Sind smarte Toiletten mit Gesundheits-Check bald Pflicht?

Es klingt gleichermaßen nach einem genialen Einfall und nach einem dystopischen Desaster à la 1984. Ein Gesundheits-Check, automatisch durchgeführt beim Gang auf einer smarten Toilette. Diese Apparatur fotografiert Intimbereich und Ausscheidungen, lädt sie zur Analyse auf einen Server in der Cloud, der dann eine entsprechende Rückmeldung gibt. Als Vorbeugung gegen Krankheiten zum Beispiel. Prophylaxe und Prävention bei Miktion und Defäkation.

Das Konzept zumindest klingt vielversprechend. Sogar so vielversprechend, dass das Gesundheitsministerium bis Ende 2027 smarte Toiletten verpflichtend für alle Haushalte machen will.

Inhaltsverzeichnis

Smarte Toiletten gegen harte Tabletten
Und so soll sie heißen, die Apparatur zum Datenanalysieren
Urin und Kot als täglich Brot
Auch bei der Defäkation: Form folgt Funktion
Das große Geschäft mit dem großen Geschäft
Input zum Output: Als Resonanz viel Toleranz
Newsquellen
Bildquellen
Danksagung
Alles, was nicht mehr reinpasste

Smarte Toiletten gegen harte Tabletten

»Wir wollen bei Prophylaxe und Prävention einen draufsetzen – namentlich den Bürger auf die Brille«, fasst ein Regierungssprecher in einem Interview knapp zusammen. »Seit Jahren gibt es Smartphones, Smartwatches, smarte Fernseher, sogar smarte Kühlschränke – da lag der Gedanke nicht weit entfernt, all dies mit einer smarten Toilette auszuweiten. Die Menschen sind es bereits gewohnt, Lebensweise und Daten zu tracken und zu teilen. Die Technik ist ja auch schon da! Wir machen sie uns lediglich zunutze und entlasten den Bürger von dieser Entscheidung.«

Mehr Recht könnte der Regierungssprecher nicht haben. Man ist es schon gewohnt, sich dem Komfort hinzugeben, Lebenszeit zu gewinnen und Daten für Firmen, Institutionen und die Regierung zu sammeln. Angefangen mit dem Smartphone, das nicht mehr als eine dauerangeschaltete Wanze und fein getuntes Trackinggerät ist. Von jedermann zu jederzeit mitgeführt, permanent mit telemetrischen Daten gefüttert.

Ob Apple oder Alphabet als Google-Mutter – beide bestellen iOS und Android als fruchtbaren Acker. Weitere Entwickler säen zig Tausende Apps, die im digitalen Nährboden kräftig gedeihen, da sie mit Nutzerdaten gemästet werden. Geerntet wird von den Apps, Apple und Alphabet gleichermaßen. Ein nie endender Nahrungsstrom an Nutzern, gehalten wie Nutztiere. Dauergemelkt für ein Profiling, angereichert mit der Masse und Kopie aller Daten und Getätigtem, vom Messenger über E-Mail, Social Media, Bildergalerie und Telefonate und und eben auch gesundheitlichen Daten..

Am Besten gekoppelt mit einer Smartwatch, die bei Stillstand und bei Sport, bei Tag und in der Nacht Schritte zählt, die Herzfrequenz misst, vielleicht sogar Blutzuckerschwankungen aufzeichnet und das Schlafverhalten analysiert. Übrig bleib seither nur noch die Frage, wie lange es dauern mochte, bis jemand das Smartphone mit den Daten seiner Ausscheidung füttert.

»Indem diese Daten automatisch analysiert und gesammelt werden, können wir mitunter den Ausbruch und Verlauf einer Epidemie besser steuern, Krisen und weitere Lockdowns sogar verhindern. Schon während der Coronazeit gab es eine hohe Viruslast im Abwasser. Dem können wir in Zukunft zuvorkommen, indem wir beispielsweise lokale Bereiche oder einzelne Stadtviertel, vielleicht sogar nur einzelne Haushalte unter Quarantäne setzen.«

Und so soll die heißen, die Apparatur zum Datenanalysieren

Heißen wird die Apparatur D.U.M.P. (Defecatory Urogenital Micturitory Processor). Mit der Produktion beauftragte das Gesundheitsministerium mehrere deutschen Hersteller von Sanitärprodukten.

»Die Anwendung ähnelt der einer normalen Toilette. D.U.M.P. muss nach Installation von jedem einzeln Benutzer freigeschaltet werden. Das geschieht mittels Konto beim Gesundheitsministerium selbst, bei dem man sich mit Personalausweis registrieren muss. Die smarte Toilette selbst entriegelt sich mit Fingerscanner und der Feces ID. Feces ID ist eine Anlehnung an Face ID von Apple erinnert. Jedoch ist es bei der smarten Toilette der After des Users, der authentifiziert wird.

»Dafür muss sich der Nutzer, wie bei Face ID auch, für die After-Authentifizierung kurz stillhalten und seine Notdurft behalten. Sonst kann der Stuhlgangvorgang als ungültig erklärt werden. Eine integrierte Sprachsteuerung teilt mit, wenn der Vorgang gestartet und beendet werden kann. Wichtig ist auch, dass das Smartphone ständig mit der App und Kamera eingeschaltet sind.«

Anfang 2028 muss D.U.M.P. in jedem Haushalt installiert sein, so die Vorgabe. Öffentliche Toiletten werden dann Mitte 2028 nachgerüstet. Dabei berücksichtigt man auch die Niederen der Arbeiterschicht, die Schichtarbeit leisten. »Um Betrug vorzubeugen, etwa dass eine Person im Namen eines anderen D.U.M.P. verwendet, werden Vorkehrungen getroffen. Wie bei allen Abgabestellen auch, ist neben der erwähnten Authentifizierung durch Finger und Feces ID und aktivierter App weitere Kontrolle notwendig. Dabei werden Wohnort, Arbeitsort, Dienstplan, Gewohnheit und andere telemetrische Daten jeder Person gespeichert, mit der Ortung der Smartphone-App festgehalten und miteinander abgeglichen.«

Urin und Kot als täglich Brot

Dafür plant man auch eine verständliche Aufklärkampagne, um das Tabu zu brechen und Ängste zu nehmen. Die Kampagne bietet auch Hilfestellung, sollte der D.U.M.P. nicht so funktionieren. »Viele sind bei der Thematik verunsichert und verstehen die Grundlage nicht. Als großes Regierungsorgan sind wir für die Gesundheit der Menschen verantwortlich. Also kann man sagen, bei D.U.M.P. geht es von einem großen Organ zum größten dieser Organe.«

Für eine leichtere Einführung fasst man sich in einfache Worte, die selbst in beispielsweise Niederbayern verstanden werden. Slogans wie »Ihnen geht’s beschissen? Dann werden’s wir bald wissen!« oder »Viel trinken! Nur dann kann man ausreichend pissen fürs Wissen, denn es geht um alle Unzen beim Brunzen.« Ebenso »Euer Riesenschaft und was ihr beim Pissen schafft, ja das ist unsere Wissenschaft.«

»Es mag derb klingen, sicherlich«, beteuert ein Regierungssprecher. »Aber das ist alles gewollt. Wir wollen die Scheu überwinden. Indem wir eine direkte Sprache sprechen und uns nicht hinter Klauseln und Beamtendeutsch verstecken, finden wir den Zugang zum Ausgang des einfachen Bürgers.«

Was die Hilfestellung angeht, gibt man sich pragmatisch. »Ein Kaffee, eine Zigarette – in zwei Minuten leg ich ne Wurst, und zwar ne Fette.« Ein Zitat, dem so mancher zustimmt. Daneben: das Bild eines Bauarbeiters in kariertem Hemd und nettem Gesicht. Dachdecker vermutlich. In einem weiteren Bild eine Frau mittleren Alters, mit Kreide in der einen, und Zigarette in der anderen der Hand. Offenbar Lehrerin. »Kot steckt in niKOTin. Deshalb erst mal eine paffen, dann werde ich am Topf was schaffen.«, heißt es bei ihr. Ebenso pfiffig: »Bereits nach dem ersten Haufen war dem Ministerium klar: Der Prostatakrebs ist fast schon da.«

»Der D.U.M.P. betrifft eine sensible Stelle, ein vielleicht kleines, aber doch so groß werdendes Loch, das wir mit aller Kraft stopfen müssen. Tun wir es nicht jetzt, kann es vielleicht zu spät sein. Viele unterschätzen die tiefersitzenden Probleme, die etwa bei chronischen Verstopfungen, Blähbauch oder Durchfall der Fall sind. Oft geht es peu à peu zur Diarrhea, und nicht selten führt Sodbrennen zum Kotbrennen. Von Zöliakie hörten viele nie, obwohl es sie betrifft. Und wie viele sich beim Urinieren genieren. Falsche Ernährung, Wechselwirkungen von Medikamenten, vielleicht sogar chronische Vorerkrankungen. All diese Dinge kann man schon am frühen Morgen erledigen.« Dabei ist der letzte Satz nicht nur eine Allegorie für zeitiges Eingreifen und Prophylaxe, sondern in diesem Fall ganz genau so gemeint.

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Auch bei der Defäkation: Form folgt Funktion

Hierfür ist jedoch eine gewisse Mindestmenge nötig, die mit in der smarten Toilette eingebauten Waage – separat zum Urin – abgewogen wird. Ein gesunder Mensch erzeugt beim Stuhlgang durchschnittlich zwischen 100 und 250 Gramm, was als Normstuhl bezeichnet wird und in A-Norm bis D-Norm eingeteilt wird. Für ein sicheres Ergebnis werden jedoch 500 Gramm benötigt. Hierfür wurde extra die E-Norm eingeführt, zur Deklaration massiver Defäkation jenseits der Halbes-Kilogramm-Schwelle.

Weiterhin weicht das Gesundheitsministerium von üblichen Empfehlungen zur Ernährung ab; anstatt abends nur leichte, und wenig Kost zu sich zu nehmen, soll der Bürger am Abend des Vortages noch eine zweite deftige Hauptmahlzeit zu sich nehmen und viel trinken, damit er auch die Anforderungen für eine E-Norm-Defäkation erfüllt.

Entscheidend ist vor allem die Form in der Norm. Die Seite des Gesundheitsministeriums veranschaulicht es mithilfe von Bildern. Man verwendet XXL-Currywürste, einen Ring Lyoner und übergroße Banane. Deutlich wird auf jeden Fall – für manche wird es am Morgen ein Auftakt zum Kraftakt. Schließlich kann man zwar entscheiden, was in einen kommt, aber selten, wie es rauskommt.

Die wissenschaftliche Terminologie lautet Infodump. Menschliche Ausscheidungen besitzen einen Fingerabdruck des Gesundheitszustandes. Mit ihm kann man Rückschlüsse über Ernährung, Medikamenten- und Drogenkonsum ziehen. Es sind sogar Teile der DNA darin verankert.

»Was sonst Hausarzt, Urologe, Onkologe, gegebenenfalls Proktologe untersuchen und aus den Proben herauslesen, wird hier bequem zu Hause erledigt. Niemand sitzt gerne beim Arzt, aber morgens sitzt im Grunde jeder.« So die amtliche Argumentation zu Miktion und Defäkation.

Das große Geschäft mit dem großen Geschäft

Man sucht die Bürgernähe. Oder Kundennähe, möchte man meinen. Es geht schließlich doch um die Daten von zig Millionen Nutzern, die täglich, meist mehrfach einen potenziellen Infodump absetzen. Wie lange es wohl dauert, bis entsprechende Werbung am Smartphone erscheint?

Datenschützer sehen das bereits kritisch. Aus diesen Infodumps kann das zuständige Amt des Ministeriums schließlich alles Gesundheitliche herauslesen. Nur wo landen diese Haufen von Daten? Während die Erzeuger sie spülen, werden andere darin wühlen. Um Transparenz zu schaffen, fordert der Datenschutzbeauftragte mehr Sicherheit und mehr Rechte des Nutzers. So soll er das Recht haben, die Kontrolle über die Kotrolle zu haben, und zu sehen, welche Daten sein Infodump enthält.

Der Forderung nach soll das Archiv dann auch als einsehbare Galerie in die elektronische Patientenakte eingepflegt werden. Die elektronische Patientenakte hingegen gibt es schon; die für Deutschland recht kurze Einführungsphase wird noch bis ungefähr 2035 andauern, bis man von der Alpha- in die Betaphase kommt und 2044 auch Deutschland so weit ist, erste funktionierende Konten aktivieren zu können.

»Wenn das Projekt gut anläuft, wollen wir auch eine automatische Blutabnahme sowie einen Alkoholtest wie bei der Polizei integrieren. Ein positiv anschlagender Test auf beispielsweise Drogen oder Alkohol kann dann die Behörden dazu veranlassen, das E-Auto des Benutzers zu sperren, ihn beim Arbeitgeber melden. Oder bei einem erhöhten Pegel die Wohnungstür zu verriegeln und ihn von Fachkräften in eine Klinik zwangseinzuweisen.«

Input zum Output: Als Resonanz viel Toleranz

Die Reaktion auf die Ankündigung fällt überraschend vielseitig aus; ein Großteil der Nutzer scheint es aber zu akzeptieren. Manche halten es sogar für zukunftsweisend. Ein Querschnitt:

»Mir ist das egal«, schreibt beispielsweise User Straponia_XD auf Threads. »Sonst teilen wir auch jeden Scheiß auf Facebook, Instagram und so weiter. Warum nicht gleich morgens offiziell das Gesamtpaket an die Regierung spülen? Endlich darf auch der Bürger offiziell Scheiße posten, hurra!«

User sh1tsHOE fragt hingegen: »Warum machen die nicht gleich ein Fecesbook auf, wo man täglich seinen Mist posten kann? Wäre nicht viel Unterschied dazu!«

»Nach Installation wird zurückgeschissen, wie noch nie zurückgeschissen wurde!«, freut sich hingegen User DDDDarmseliger_, der auf X, ehemals Twitter, seinem Ärger Luft macht. In einem weiteren Kommentar kündigt er sogar einen Livestream von der Installation und Anwendung an.

»Au ja. Für mich als Bodybuilder hat das nur Vorteile. Endlich habe ich Aufnahmen von meinem After-Workout! Hoffentlich in 4K!«, meint hingegen User Pumpelhannes_kannes.

»Alter, jaaa! Gibt’s bei der App dann auch Multiplayer? Suche dringend Co-op für Poop! Gerne auch mit Pooplikum!«, schreibt User Scatolomäus4000k.

»Send bobs and vagene!!1«, meinte hingegen User hadkadaj4412.

User G00ldenSh00werK1ng sagte dazu: »Bis ein großes Datenleak alles zugänglich macht. Dann gibt’s statt Hulu eben Lulu und statt Disney Pissney. Ihr spinnt doch alle!«

»Das ist wie 1984!«, postete ein anderer in die Kommentarsektion der Regierungsseite. »Was kommt als Nächstes? Bleibt es bei der Blutabnahme und Atemkontrolle? Wie wäre es gleich mit einer Apparatur, in die ich meinen labbrigen Lörres stecke, einen sauberen Wurf für die Regierung rausquetsche und die schaut, ob mein Erbgut zum Klonen taugt? Aber immerhin dreht sich der Spieß um. Sonst haut die Regierung nur Scheiße raus, jetzt sind wir mal an der Reihe. Legen wir die Server lahm! Kacken wir ihnen die Bude mit Daten voll!«

Wie man sieht – obwohl eigentlich ein Tabuthema, erregt es doch viel Aufsehen. Die Regierung hat das Vorhaben bereits beschlossen und wird es durchsetzen. Ob die bisher tolerant reagierenden User auch nach Einführung so sind, werden wir von BBQ auf jeden Fall im Auge behalten und erneut davon berichten.

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Newsquellen

• Handelsblatt: https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/inside-digital-health/vorsorge-gesundheits-check-up-auf-der-toilette-man-setzt-sich-einfach-drauf/100111099.html
• Heise: https://www.heise.de/hintergrund/Smarte-Toiletten-machen-den-Gesundheitscheck-per-Kotprobe-und-Analscan-6211457.html
• Sumikai: https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/hightech-toilette-von-toto-soll-gesundheitschecks-zu-hause-ermoeglichen-287640/
• Welt: https://www.welt.de/print-welt/article683793/High-Tech-Toilette-aus-Japan-macht-den-taeglichen-Gesundheitscheck.html
• Heute: https://www.heute.at/s/smarte-toilette-42156704

Bildquellen

• Die mit AI erstellte Toilette im Datencenter: Erstellt mit DeepAI
• Die Bratwurstschnecke: User Bru-No, Pixabay
• Das Datenzentrum: User Akela999, Pixabay
• Die Toilette: User Betsisman, Pixabay
• Der Kaffee: User Jessica Kwok, Pixabay
• Das Schloss: User Shonejaj, Pixabay

Danksagung

Danke an Stephan, der mich auf den Artikel im Handelsblatt hingewiesen hat und weshalb ich jetzt drei Tage nicht an meinen Büchern schreiben hab können 😁 Aber auf meinen miesen wortspielgeladenen Fäkalhumor ist wohl Verlass, und das hat der Lümmel ausgenutzt. Danke! 😁 💩

Alles, was nicht mehr reinpasste

• »Dinge, die gut stopfen, dazu ein Getränk mit Hopfen«, heißt eine direkte Empfehlung.
• »Eine lange Übergangsfrist, bis jeder sauber reinscheißt und -pisst.«
• »Hurra Hurra, die Prostata ist auch schon da.«

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