Sparsamkeit ist eine Zier, darum rotz ich auf die Scheibe dir

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So, Lungentorpedo laden und hochziehen!
So, Lungentorpedo laden und hochziehen!

Du weißt, dass jemand als Kind die Sparsamkeit wahrscheinlich mit sauber knallenden Genick-watschen und ament ein, zwei Kinnhaken eingebleut bekommen hat, wenn du mit jemandem mitfährst und dieser jemand regelmäßig am Rastplatz hält, um das plattgeflunderte Fliegengetier von der Windschutzscheibe mit Spucke und Taschentuch wegzurubbeln.

Die Frage, warum nicht einfach die vorgesehene Vorrichtung namens Scheibenwischer verwendet wird, wurde mit der Antwort gekontert, da dabei ja Scheibenwasser verbraucht werden würde. Zudem würde es eh bald regnen und bei der letzten Inspektion vor einem Monat wurde das Auto ohnehin gewaschen.

Mit Rotz zum Trotz, denn mit Saliva putzt es sich bekanntlich wunderbar. Aber so sind sie, die Alten, die Senilen, die Geizkragen und die Pfennigfuchser. Zudem: Wer kennt nicht den alten Schlager von Speier Sturzflug, in welchem eine Zeile unter anderem „Ja ja jetzt wird wieder auf die Scheibe gespuckt“ lautet? Oder auch der Klassiker „Eine neue Fliege ist wie ein neues Kleben“? Unvergessen wie Muttis Spuckreinigungsmittel, wenn man als Kind dreckig war. All dies bleibt unvergessen wie das rotzende, rubbelnde und quietschende Erlebnis, welchem ich im Fünf-Minuten-Takt beiwohnen durfte.

Bildquelle:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAlfa_Romeo_Montreal_(9270819085).jpg, von Vetatur Fumare (Alfa Romeo Montreal) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Da gehst ja freiwillig vor die Hunde, bei dem Gestank dort aus dem Munde

Lieber Weltenerschaffer, warum bist du eigentlich so unglaublich scheiße? Oder warum schaffst du es, dass ich stets genau auf die Menschen treffe, die zwei zueinander absolut inkompatible Eigenschaften kombiniert besitzen?

Ich verstehe es, dass es viele unterbelichtete, zum Erschlagen dumme Affentrottel gibt, die wir in unserer Mitte akzeptieren müssen. Auch, dass wir sie nicht standesrechtlich erschießen dürfen. Und Warnschilder und Hinweise anbringen müssen, damit sich diese hirnfremden Arschlochkrampen und Darwinpreis-Dauergewinner nicht selbst aussortieren. Irgendwie muss es ja doch Abtrennungen zu uns Menschen geben, die zu normalen, kognitiven Denkstrukturen in der Lage sind. Dass du diesen minderbemittelten, parolenbrüllenden Stammtischbrunzern auch noch von Geburt an eine überaus generöse Portion Geltungsdrang und Besserwissertum verabreichst und sie damit meinen, alles besser wissen zu müssen und stets ihre dämliche Sauschnauze aufreißen, obwohl sie noch nicht einmal ihr eigenes Geschlecht beziffern, geschweigedenn eigenen Namen buchstabieren können, weil sie bereits um elf Uhr vormittags sturztrunken sind, das verstehe ich noch.

Nur zähneknirschend und mit der allerletzten Viertelunze meiner nur noch kärglich vorhandenen Menschenliebe kann ich hingegen diejenigen akzeptieren, die einen solch lahmarschigen Gang drauf haben, dass man sie nur ZU gerne mit einem nagelversehrten Holzlatte beschleunigen würde. Besonders, weil sie neben dieser Eigenschaft noch im gleichen Augenblick stets die Angewohnheit haben, möglichst diagonal die Straße zu überqueren, anstatt im rechten Winkel und sieben Meter weiter, wo sich ein Zebrastreifen befindet. Und dann noch ganz empört ihre dämliche Scheißfresse aufreißen, weil jemand mit seinem Automobil die Straße benutzt und vorbei will. Jeder stimmt zu, dass diese achtzig Peitschenhiebe auf die nackten Sohlen und mindestens doppelt so viel Genickwatschen verdient haben. Simultan ausgeführt. Doch nein, ich respektiere auch diese. Und die sind auch nicht das Problem.

Aber warum treffe immer ich auf genau diejenigen, die gleichzeitig unter Mundfäule und nicht auszuhaltendem Mundgeruch leiden und genau in *der* Etikettenstunde gefehlt haben, als wir die eine Sache mit der persönlichen Sicherheitszone und -abstand durchgenommen haben? Es ist ja schon nervig, wenn jemand bei einem Gespräch so wenig Abstand hält, dass man die Nasenhaare des Gegenübers einzeln zählen kann und nur die Zunge ausstrecken müsste, um den Geschmack seines Augapfels kosten zu können. Wenn dieser jemand aber dann noch aus dem Mund einen Odem von Gülle verbreitet, der einem den olfaktorischen Sinn komplett annulliert und zudem das Augenwasser zum Umkippen bringt, dann ist das nicht mehr schön. Wieso wurden bei diesen auch die Orte für Nahrungs-Input und Nahrungs-Output vertauscht? Und warum ist es so, dass so viele Nicht-Frühstücker ebenso Vielraucher sind und sowohl die orale morgendliche Pflege als auch das Frühstück nur durch eine Schachtel Zigaretten ersetzen? Wer macht denn sowas? Ich kann mich nur wiederholen: Das ist nicht schön.

Nein. Wirklich nicht mehr schön. Denn da möchte man einfach nur noch zuhauen. Man weiß nur nicht so recht, wohin. Dem anderen auf die Zwölf, damit der unerträgliche Gestank durch Abstandsgewinnung erreicht und die verpasste Stunde der Etikette nachgeholt wird. Oder sich selbst ins technische KO, damit die barmherzig angenommene Bewußtlosigkeit dem sich aktivierenden Brechdrang zuvorkommt.

Wie auch immer. Solltest du das lesen, lieber Weltenerschaffer: Kannst du das bitte beim nächsten Update berücksichtigen? Danke schon mal im Voraus, du verdammter Trottel. Ich würde es sehr begrüßen.

Und für jedes Wort, das kam zu schnelle, landete sicher die Maulschelle

Ah, Berufsschule! Berufsschule heißt Schule, und Schule heißt für mich seit der siebten Klasse, als mein unglaublich verfressenes Mundwerk so richtig lose wurde und außer dem Verlangen, stets Futter in die Luke geschoben zu bekommen, auch hier und da zur Abwechslung mal verbal Brauchbares produzierte: Innerer Clown hat Level 2: Klassenclown erreicht!

Unser Lehrer kam gerade etwas verspätet in den Unterricht und erklärte, er hätte noch etwas erledigen müssen. Irgendwelche Sachen bezüglich anstehendem Informationstag mussten noch besprochen und ausgedruckt werden, ebenso musste alles passend verteilt und im ganzen Schulhaus gut sichtbar aufgehängt werden.

Jedoch hatte es unsere Lehrkraft fatalerweise versäumt, es mit einer eindeutigen Formulierung anzugehen. Ich hingegen hatte es umso mehr nicht versäumt, eine solche Schwachstelle im Sturm anzugreifen. Immer griffbereit: Meine unglaublich treffsichere Lanze der Schwarzrhetorik. Wie ein stehendes Heer nur darauf wartend, sich auf einen Satzbaufehler, eine laue Formulierung oder Dergleichen zu stürzen und in die Weichteile stechen. Besonders dann, wenn sich eine Zwei- oder Dreideutigkeit oder Steilvorlage gibt.

Da heißt es nur noch: Marsch Marsch! 😀

Lehrer: „Ja, und die ganze Sache mit dem Aushang und dem Banner muss ich mit meinem Kollegen noch einmal abklären. Dann werden wir es angehen und ihn endlich aufhängen.“

Ich: „Wen aufhängen, den Kollegen?“

Ein Moment der Stille.

Dann die Erkenntnis: Alexander startled the Inevitability.

Und das Steinchen das trollt, wird zu einer Lawine, die rollt.

Nun, unglücklicherweise war das noch ein Lehrer der alten Schule. Sehr alten Schule. Quasi so alt, dass es noch nicht einmal ein Wort für diese Einrichtung gab. Somit spreche hier nicht von „alt“ wie „Ich bin eine betagte Lehrkraft, ich habe noch ein halbes Jahr zur Pension und dann folgt nach nie getaner Arbeit der gar noch gemütlichere Teil des Lebens“, sondern alt wie in „Wir wurden im frühen 18ten Jahrhundert geboren und mit Prügelstrafe aufgezogen, also geben wir das auch in bester Panzerhandschuhmanier und knirschender Kinnhakenmentalität weiter.

„Pretsch!“, rief er, kam auf mich zu und wollte mir eine Elitäre fotzen und meine Wenigkeit nach richtig alter Tradition komplett durchbackpfeifen. Damals wie heute leider nicht in Künste von Muay Thai oder eines Kame-hame-ha eingewiesen, endete es in einem kinoverdächtigen Rumgefuchtel in Gesichtshöhe, ehe meine Brille in hohem Bogen zwei Bänke weiterflog.

Lehrkraft uses Backpfeife!

Sehhilfe faints and flies away!

It’s super effective!

😀