Denn im Krieg sollte man sich auch nicht genieren, mit Nachdruck alles zuzubetonieren

Als ich letztens früh im Einkaufszentrum unserer Stadt die Toilette verließ, hielt ich die Tür für einen älteren Herrn auf, den ich kenne. »Guten Morgen!«, begrüßte ich ihn freundlich, während wir uns passierten und er im Vorbeigehen mit einem unbeschreiblich wissenden Grinsen erwiderte: »Oh ja, den werde ich gleich haben.«

Ich will ja nicht übertreiben hier (nein wahrlich nicht!), aber seinem Gesichtsausdruck nach zufolge hatte der noch Großes, und ich meine wirklich Großes vor. Da stand kein einfaches Vorhaben mehr an, nein, nein, liebe Gefolgsleute. Dieser gute Mann zog in den letzten Krieg. Und lasst Euch gesagt sein, der Sieg strahlte mir bereits da aus seinen Augen entgegen.

Dies würde ein innerer Krieg werden, für welchen er alle Register ziehen und schwerste Geschütze ausfahren würde. Und als sich die Türe letztlich hinter mir langsam schloss und er noch im nächsten Moment damit begann, den Thron ein letztes Mal für dieses Ultima ratio zu besteigen, da wusste ich, dass ein neues Kapitel geschrieben werden würde.

Ganz ehrlich? Von einem normalen Geschäft im Sinne von Zubetonieren, den Fliegerhorst neu zu zimmern oder kräftig Massivzupflastern konnte hier gar keine Rede mehr sein. Dass, was dort anschließend im Gange war, zu geschehen, besaß schon eine Dimension, deren bildhafte Beschreibung in Worten jegliche zumutbare Härte übertreffen würde.

Und ich denke nicht, dass er sich an die Gebrauchsanweisung gehalten hat. Oder es war mal wieder dieser eine Tag.

Standard oder Express für die Pakete, oder gleich reingepfeffert wie Rakete?

Bild

INCOMING!

Pakete? Rakete!

Pakete? Rakete!

Lieber verantwortlicher Artillerieschütze des Feldhaubitzenbataillons 44 Mitarbeiter des zuständigen Paketzustellungsdienstes,

vielen herzlichen Dank für Ihre wunderbare Arbeit, die Sie tagtäglich leisten und Ihr Engagement, welches Sie einbringen und an den Tag legen. Wie man unschwer erkennen kann, hat sich die unmittelbar nach dem Kindergarten beginnende Paketzustellungsschule sehr bezahlt gemacht und sich auch direkt auf Ihren gewählten Job ausgewirkt.

Vielleicht hätten Sie aber trotzdem zumindest das erste Grundschuljahr beginnen sollen, um gewisse wichtige Grundfertigkeiten in Ihr Repertoire aus Fähigkeiten aufzunehmen. Somit hätten Sie mitunter die kognitive Fähigkeit des Lesens vermittelt bekommen. Womöglich hätten Sie dann sogar die bunten Letter auf gewissen Paketen auch direkt identifizieren und als Nachrichten / Mitteilungen erkennen können. Vielleicht wären Sie auch davon abgegangen, nicht jedes Paket in einen Briefkasten zu stopfen, als wäre es nicht nur die Füllung eines Festtagtruthhans, sondern die Treibladung einer Feldhaubitze des frühen 19ten Jahrhunderts.

Aber gut, ich übe Nachsicht, schließlich kann jedem einmal so ein kleiner Fauxpas unterlaufen. So ist das eben, wenn man nur bis Zwei zählen kann und klatschend auf einem Bein im Kreis springen als Hobby hat. Zudem ist es nicht unbedingt Ihre Schuld – schließlich hätte sich der Absender redlich mehr Mühe geben können, besagtes Päckchen mit fragilem Inhalt mit „Zerbrechlich“ zu markieren. Indem er zum Beispiel bei der Auslieferung persönlich dabei gewesen wäre und mit einem Megafon „Achtung, zerbrechlich!“ in Dauerschleife gerufen hätte.

Für die Zukunft bitte ich Sie, kommende Päckchen in das Treppenhaus zu legen oder einfach wieder mitzunehmen. Oder sich selbst in der Sondermülltonne zu entsorgen. Falls Sie sich erneut dazu entscheiden sollten, mein Paket mit einem Vorschlaghammer postfachpassend abzuliefern und dermaßen zu vergewaltigen, werde ich sie via Expresslieferung in die Heliosphere schießen. (Ja, das ist weiter weg als „zwei“.)

In jeder Hinsicht waren sie das Wahre, die 80er- und 90er-Jahre

Bild

Im Grunde dürften ich und zahlreiche andere schon gar nicht mehr leben.

Aus Sagen und Legenden wird berichtet, dass diejenigen, die vor 1990 geboren wurden, die letzte Ära der Unzerstörbaren darstellen. Gründe mag dies viele haben, doch sticht einer ganz besonders und offensichtlich heraus: Die damalige Generation war nicht so komplett dämlich und geistiges Untergrundfliegertum wie der Gro der Neuzeit. Was unter anderem daran liegt, dass wir damals mit der besten Musik überhaupt aufwuchsen, die größten Klassiker im Kino sehen durften, das Wort Internet noch im Fremdwörterlexikon existierte, es ergo solchen Scheiß wie Facebook, Twitter und den ganzen (a)sozialen Rest noch nicht gab und wir noch Werte wie Anstand, Respekt und Achtung vermittelt bekommen haben – und ebenso gelebt haben, wie wir es immer noch tun.

Doch zurück zum Anfang, womit ich einen weiteren Grund anführen will, warum wir unzerstörbar waren: wir waren es einfach! 😀 Warum genau, nun, da kann ich nur mit den Schultern zucken. Aber jeder, der auch das Glück und den Segen hatte, in oder vor diesem Zeitrahmen geboren worden zu sein, wird mir zu ungefähr vierhundert Prozent zustimmen.

Weiterlesen