Crystal Mett – doch kein Versprecher! Szenedroge auf dem Vormarsch

Es war der Superlativ politischer Peinlichkeit – in einer Rede auf dem CDU-Parteitag leistete sich Ministerpräsident Markus Söder einen Versprecher. Statt Crystal Meth zu sagen, brillierte er in öffentlich in typisch deutscher Fremdschämmanier und verewigte sich mit Crystal Mett.

„Cannabis reicht da nicht. Sondern da muss jetzt, äh, Kokain her, und Crystal Mett.“

Markus söder, Ministerpräsident

Gemeint war eigentlich Crystal Meth, also mit einem englischen th endend. Was der Ministerpräsident noch weniger wusste als der noch mehr zu bemitleidende Gesundheitsminister Lauterbach, der Söder korrigierte und dabei selbst einen Fehler machte, und ebenso wenig wie die abertausenden Tastaturkrieger, die sich wie frivol quiekende Säue in der digitalen Schlammschlacht suhlten: Crystal Mett ist so real wie Crystal Meth, und sogar noch gefährlicher.

Zudem, was am schlimmsten ist – in aller Munde.

Und was bereits damals ein minimaler Wortverdreher im Gesetzestext war, von jedem überlesen wurde und dazu führte, dass nicht Kabanos, sondern Cannabis in ganz Deutschland legalisiert wurde, scheint sich zu wiederholen und die ganze Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, das lange verborgen blieb.

Was ist Crystal Meth?

Crystal Meth, chemisch Methamphetamin, ist eine kristalline Substanz. 1893 das erste Mal synthetisch hergestellt, zieht sich die traurige Erfolgsgeschichte der Wirkungen und Nebenwirkungen durch den Zweiten Weltkrieg und findet in der Neuzeit einen Höhepunkt.

In der Drogenszene läuft es unter den Namen Speed, Ice, Meth, Panzerschokolade und Crystal. Es wird gespritzt, geraucht, rektal verabreicht, überwiegend aber geschnupft. Dabei überwindet es besonders rasch die Blut-Hirn-Schranke, schüttet dort über zehn Stunden lang Dopamin aus und erzeugt den Rush oder Flash. Das Suchtpotenzial ist dementsprechend hoch.

Und was ist Crystal Mett?

Bis dato weniger bekannt, aber weitaus mehr verbreitet ist Crystal Mett, in Fachkreisen Mettmampfetamin. Crystal Mett ist eine weiche, fleischige Substanz, die als Gehacktes, Mett oder Hackepeter – im Englischen als H abgekürzt und ausgesprochen – verkauft wird.

Mett in Reinform.

Bewusst nutzt man auch hier eine harmlose Namensgebung, um den wahren Charakter zu verschleiern. Dass dies gut funktioniert, zeigt die Relation zwischen Bekanntheit und Verbreitung – wobei beiden vor allem der Preis eine gewichtige Rolle zuspielt. Crystal Meth wird in 1-Gramm-Dosen zu 80 Euro verkauft, was den 100-Gramm-Preis auf 8.000 Euro katapultiert. Für gerade mal 70 Cent hingegen bekommt man die gleiche Menge Crystal Mett.

Weiß gegen Rot

Während Crystal Meth sogar rektal eingenommen wird, geschieht die Applikation von Crystal Mett rein oral. Dabei scheinen der Fantasie keinerlei Grenzen gesetzt. Der helle, zart weiche und – je nach Frische – fast geruchlose Stoff kann sowohl roh, halb gegart, durchgegart als auch gekocht und gebraten konsumiert werden und besitzt vergleichsweise wenig Nebenwirkungen. Selbst verhältnismäßig große Mengen wie ein Kilogramm, geformt zu einer bratenähnlichen Form, soll keinen körperlichen Verfall erzeugen, und auch keine Abhängigkeit verursachen.

Dafür belegen wissenschaftliche Studien, dass nicht weniger als einhundert Prozent der Crystal-Mett-Konsumer am Ende ihres Lebens sterben. Kann man da Crystal Mett noch als den roten und gesunden Bruder von Crystal Meth bezeichnen, wenn es beim Konsum in jedem Fall zum Tod führt?

Eine Mett-Küche.

Untersuchungen brachten noch viel Erschreckenderes zutage – so kommen nahezu achtundneunzig Prozent der Erstkonsumenten nicht mehr davon weg, sobald sie auf den Geschmack kamen. Viele gehen mittlerweile sogar dazu über, Crystal Mett auf regelmäßiger Basis in ihre Mahlzeit zu integrieren, es roh mit Zwiebel in einer Semmel zu verspeisen oder mit Gewürzen zu einer rundlichen Tellerform zu formen und zu „braten“, was üblicherweise in Öfen, Pfannen und Grillvorrichtungen – den Mett-Küchen – geschieht.

Das Tolle: Volle Kontrolle

Das nennt sich lifehack, und soll eine leichtere Handhabung des Stoffes ermöglichen. Anleitungen hierfür gibt es en masse im Netz. „Ein gefährlicher Trend, der das Land heimsucht“, warnt ein Vertreter des VVVVV, des Verbandes völlig vegan vegetierender Veteranen, der schon seit Jahren darüber informiert und dagegen vorzugehen versucht.

Bisher aber erfolglos, und noch immer verkauft sich Crystal Mett nicht wie sein kristalliner Bruder unter der Ladentheke, sondern vor den Augen aller auf und über der Theke. Die Dealer, sogenannte Großhändler, fanden sogar eine Möglichkeit, den fleischigen Stoff zu Tonnen jeden Tag in Geschäften zu veräußern – und das sogar legal. Ein Schlupfloch, eine Gesetzeslücke? Oder gibt es gar eine Lobby, die das Geschäft mit Crystal Mett vorantreibt und deckt?

Jeder soll es kennen, jeder soll es bekommen, und der Schleuderpreis regelt und pusht die Nachfrage. Denn nicht nur in den betuchten Riegen erfreut sich Crystal Mett großer Beliebtheit. Auch in den Wänden gering verdienender Bürger formen sich Crystal-Mett-Küchen. So wird in fast vierzig Prozent der deutschen Haushalte mindestens einmal in der Woche Crystal Mett verzehrt. Eine Volksdroge, will man meinen. Opium fürs Volk.

Man sieht: Wirkung und Bedrohung sind real. Enthalten soll Crystal Mett vor allem viel Protein, je nach Quelle mäßig viel Fett, aber keinerlei Kohlenhydrate. „Das macht es besonders gefährlich, und der Körper giert irgendwann nach diesen Stoffen, wenn man etwa tagelang nichts mehr zuführt“, warnt der Vertreter der dauerhaft unter- und mangelernährten Veganer weiter und will den Kampf nicht aufgeben. „Trotzdem wandern Hunderte, wenn nicht Tausende Kilo davon unbemerkt über Tresen und in viele Münder.“

So sehr die neue Volksdroge auch auf dem Vormarsch ist – ein erster Aufschrei verstummte schnell, eine Eindämmung ist nicht mehr möglich. Der Kampf, insofern es je einer war, scheint ohnehin verloren, kaum, dass er begonnen wurde. Denn wenn Crystal Mett bereits jetzt in aller Munde ist – wer wagt es schon, die Hand zu beißen, die nährt, und wer will jemanden den gefüllten Mund zu verbieten? Wer hungrig ist, ist laut – und ein voller Mund ist eine ruhige Stimme. Und so wird sich Crystal Mett in die Riegen von Tabak und Alkohol gesellen und eines schaffen: Frieden.

ap;

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