Und nun das Unwichtigste in 60 Sekunden, sich wiederholend alle Stunden

„…und das war das Wichtigste in 60 Sekunden.“ – Mancher Radiosender beendet mit diesen oder ähnlichen Worten das sich im Stundentakt wiederholende dämliche Zwischendurchnachrichtengelaber zur halben Stunde, weil es ja nur Nachrichten zur vollen Stunde gibt und dazwischen die ganze Kacke erneut hundert Mal aufgewärmt und vierzehn Mal durchgerotzt wird, bis auch der hinterletzte Dorfdepp noch seinen nichtigen Senf dazugegeben hat. Ich mein, was würde man sonst schon machen als Radiosender? Musik spielen? Geht ja mal gar nicht!

Doch, was kam, weil wir schon davon reden? Unter Anderem eine Schülerin, welcher nicht die Kosten für den Schulweg erstattet werden, weil sie ja in eine Schule ihrer Nähe gehen könnte. Da aber gibt es Schuluniformen, welche das Mädchen nicht tragen will.

Ja. Absolut. Ist definitiv das Wichtigste, was ich unbedingt wissen musste. Wahrlich, ich möchte sogar so weit gehen und behaupten, dass ich mich mit jeder dieser 60, 90 oder wie viel Sekunden auch immer einen Schritt näher an der Omniszienz fühle und eine gewisse höhere Erleuchtung und inneren Wissensreichtum verspüre. Könnte mir andererseits, wenn ich recht überlege, auch kaum vorstellen, dass sonst was Großartiges in der Zwischenzeit in der Welt geschehen ist. Bei den gerade Mal sechs Milliarden Individuen auf den paar Kontinenten sind nicht erstatte Schulwegkosten schließlich ein Anliegen globalen Charakters.

Und vor allem, was kommt als Nächstes? „Nach Angaben des Magazins [Name] ist Herrn Josef S. aus Hinderdupfing heute Morgen aufgrund falscher Handhabung beim Scheißen die Klorolle in hohem Bogen aus dem Halter geflogen und quer durch das Bad in die danebenliegende Küche davongerollt. Trotz lauter Hilferufe gelang es S nicht, seine Frau zu rufen, da diese zu diesem Zeitpunkt selbst beim Scheißen war – und zwar beim Nachbarn nebenan, um Wasser zu sparen. Schließlich aber konnte sich der rüstige Rentner überwinden und holte watschelnd die flüchtende Rolle ein. Wie Josef S dies gelungen ist, wie seine Unterhose jetzt aussieht, wie er mit einem kleinen Trick unzählige Liter Wasser im Jahr spart und den Rest dieser einfach un-GLAUB-lichen Geschichte hören Sie heute, kurz nach Eins, auf unserem verschissenen, dauerlabernden Kacksender.“

Von Millionenerbe, Standhaftigkeit, Models und Frühstücksfleisch

Wie mysteriös dreist das doch ist: Die Gesichtsheft-Werbung empfiehlt mir auf der rechten Seite neben dem Newsfeed ständig zwei Dutzend Datingseiten, wo zufällig, ja so ganz rein zufällig in meiner Region laut seriösem Profilbild halbnackte Topmodels in Doggystylestellung oder versehentlich herausgefallener Brust im Alter von 25 bis 29 Jahre ganz genau und *nur* auf mich warten, bis ich sie endlich anklicke.

Ooooder ich werde via Werbebanner stets gefragt, ob ich denn nicht auch interessiert wäre, mit einem ziemlich simplen, aber doch recht einfachen Trick mindestens, ja mindestens 3.000 Euro am Tag zu verdienen, so wie in etwa der dämlich grinsende Herr neben dem Lamborghini, dem Porsche oder dem Ferrari auf dem mit MS Paint zusammenkopierten Bild.

Wie vermisse ich doch die Zeiten, wo man noch seriöse eMails aus Afrika erhalten hat, wo ein ganz überraschend zum Millionär gewordener Prinz Akbaru mir die Hälfte seines Vermögens überlassen möchte, und ich müsse doch nur die Bankdaten schicken, der feine Herr würde sich um den Rest kümmern.

Und das alles nur, weil sich herausgestellt hat, dass ich weitschichtig mit der Tochter des Bruders der Nichte, deren Elektriker zwei Söhne hat, dessen Halbschwester wiederum des zweiten Sohnes aus erster Ehe wiederum gar nichts damit zu tun hat, aber die einen hervorragenden Kellner kennt, dessen verkrüppelter Stiefvater vor zehneinhalb Monaten einen Gärtner auf Minijobbasis angestellt hat – welcher, und das muss man sich echt mal vorstellen und auf der Zunge zergehen lassen, mich überhaupt nicht kennt! Aber mit mir verwandt ist. Und da es diesen Herrn eben die letzten Tage offensichtlich beim Scheißen gehen komplett zerlegt hat und bedauerlicherweise kein Testament geschrieben wurde, bin ich eben der einzige Erbe. Ja, so klein ist die Welt, nicht?

Oder die mindestens genau so seriösen Angebote via eMail, ob ich denn nicht interessiert wäre, meine Männlichkeit erstens um lächerliche 25 Zentimeter zu verlängern und zweitens die Standhaftigkeit dessen nicht nur zeitlich um vierzehn Stunden zu verbessern, sondern – wie eigentlich beworben – quasi gleich auf Dauerflaggenhissung umzustellen.

Was vermisse ich diese Zeiten. Spamming ist eben auch nicht mehr das, was es mal war. 😦