundihundi trainiert, kurz nach dem Fressifressi Gassigassi zu gehen und Kackikacki zu machen, kann man es auch im Familienkreis halten. Ein gemeinsames Abendessen ist wichtig für die Familie, noch wichtiger aber der gemeinsame Gang danach Richtung Toilette – denn es schweißt zusammen, was scheißt zusammen.“

Gegenstimmen fragen sich, wie nun zu verfahren ist, wenn das dickbebauchte Familienoberhaupt nach fünf Stück Schweinebraten und der dreifachen Menge Knödeln die erste Sitzung für sich beansprucht, einen sperrigen Level-10-Kolben in die Latrine wemmst und keinen Platz mehr weiteres Sperrgut lässt. Doch auch dafür hat das Ministerium eine Antwort: „Da muss man sich eben mit weiterem Werkzeug wie Brechstangen arbeiten, um weiteres Material nachkommen zu lassen.“

Wahlweise, so heißt es, kann man sich auch an den älteren Generationen orientieren. Die sind es gewohnt, zum Beispiel Putzwasser in Eimern zu sammeln, um das Endresultat der Nahrungszunahme in den Rohren zurückzudrängen.

Verpflichtend ist das alles bisher noch nicht, sondern dringende Empfehlung. Angesichts steigender Kosten werden mobile Toilettenhäuschen aber schon bald als geldbeutelschonende Anlauf- und Auslaufstelle dienen, und das ab vom ersten Tropfen.

Schließlich saß jeder schon einmal bedächtig geschäftig auf dem Thron und spann den strategischen Gedanken, ob eine Spülung wirklich notwendig ist oder es denn nicht ausreicht, das Paket aus Darmstadt abzuwarten und alles als Sammelbestellung loszuschicken. Immer gemäß dem Motto: Das Alllerbeste ist stets das Handfeste und bitte erst beim Scheißen die Leine reißen.

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