Pumperszene erfreut: Erster nuklearer Massgainer (mit echtem Uran!)

Ein radioaktives Lebensmittel? Legal vertrieben, legal erwerbbar? Ausgerechnet in Deutschland, dem Land der Regeln und Gesetze? Wie kann das sein? BBQ traf sich mit Gerhard Schwollen, Inhaber der G. Schwollen AG, dem führenden Hersteller von Supplements und Fitnessprodukten aller Art.

Inhaltsverzeichnis

Möglichst viel als Lebensziel?
Bürokratie-Abbau, Masse-Aufbau
Somit war klar: Es wird atomar
Hilft beim Verzichten aufs Masthuhnvernichten
Dank viel Becquerel wächst Masse schnell
Newsquellen
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Was nicht mehr reinpasste

Möglichst viel als Lebensziel?

Es ist nicht unüblich, die Größten der großen Größen der Bodybuilder-Szene als Biester, Freaks und Mutanten zu betiteln. Während es für die untrainierte Krautkartoffel von Lauchgewächs eine Beleidigung ist, sehen es die meisten feisten Fetischisten von Fleisch und Fitness als Lob und Ehr für all das Grob und Mehr.

Für eine derartige Anhäufung von Masse ist ein hartes Regime unumgänglich. Primär durch das Stemmen schweren Stahls, will man meinen. Und ganz falsch ist das auch nicht. Denn zu aller erst ist es die Ernährung, die stimmen muss. Kein noch so intensives Training macht eine miese Ernährung wett. Daher bedarf’s nicht nur, sich beim Essen gehen zu lassen, sondern elitäres Fressen für die, und in unheiligen Massen.

Um Markus Rühl, bekanntesten, bodenständigsten und beeindruckendsten Bodybuilder mit einem Zehnerlevel Charisma erneut zu zitieren: Viel hilft viel. So mancher labbrige Lauch sieht sich da in der Rolle eines Hardgainers. Eines Trainierenden, der sich schwertut, Masse zuzulegen. Für diesen bedauerlichen Bodensatz der Bodybuilder gibt es Massgainer. Das sind hochkalorische Nahrungsergänzungsmittel, die helfen können, Gewicht und somit Masse zuzulegen. Denn die reichliche Mästung der fleischigen Festung ist der Grundbaustein vom Bodybuilderdasein.

Bürokratie-Abbau, Masse-Aufbau

Wir befinden uns in Potsdam, der Hauptstadt von Brandenburg. Verabredet sind wir mit Gerhard Schwollen. Er ist Geschäftsführer der G. Schwollen Gesundheitsprodukte AG, einem der deutschlandweit größten Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln und Fitnessprodukten.

Anders als sonst, ist Schwollen auf uns zugekommen. Da wir oft im Bereich Fitness, Kraftsport und Ernährung berichten und auch die Petition ins Leben riefen, das Ministerium für Gesundheit in das Ministerium der Masse oder in Ministerium für Gesundheit, Gym, Gains und Geschwollenheit umzubenennen, bat er uns, über eine neue Gesetzesänderung zu berichten. Eingeladen hat uns Schwollen dazu in seine privaten Räume, eine Villa im Herzen Potsdams.

BBQ: »Einen großen Dank für die Einladung, Herr Schwollen.«
Schwollen: »Eher vielen Dank Ihnen, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind!« Schwollen gibt sich als imposante Gestalt, ist aber freundlich, bietet uns einen Eiweißshake, Kaffee und Proteinkekse an.

BBQ: »Kommen wir gleich auf den Punkt – eine Gesetzesänderung erlaubt es nun, radioaktive Lebensmittel herzustellen und in den Handel zu bringen?«
Schwollen: »Ja! Und das von oberster Stelle!« Schwollen haut auf den Tisch, dass unsere Getränke – Eiweißshakes im Maßkrug – hüpfen. »Seit Jahren verspricht die Regierung, die notwendige Bürokratie zu entschlacken. Erleichterung beim Stellen von Anträgen, Beschleunigung von Verfahren, ebenso aber Wegfall von ganzen Paragrafen, die ihrerseits nur Platz wegnehmen und keine Verwendung mehr finden. Den meisten mag es nicht aufgefallen sein, aber in der Gesetzgebung ist seit 2024 viel geschehen«, sagt Schwollen.

Schwollen weiter: »Als Hersteller von Lebensmitteln – auch Supplements zählen hier dazu – halten wir natürlich alle notwendigen Gesetze und Richtlinien ein. Eine eigene Rechtsabteilung prüft jedes neue eingeführte Produkt und behält die Gesetzeslage im Auge. Und genau in diesem Sektor fiel uns die maximale Minimierung gewisser Paragrafen und Vorschriften auf.«
BBQ: »Ausgerechnet bei der Ernährung? Ist Deutschland nicht stolzer Vorreiter in Sachen bio, grün und vegan?«

Schwollen: Rümpft zunehmend die Nase, beim letzten Wort sehen wir den Großen heftig aufstoßen. Ein Kenner der Verkenner also. »Ja. Genau deswegen glaubte ich es meiner Rechtsabteilung nicht, als sie mich auf die Änderung aufmerksam machten. Die explizite Regelung und Richtwerte für Radioaktivität durch die Regierung bei Nahrungsmittel wurde nämlich komplett gestrichen.«

BBQ: »Radioaktivität. Nur, um ganz klar zu werden: Wir sprechen hier von der gleichen, also der Radioaktivität? Wie in Strahlen, Atomreaktor, Fallout, Kernspaltung und so weiter?«
Schwollen: »Ganz genau.« Dabei faltet die Hände zu einer Pyramide und erfreut sich sichtlich unserer Neugierde und Unsicherheit zugleich.

Somit war klar: Es wird atomar

BBQ: »Und wie begründet die Regierung das? Hier geht es ja doch nicht um die Normkrümmung einer Banane oder den Anteil erlaubter Kleintiere im Gebäck.«
Schwollen: »Der Bürger sei schon genug verunsichert und wisse nicht mehr, was er essen soll. Von angeblich krebsförderndem Kaffee über gespritzte Gurken bis hin zu fettem Fleisch – alles unterliegt Normen und Gesetzen, die man kaum mehr einhalten könne, hieß es.« Schwollen sinniert kurz. »Es wurde den Legislativläuchen da oben wohl zu viel. Teils grenzt es ja an Panikmache! Und jährlich die erlaubte Schadstoffgrenze für jedes einzelne Lebensmittel zu erhöhen war dem Verwaltungsapparat auch zu viel. Also strich man ganze Passagen, einschließlich eben dem Regelwerk für Radioaktivität.«

BBQ: »Weil man eine dauerhafte Verstrahlung ohnehin nicht verhindern kann?« Wir von BBQ sind alle Kinder der 80er, erlebten die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im wahrsten Sinne hautnah mit. Damals wusste keiner, wie man damit umgehen sollte. Die Regierung schwieg dem Bürger gegenüber, richtete das Auge aber sorgvoll auf ausschlagende Messgeräte. »Herr Schwollen, es ist viel passiert. Sollten die Vorgaben nicht der Sicherheit, vorrangig aber Gesundheit des Bürgers dienen?«

Schwollen: »In einer Zeit, in der wir dauerhaft dem unsichtbaren Bombardement technischer Strahlung in Form von WiFi und Technik ausgesetzt sind, Menschen dauerhaft mit Smartphones in der Hosentasche, Earbuds in den Ohren und Smartglasses und VR-Brillen vor den Augen durch die Welt laufen, ist Radioaktivität das mittlerweile kleinste Problem. Und selbst wenn, nicht die größte Sorge.«

Schwollen zeigt uns beim Genuss eines zweiten Eiweißshakes mehrere Ordner. Seine Rechtsabteilung hakte bei der Regierung nach. Nun hat er es schwarz auf weiß. So heißt es in einer E-Mail: »Mittlerweile schaffen es die offiziellen Stellen nicht mehr, den Arbeitsaufwand zu bewältigen. Es müsste im Grunde auch für jede einzelne Sache ein Verbot ausgesprochen werden. Etwa, dass Lebensmittel frei von Zehennägeln, Zigarettenstummeln, Insekten, Backsteinresten, Mikrofonhaltern und abgerissenen Gliedmaßen sein müssen. Wir plädieren da auch an den gesunden Menschenverstand.«

Schwollen weiter: »Durch die Gesetzesänderung ist es also nicht mehr notwendig, die Richtwerte der Radioaktivität einzuhalten oder ein Produkt gar als radioaktiv verstrahlt zu deklarieren. Wir setzen den Hinweis trotzdem«, sagt Schwollen, holt unter dem Tisch einen massiven Bleikanister hervor und knallt ihn auf den Tisch. Gamma Ray Massgainer steht in grünen, glühenden Lettern drauf. »Das erste nukleare Nahrungsergänzungsmittel! Wir vermarkten es sogar in die Richtung. Die G. Schwollen Gesundheitsprodukte AG ist die erste Firma weltweit, die radioaktive Supplements anbietet. Und das noch dieses Jahr!«, verkündet er stolz.

Hilft beim Verzichten aufs Masthuhnvernichten

Als große Fans von Fitness, Fleisch und Fettverbrennung sind wir natürlich gleich Feuer und Flamme. Wir fragen, woher die Schwollen AG das Uran – das im Englischen Uranium heißt – bezieht. »Mein Bruder besitzt eine Firma, die Uran-Munition für das Militär herstellt. Zusammen gründeten wir Potsdamer Protein und Patronen Produktionspalast, ein Joint Venture. Während mein Bruder abgereichertes Uran-Isotop 238 für Patronen verwendet, nutzt die G. Schwollen AG das angereicherte Isotop des Urans – Uran 235, um genau zu sein – als Zugabe für unseren Massgainer.« Dabei klopft Schwollen auf den Bleibehälter.

BBQ: »Aber woher beziehen Sie Ihr Uran genau? Welchem Land?«
Schwollen: »Das kann und darf ich nicht verraten. Aber wir kaufen im Bulk, der Kunde für den Bulk. Einer fürs Militär und gegen die Massen, der andere für Military press und Masse.« Betriebsgeheimnis, heißt es weiter. Macht auch Sinn für ein Unternehmen, dessen Slogan »Krieg und Kraftsport in Kooperation« lautet.

»Wir setzen uns auch für das Wohl der Kunden ein. Aufgrund der hohen Nährstoffdichte von achtzehn Milliarden Kalorien pro Gramm erzeugt unser Gamma Ray Massgainer auch ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl in den Organen, die übrig bleiben. Der Mensch von heute isst und ist bewusster als damals. Ich denke, wir haben mit unserer Produkteinführung genau den richtigen Zeitpunkt erwischt. Anstatt mäßig massig zu werden, schafft ein Kalorienplus von knapp achtzehn Milliarden es doch, den Stoffwechsler zu einem Stoffhäcksler zu machen. Zerlegen die massive Alpha-, Beta- und Gammastrahlung als Kombo doch Stücke der DNA. Testsubjekte, die ausreichend lange überlebten, beschrieben es als metallisch knisternd.«

BBQ: »Außerdem muss es nicht schmecken, sondern wirken, richtig?«
Schwollen lacht. Er ist ein alter Trainingsfreund von Markus Rühl, hat viel von diesem Ehrenmann gelernt und kennt auch jenes und jedes Zitat von ihm. »Durch die hohe Radioaktivität von Uran-235 als Zutat können wir garantieren, dass das Produkt mindestens 704 Millionen Jahre haltbar ist. Das ist sogar minimal länger als etwa Honig, Zucker, Salz und Essig und die Erde selbst. Zudem verhindert die starke radioaktive Verstrahlung nach dem Erwerb den Verderb der anderen künstlichen Ingredienzien des Produkts.«

Dank viel Becquerel wächst Masse schnell

Und bei Bizepsumfang und Bankdrückgewicht zählt einzig Prahlen mit Zahlen. Wir lassen uns die Sache mit Uran weiter erklären. Der Unterschied zwischen Uran-235 und Uran-238 ist unter anderem die Halbwertszeit. Uran-235 besitzt eine kürzere Halbwertszeit von nur 704 Millionen Jahren (statt 4,5 Milliarden Jahren), ist dadurch aber höher radioaktiv (80.000 Becquerel pro Gramm, statt nur 12.400). Als Vergleich: Bisher galt für Lebensmittel in Deutschland ein Grenzwert von 0,6 Bequerel pro Gramm. In Pilzen und Wildfleisch im Bayerischen Wald und Teile Oberschwabens sind selbst Jahrzehnte nach dem Vorfall in Tschernobyl noch Belastungen durch Cäsium-137 nachweisbar.

BBQ: »Mit der Überschreitung der Dosis um das 133-tausend-fache liegt Ihr Produkt aber schon etwas über der Normalität?«
Schwollen: »Joah, ballert schon etwas derb am Limit. Zu Beginn reizten uns die Halbwertszeit und somit das Mindesthaltbarkeitsdatum von viereinhalb Milliarden Jahren«, erklärt Schwollen. »Da wir unseren Kunden aber stets das Beste bieten wollen, einigten wir uns bei Potsdamer Protein und Patronen Produktionspalast auf das angereicherte Uran. Mehr Strahlung lässt sich besser vermarkten. Zudem hat es Elektrolyte!«

BBQ: »Wird es die Kunden überzeugen?«
Schwollen: »Selbstverständlich!«
BBQ: »Was macht Sie da so sicher?«
»Man muss alles in Relation sehen«, so Schwollen weiter. »Die Gymratten interessiert es nicht, wie ungesund etwas ist, und ob Leber, Niere und Innereien anschwellen, reißen, den Dienst versagen. Sehen sie sich die Riege der Profibodybuilder an. Alle stoffen, und alle hoffen auf Ruhm und Titel. Es muss einzig wirken, und Geld und Gesundheit sind gleichermaßen Währungen.

Wie viele trinken Energydrinks vorm Sport und brauchen Pre-Workouts, weil sie nicht mehr wissen, was normale Ernährung ist? Viele mischen ihr Pre-Workout mit Energydrinks, leben quasi von Ibuprofen zum Frühstück, konsumieren Süßstoffe, Geschmacksverstärker und künstliche Aromen mit jedem Schluck, jedem Bissen. Was normaler Geschmack ist, weiß schon längst keiner mehr. Ein bisschen zusätzliche Radioaktivität ist da sicher genau das, was noch fehlt.«

Schwollen hat sich am Schluss ein bisschen in Rage geredet und wirft beim Aufstehen aus Versehen den Schreibtisch durch die Terrassentür. Er lädt und sogar noch ins Training in sein Homegym ein. Wir lehnen freundlich ab, da wir noch einen anderen Termin haben. Als kleines Dankeschön gibt er jedem von uns noch einen Gamma Ray Massgainer, eine Handvoll Riegel und einen Proteinfurz mit auf den Weg, den er bei der Eingangstür nicht mehr halten konnte und uns bis zu unserem Van am Parkplatz begleitet.

Als Trainingsbegeisterte werden wir uns auf die erste Portion des Massgainers freuen und hoffentlich erneut darüber berichten können. Wir bleiben dankbar in Kontakt und sind gespannt, ob andere Firmen auch entsprechende Nahrungsmittel oder Ergänzungsprodukte auf den Markt bringen.

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Newsquellen

YouTube: Suchanfrage mit »uranium calories«

T-Online: Dieses Element hat 18 Milliarden Kalorien

Chemicalbook: Is one gram of Uranium really equivalent to 20 Billion calories?

Caloriehealthy: How many calories are in one gram of Uranium

Bildquellen

Coverbild:
Alles mit der eigenen Unfähigkeit in Affinity Designer 2 erstellt. Mit der Ausnahme folgender zweier Bilder:

Die Hantelstange im Coverbild:
Pixabay, Jonas Fehre
Die Flaschentextur im Coverbild:
Pixabay, Wilson Blanco

Die Hanteln:
Pixabay, jboelhower

Die Bücher:
Pixabay, Congerdesign

Die beiden Beipackzettel mit den Inhaltsstoffen:
Eigenkreationen.

Das Logo von PPPPP:
Eigenkreation.

Was nicht mehr reinpasste

• Masse Rainer, Massgainer (es reimt sich ja nicht)
• Nebenverweis zu Radithor und Radium
• Alphastrahlung, Betastrahlung, Gammastrahlung (Wäre zu wissenschaftlich geworden)
• Aminosäuren (Wäre zu sehr ins Detail gegangen)
• Adonis / Adipositas
• Codex Alimentarius (zu viele Details)
• Ordnungszahl 92
• CASTOR (als Herstellerfirma für die Behälter)
• M.A.S.S.E. (Mass Amassing Supermassive Superflavoured Enricher) (Gestrichen)

Fehler oder Hinweise:

  • Stefan: „Ganz neu: Pripjat Pineapple 😁“
    – Wäre eine gute Addition gewesen. Danke für den Hinweis! Vielleicht bei einem Folgeeintrag!