Nach AdBlue – bald AdOrange, Supersafe und zwei weitere Additive?

Wer ein relativ neues Diesel-Kraftfahrzeug besitzt, wird es sicher kennen: AdBlue. 2009 vom Verband der Automobilindustrie (VDA) als Marke eingeführt, handelt es sich dabei primär um ein lizenziertes Produkt zur Stickoxidemmissionsreduktion mittels selektiver katalytischer Reduktion. Verständlicher formuliert, ein flüssiger Harnstoff, der Stickoxide in Abgasen reduziert, indem er sie in Wasserstoff und Stickstoff umwandelt.

In Anbetracht des großen Erfolgs und Akzeptanz des Autokäufers gegenüber einer zweiten Tankbelastung neben Treibstoff entwickelte der VDA nun einen Schritt weiter. In Zusammenarbeit mit in der Automobilindustrie verankerten Unternehmen stellte man jetzt AdOrange als zweites Additiv vor. AdOrange trägt zu einer noch sauberen, effizienteren Reduktion der Stickoxide vor und ergänzt AdBlue. Letzteres kann bis zu neunzig Prozent der schädlichen Schadstoffe verringern – AdOrange soll sogar noch ein ganzes halbes Prozent drauflegen.

Das große Problem hierbei ist jedoch: AdBlue und AdOrange reagieren als Gemisch hochsensibel auf Erschütterungen und lösten in Testläufen bereits bei einer Bodenwelle eine Explosion aus, das dem Spreng-Äquivalent von einer Tonne TNT entsprach.

Daher benötigt es neben AdBlue und AdOrange noch ein drittes Additiv: Supersafe. Supersafe, gelblich in der Farbe und zukünftig am fünfeckigen Symbol an Tankstellen tank- und erkennbar, dient als Stabilisator-Additiv und verhindert eine Explosion der beiden Stoffe und sorgt zudem für das richtige Mischverhältnis der beiden. Der Nachteil von Supersafe hingegen ist die hohe Viskosität, die etwa der von Honig ähnlich ist.

Um ein Verkleben der Leitungen zu verhindern und eine ausreichend hohe Fließgeschwindigkeit zu garantieren, ist es notwendig, Additiv Nummer vier zuzuführen – fastfluid+, ein relativ neues Produkt, das diese Nebenwirkung kontert. Alles funktioniert nur störungsfrei, wenn fastfluid+ seine Effizienz beitragen kann, damit Supersafe seine Effizienz beitragen kann, damit AdOrange seine Effizienz beitragen kann, damit AdBlue seine Effizienz beitragen kann.

Wäre es da nicht um die hohe Unverträglichkeit von fastfluid+ bezüglich AdOrange – damit AdOrange nicht das Plus von fast einem ganzen halben Prozent zusätzlicher Effizienz einbüßt, wird das fünfte und letzte Additiv beigemischt: CleanCatalyst. Von blutroter Farbe und stark radioaktiver Ausstrahlung, ist CleanCatalyst in der Lage, das Gemisch von vier Additiven im Gleichgewicht zu halten.

Der Nutzen ist hier – ebenso aber die Kosten

AdBlue kostet von knapp einem Euro bis zu fünf Euro pro Liter – an lokalen Tankstellen weniger, an Autobahntankstellen weitaus mehr. AdOrange kostet mit dem 2,5-fachen Literpreis von AdBlue nur geringfügig mehr als der blaue Bruder und wird sich aufgrund des eng daran gekoppelten Herstellungsprozesses auf preislich stets daran messen.

Teurer schlagen die Additive Supersafe und fastfluid+ mit je knapp elf Euro pro angefangener siebtel Gallone zu Buche. Lediglich CleanCatalyst wird sich bei festen 17,68 Euro pro 314 Milliliter einpendeln und besitzt aufgrund noch aktiver Atomkraftwerke eine Preisgarantie für die ersten zwei Wochen nach Einführung im Februar 2023.

Ein AdBlue-Tank fasst zwischen acht und dreiunddreißig Liter der bläulichen Harnstoffflüssigkeit. Die Größe der vier weiteren Tanks werde sich grob danach richten, heißt es. Schließlich stehen sie alle in Mischungsrelation zueinander. In vielen Fällen, besonders kleineren Autos, bedeutet das den Wegfall anderer Bauteile, etwa Kofferraum, Teile der Fahrgastzelle oder A- und B-Säulen.

Bereits jetzt arbeite man daran, Tankstellen mit zusätzlichen Zapfsäulen für die Additive umzurüsten und die entsprechenden Kanister mit maximal 400 Milliliter in den Fachhandel zu bringen. So soll es bis Ende 2034 in jedem Bundesland zwei Tankstellen geben, an denen man zwei der vier Additive auffüllen kann.

Während Diesel generell schwerer als Benzin ist und durchschnittlich 830 Gramm wiegt, wiegt ein Liter AdBlue durch seine Dichte von 1,09 Kilogramm pro Liter fast genau ein Kilogramm. Durchschnittlich verbraucht man auf 1.000 Kilometer zirka ein bis zwei Liter AdBlue. AdOrange ist weitaus dichter mit 2,83 Kilogramm pro Liter – verbraucht sich aber auch schneller. Was bedeutet, dass man für jeden Liter AdBlue das Doppelte an AdOrange tanken darf – und für jedes Kilo AdBlue muss man der Dämpfung und Chassis des Kraftfahrzeugs das Dreifache an AdOrange zumuten.

Nur sieben Liter an CleanCatalyst bedarf es. Da hierfür aber radioaktives Material verwendet wird, das für die thermonuklearen Vorgänge im Katalysator vonnöten ist, darf man hier gute siebzig Kilogramm rechnen. CleanCatalyst ist übrigens das einzige Additiv der fünf, das neben einer Tankanzeige auch eine Bleiverkleidung und Geigerzähler benötigt und das man nur direkt über das nächste Kernkraftwerk mit achtmonatiger Voranmeldung beziehen kann.

Tanken und Warten

Ein solch fragiles Gemisch aus Treibstoff und fünf hinzugefügten Stoffen bedarf natürlich regelmäßiger Wartung und Kontrolle. Denn wie man es bereits von AdBlue kennt, lässt sich das Fahrzeug nicht mehr starten, sobald das Additiv aufgebraucht ist.

Die Hersteller sorgen aber für Übersichtlichkeit, indem sie konkrete Zahlen nennen: Bei Supersafe darf der Tank nicht unter 32,0 Prozent fallen, fastfluid+ muss konstant zwischen 41,8 und 52,9 Prozent gehalten werden und CleanCatalyst darf nicht die Marke von 5,3 Liter unterschreiten, um keine thermonukleare Explosion auszulösen.

Der Verband der Automobilindustrie verhandelt bereits mit Werkstätten bezüglich dieser Wartung – so gibt es bereits nach Markteinführung 2023 drei Werkstätten, welche den Umbau älterer Dieselaggregate übernehmen und die Wartungsarbeiten an den Tanks durchführen. Hierfür benötigt es besondere Schulungen und Spezialwerkzeug, da die teils mehrfach gepanzerten und mit Blei verkleideten Tanks samt Inhalt bis zu fünfhundert Kilogramm auf die Waage bringen.

Kosten, die sich entweder auf den Kaufpreis zukünftiger Modelle – in etwa vierzehntausend Euro mehr – oder auf die Wartungskosten – 590 Euro pro Monatswartung (exklusive Füllmittel) – niederschlagen.

Der Verband der Automobilindustrie sieht sich in seinem Schaffen und Streben bestätigt. Alles dient einer besseren, stickoxidreduzierten Luft für alle. Und das ist schließlich alles, was die Automobilindustrie will.

ap;

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