OnlyBans kommt noch 2025! Folgt ein neues AdBlock-Zeitalter?

Ende 2025 geht OnlyBans an den Start – ein kostenpflichtiges Tool, mit dem ein Nutzer gezielt Personen aus Newsfeed und Social Media blockieren lassen kann. Nur ein glorifizierter AdBlocker, oder das Tool, auf das alle gewartet haben? BBQ im Gespräch mit Chefentwickler Markus Bockig.

Inhaltsverzeichnis

Die Macke der Marken
Denn Marktschreier gehen allen auf die Eier
Die Avantgarde, die still verharrt
Kostenlose Probephase für eine ungetrübte Blase
Drum prüfe, wer sich ewig entbindet
Präsidenten, Politiker und andere Psychopathen
Viele Fans für OnlyBans?
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Die Macke aller Marken

Nicht selten führt ein Scrollen durch den mit Asozialität angereicherten Newsfeed seines Misstrauens zu stressbedingtem Nasenbluten, Kopfschmerzen, Augenbrennen und dem Wunsch, das smarte Gerät mit einem Wurf durchs geschlossene Fenster zu entsorgen.

Am versifften und an die Wand gefahrenen Algorithmus mag man noch selbst schuld sein – hat man ihn doch selbst gemästet und gefüttert. Hier klickte man versehentlich auf einen Werbespot für einen Rasenmäher. Dort sah man sich während der Toilettenpause auf Arbeit schmuddelige Memes an. Vier Stunden später versank man in einer Diskussion in einem Forum für Wanderstiefel und Funktionssocken.

Im vermeintlichen Offline-Leben sprach man im Beisein von Alexa, Google, Smart-TV und dem smarten Kühlschrank noch über einen Autoverkauf, den geplanten Urlaub und wann die Fünf-Liter-Vorratskübel Gleitgel wieder im Angebot sind. Bis man sich versieht, befindet man sich im Griff einer globalen Werbekrake, die einen tief in den Strudel zieht.

Die Werbung an sich mag da nicht das Problem sein. Das Produkt kennt man schließlich. Die Marke von Auto, das Getränk, die Jeans, Bier, das bevorzugte Urlaubsland – es ist Teil unseres Lebens. Was aber sauer aufstößt, ist die Person, die es uns bei jeder Werbung ins Gesicht plärrt wie der nervigste Marktschreier. Mit Anlauf, 95 Dezibel, elendigem Mundgeruch und der Nervigkeit chronischen Genitalherpes. Dabei aber agierend wie ein schlechtes Gewissen mit fadem Nachgeschmack, warum man nicht kauft, nicht bucht, nicht sucht.

Jeder Onlinebesuch ist wie ein dauerhafter Spießrutenlauf durch eine, endlosen Marktplatz. Soziale Medien, asozialer Markt. Und was ein Marktplatz am lautesten und nervigsten ist, hat am meisten Erfolg.

Denn Marktschreier gehen allen auf die Eier

Sei es Ralf Schuhmacher, der sich billiger als billigstes Separatorenfleisch für eine Firma verkauft, die Autos kauft. Es nervt nicht nur, es ist sogar so miserabel, dass es nicht einmal das Potenzial zu einem Meme hat. Ein Markenbotschafter und Notschlachter der eigenen Karriere, Kompetenz und Kredibilität.

Oder Check 24, die mit ihrer schrecklich peinlichen Sitcom-Variante für Kunden warb, jene aber nur unsagbar müde die Augen überdrehen ließ. An Peinlichkeit und Fremdscham nicht zu überbieten. Gleich eingereiht neben Ingrid von Indeed – das Wortspiel mag sitzen. Aber nur im Kopf eines unkreativen Fünfjährigen oder des Praktikanten der Werbeagentur. Und ganz sicher nicht für jemanden, der sich professionell darstellen will oder dieser Werbung täglich ausgesetzt ist.

Dicht gefolgt vom Seitenbacher-Chef persönlich, der meint, mit schrecklichem Dialekt im Radio punkten zu müssen.

Appetit vergangen?

Sächsisch, da ist sich die Welt einig, ist nicht als Sprache, noch nicht einmal als Versuch der Kommunikation zu definieren und gilt als Beleidigung für alle aufrecht gehenden Menschen. Bairisch und Schwäbisch gelten als angenehme Günstlinge. Doch selbst die Schönheit des Schwäbischen verblasst, wenn man für Werbezwecke dauerhaft damit ungefragt penetriert wird. Diese Dialekt-Dauerdrangsalierung führt eher dazu, dass man den Hersteller meidet. Höher als der Nervfaktor ist da hingegen nur die Preisgestaltung der hinausgeplärrten Produkte, was eine Boykottierung nur noch erleichtert.

Man möchte es einfach ignorieren, vergessen. Nicht jedoch die Marke. Beileibe nicht. Denn Cola bleibt Cola, Nike bleibt Nike und Obi ebenso Obi. Man wird die Cola trinken, Nike tragen und bei Obi Werkzeug kaufen. Oder eben bei Wir-kaufen-dein-Auto sein Automobil verkaufen.

Im Detail ist es nicht die Werbung, sondern so mancher Hohn einer Person, die in einem die Galle in Schwalle hochkommen lässt. Erst ist es das Verbale, dann die Visage, dann die Vision des Verkaufs, die einem aufstößt. Und oft wünscht man sich nichts sehnlicher, als diese Person nie wieder zu sehen, nie zu hören, und bis Lebensende aus dem eigenen Wahrnehmungsbereich zu verbannen.

Im Offline und echten Leben kann man diesen Menschen noch aus dem Weg gehen. Was macht man aber online? Was macht man beim urge to purge, dem Drang zur Bereinigung?

Die Avantgarde, die still verharrt

Das dachte sich auch ein neues Start-up-Unternehmen namens OnlyBans. Mit einem gleichnamigen Produkt will es nämlich genau das: Einem das digitale Dasein komplett davon bereinigen. Der Belästigung durch die penetrante persistente und Präsentation ein für alle Mal den Kampf ansagen.

Und das geht erstaunlich einfach, wie Chefentwickler Markus Bockig erklärt: »OnlyBans ähnelt vom Funktionsprinzip einem Adblocker. Ähnlich solchen muss OnlyBans nur als App auf dem Smartphone oder als Browsererweiterung installiert und mit einem Konto synchronisiert werden. Hier enden auch schon die Ähnlichkeiten.«

»Während Adblocker sich an Blocklisten orientieren, benötigt OnlyBans nur einen Namen. Der integrierte Algorithmus S.T.F.U. erledigt den Rest. S.T.F.U. steht für Silent Tracking and Firewalling the Unwanted. Dabei trackt, also verfolgt OnlyBans jede Handlung und Veränderung der unerwünschten Person und reagiert darauf. Selbst wenn eine blockierte Persönlichkeit eine neue Internetseite erstellt, ihren Namen auf Instagram minimal ändert oder gar auf X, Bluesky oder MeWe ein Profil erstellt, registriert S.T.F.U. das und erweitert die Blockade, den Ban. Die Liste ist stets einseh- und konfigurierbar. Einmal ein Name eingegeben, wird der User nichts davon mitbekommen.«

OnlyBans. All the newsfeed without the nosebleed.

-Slogan von OnlyBans

Kostenlose Probephase für eine ungetrübte Blase

Noch im dritten Quartal 2025 geht OnlyBans auf allen Plattformen an den Start. Bis dahin wird die Werbetrommel – hoffentlich, wie der Chefentwickler betont, – fleißig gerührt. Hoffentlich, denn: »Wir setzen großflächig auf positive Mundpropaganda und Reviews, anstatt auf Millionen fürs Marketing. Wir aber sind überzeugt von unserem Produkt, und nutzen es auch selbst.«

Als Anreiz gibt es schon bald eine zweimonatige, kostenlose Testphase. In dieser kann man bis zu drei Persönlichkeiten aus allen Newsfeeds von Social Media verbannen. Eine Auflistung der verfügbaren Abomodelle kann man auf der Seite von OnlyBans bereits jetzt einsehen.

Sicherlich, besonders das unbegrenzte Big-Ban – Modell mag auf den ersten Blick an Wucher grenzen. Verglichen aber am schieren Infinitum intellektbefreiter, inhaltsloser Influencer, die einzig mit nackten Füßen, deftigem Dekolette, gewaltigen Gesäßen und eingeölter Haut in rekelnden Posen produkt-passend punkten wollen, dürfte es nicht lange dauern, bis man das volle Potenzial von OnlyBans sieht. Und hierfür weitaus tiefer in die Tasche greift. Schließlich kauft man ein Stück Frieden dafür.

Beispiele kennt jeder. Da muss man nicht einmal an die oben erwähnten Prominenten und Markenbotschafter denken. Sei es der aufgeschwollene Fitness-Influencer, der für Eiweißpulver wirbt und mit seinem steroidenstarken Sixpack Stimuli erzeugt. Oder das weibliche Äquivalent, enger in die XXS-Leggins gepresst als hausgemachter Presssack, das Hinterteil posentreu in die Kamera gehalten und um Views und Klicks gebuhlt.

Am schlimmsten vermutlich die reaction Videos – also Videos, die ohne Erklärung auskommen, aber von einem notorischen Niederintellekt auf Neanderthalernivau niederkommentiert werden, um vermeintliche Klicks zu generieren. All diese Individuen sind fern jeder Realität, dafür nah am Kunden.

Drum prüfe, wer sich ewig entbindet

Und das noch dieses Jahr und überall. Verfügbar ist OnlyBans überall, wo es Internet gibt. Dabei funktioniert OnlyBans nicht recht viel anders als gewöhnliche Adblocker. »OnlyBans aber verankert sich tiefer im System und ist in der Lage, faule Früchte aus dem Korb herauszupicken. Adblocker blockieren mitunter die ganze Werbung, sicher. Aber filtern sie auch den Politiker heraus, der einen nervt? Den Motivationsredner, der einem sagt, wie man rasch Millionär wird? Eine ganze Sparte an Sport?«

»TikTok, Instagram und Konsorten bestehen im Grunde zur Hälfte aus Nacktheit, Geschrei und intellektueller Leere, übertüncht von Schnittgewitter und Effekten. Das wollen wir dem Nutzer ersparen.«

Markus Bockig, Chefentwickler bei OnlyBans

»Da wir nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Säuberung des Newsfeeds garantieren, gehen wir bei OnlyBans granular, gewissenhaft und gründlich vor. Dafür sind neben automatisieren Seitenblockierungen und -ausblendungen auch manuelle Prüfungen durch unser Team notwendig. Da jeder Nutzer eigene Präferenzen hat, kann man nicht einfach pauschal einen Namen blockieren.«

Da fragen wir nicht genauer nach, da wir es nicht genauer wissen wollen. Chefentwickler Markus Bockig aber erläutert trotzdem: »Ein Geologe oder Mineraloge etwa, der zum Beispiel von der omnipräsenten Selbstvermarktungssucht von Dwayne »The Rock« Johnson sich belästigt fühlt, wird zwar den Selbstdarsteller und all seine Projekte und Videos ausblenden wollen. Nicht aber will er Beitrage aus Steinforen vermissen, oder gar Hard-Rock-Musik.«

Präsidenten, Politiker und andere Psychopathen

Also alle Probleme unserer Gesellschaft sind von prominenter Persönlichkeit – denn Power und Paranoia liegen meist nahe beieinander. Das weiß auch OnlyBans, und liefert Inspiration für weiteres Blockieren mit einer Art Bestenliste.

Das ist S.H.I.T., der Smart Hit Indicator Tier, was übersetzt kluge Treffermelder-Ebene heißt. »OnlyBans registriert und katalogisiert jeden einzelnen Ban«, sagt Bockig. »Je mehr Treffer eine Person erhält, desto höher rutscht sie in der Ebene. Personen, die über eintausend Mal blockiert wurden, schaffen es in die Liste.«

Diese S.H.I.T.-List ist auch für Kunden einsehbar. Etwa zur Inspiration. Da wir von BBQ eine soweit uneingeschränkt lauffähige Vorabversion mit aktivierter Big Ban – Sektion von OnlyBans bekamen, sahen wir uns die Liste genauer an.

Es gibt nicht nur eine automatische S.H.I.T.-Liste. OnlyBans selbst kuriert Listen, die man für ein sorgloses Browsen abonnieren kann. In der uns zur Verfügung gestellten Version empfahl man uns, in der Kategorie P.I.S.S.E.R. (Politiker, Influencer, Sportler, Schauspieler, Entertainer, Radiomoderatoren) zu stöbern. In dieser Hauptkategorie wären die meisten Newsfeed-Störfaktoren aufgelistet. Übrigens nennt man die bei OnlyBans intern die Nosebleeds, die Nasenbluter – weil sie eben das verursachen.

OnlyBans.

Soweit wir beim weiteren Durchschauen der Listen sehen konnten, gibt es auch Unterlisten. Etwa bei Influencer, die soweit in Fitnessbereich, Beauty & Make Up und Brustbetonende Bitches (vermutlich noch ein Platzhalter, da noch nicht auswählbar) unterteilt sind. Ebenso differenziert man bei Sportarten wie Fußball, Radsport und Basketball. Unter die Kategorie der Redner fallen vor allem Motivationsredner und moderate Radiomoderatoren.

Die Sparte der Politiker lässt sich sogar nach Land und Region sortieren. Grundsätzlich kann man jede Person in die Blockliste setzen. Einer unserer Redakteure war Stunden damit beschäftigt, die Kategorien durchzugehen und die vorgefertigten Listen durchzugehen. Er beschrieb es fast wie beim Einkaufen, ein Stöbern nach Störern. Im Test sahen wir uns konfrontiert damit, wie viele Individuen generell blockiert werden sollen. Vor allem, wie sehr doch unser aller Social Media mittlerweile verseucht war.

Viele Fans für OnlyBans?

Eine weitere Liste namens P.E.N.N.E.R. (Psychopathen, Egomanen, Narzissten, Nationalsozialisten, Entrepreneure, Royals) ist bereits vorhanden, war in unserer Version aber noch nicht freigeschaltet oder einsehbar.

Wir von BBQ sind überzeugt von OnlyBans. Es ist ein teures, aber unbezahlbares Tool. Und das Beste – es funktioniert einfach. Bei uns verrichtete das Plug-in auf allen Geräten tadellos und störfrei seinen Dienst. Vorher eine rasche Installation, dazu die Eröffnung eines OnlyBans-Kontos, damit die Bans auf allen Geräten synchronisiert werden. Bei uns ging OnlyBans sogar soweit, auf dem PC als auch auf dem Smart-TV alle Filme, in denen Dwayne Johnson mitspielt, auszublenden. Sobald in den Nachrichten Donald Trump erwähnt wurde, schaltete sich das Gerät auf stumm und blendete entsprechende Bilder und Einblendungen aus.

Wir bedanken uns für bei Chefentwickler Markus Bockig für den Test – wir werden auch weiterhin die Big Ban – Variante nutzen wollen. Sicher darf man auch sein, dass man seine sozialen Medien wieder genießen kann, wenn alle P.I.S.S.E.R. und P.E.N.N.E.R. weg sind, generell die ganze S.H.I.T.-Liste abgearbeitet ist und man nur noch S.T.F.U. sagen und seinen Newsfeed genießen kann.

Bildquellen

Das Titelbild und das Logo:
Eigenes Werk, eigenes Logo, eigene Kreation.

Die Auflistung:
Eigenes Werk, eigenes Logo, eigene Kreation.

Das Smartphone:
Photo by Tracy Le Blanc, Pexels.

Das Müsli:
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