Eine Alltagsgeschichte Kapitel 1

Eine kleine Alltagsgeschichte

Kapitel I: Die Verabredung

Wir alle kennen das Problem! Man hat nach der Arbeit noch einen sehr dringenden Termin oder, wie in unserem Beispiel unserer wahren Geschichte hier, eine Verabredung mit seinen Freunden. So an und für sich ja gut und schön will man meinen, nur fällt die Verabredung zeitlich meistens genau so knapp, dass man nach der Arbeit meist nur eine halbe Stunde Zeit bis zur Verabredung hat. Wenn überhaupt so viel.

In dieser knappen halben Stunde soll man es dann auch tatsächlich fertig bringen, heimzukommen, sich zu duschen und zu rasieren, sich gänzlich umzuziehen sowie gegebenenfalls noch auf die Toilette zu gehen, um sich im Großen und Ganzen also schick für seine Freunde zu machen. Schließlich will man weder stinkend noch dreckig bis oben hin eine Bar besuchen oder den Billardqueue schwingen.

Aber wie es immer so ist, muss man genau an diesem Tag noch eine Kleinigkeit zusätzlich in der Arbeit zu erledigen und bis man schaut, hat man noch kostbare zehn Minuten in der Arbeit verloren. Nun aber alle Maschinen auf Volldampf und volle Kraft voraus, es hat Feierabend geläutet und es geht los!

Nachdem du aus dem Büro rausgefetzt bist und zwei Arbeitskollegen in bester Rugbymanier über den Haufen gerannt hast, hörst du eine weibliche schrille Stimme, welche du einer Walküre zuschreiben könntest. In der Eile hast du nämlich nicht mitbekommen, dass du all der Eile die geschlossene Bürotüre genau in dem Moment aufgetreten hast, in dem die beleibte Chefsekretärin gerade diese öffnen wollte. Mit dem Ergebnis, dass du ihr die Tür voller Wucht ins Gesicht getreten hast und sich ihre zersplitterte Brille zentimetertief ins Gesicht grub.

Nun sprintest du das Treppenhaus runter. Die vier Stockwerke durch das Treppenhaus haben es ganz schön in sich und so gelangst du letztendlich halb laufend, halb springend in einem Höllentempo Richtung Ausgang. Ohne jedoch richtig mitbekommen zu haben, dass du bereits im dritten Stock den Putzeimer der Reinigungskraft mittels Fußtritt komplett samt Wischer durch die Fensterscheibe gefeuert hast. Die Ausgangstüre kommt dir immer näher; endlich angekommen drückst du die Klinke hinunter, während du gleichzeitig mit voller Wucht dagegen springst.

In der Hektik vergisst du natürlich, dass die Tür zum Parkplatz eigentlich nach innen aufgeht. So zersplittern auf einen Schlag alle drei Scharniere mit einem krachenden Ton und du fliegst samt der Türe drei Meter durch die Luft, bis dich die  Erdanziehungskraft wieder zurückholt und du noch dahin schlitterst, bevor es dein improvisiertes, Funken versprühendes Surfbrett auf dem Teer endgültig zerlegt.

Wie durch ein Wunder hat dies niemand bemerkt. Vielleicht liegt es auch daran, dass du im verglasten Treppenhaus nach dem unverhofften Putzeimerelfmeter unbemerkt ein Teil des Geländers ausgerissen und damit drei doppelverglaste Scheiben eingeschlagen hast, wer weiß.

Endlich am Firmenparkplatz! Du bist nur noch knapp fünf Meter von deinem quietschgelben Daewoo Matiz entfernt. Bereits während der Annäherung kämpfst du mit deinem Schlüsselbund, der sich natürlich in den ominösen Tiefen deiner Hosentasche versteckt und sich dann selbst nach seiner Findung sträubt, herauszukommen. An den Dokumentarfilm mit Affe, Baumloch und Salzstück willst du im Moment gar nicht denken.

So wankst du herrenlos deines Gleichgewichtes zu deinem Auto. Dort angekommen, reißt mit voller Wucht den gewaltigen Schlüsselbund heraus. Gewaltig ist ebenso das gesuchte Adjektiv für die Beschreibung der Folgenschwere der Situation, weil deine Tasche nicht standhält, einreißt und du den Spiegel des Autos neben dir herunter schlägst. Irgendwie siehst du hin und das Auto kommt dir so groß, so verdammt bekannt vor.

Verdammt, das ist doch glatt der brandneue 7er-BMW deines Chefs! Gegen diesen schien schon jemand einen Groll zu hegen, da bereits ein roter Putzeimer samt Putzlappen und Wischmob mitten in der Windschutzscheibe steckt. Schon irrsinnig, auf welche Ideen die Leute immer kommen. Nichts desto trotz hat dein Chef seinen BMW erst vor zwei Tagen in einer sauteuren Flipfloplackierung neu lackieren lassen, die wohl so im ungefähren Wert deines eigenen quietschentchenfarbenen Autos liegt.

Doch dir ist das egal, denn die Verabredung ist jetzt wichtiger. Im mit Adrenalin angereicherten Stress reißt du so stark an der Klinke deines Daewoos an, dass du abrutscht und mit der Faust auch noch die Seitenscheibe des BMWs einschlägst. Auch das noch! Dann denkst du nach was fehlt oder falsch ist und – Bingo! Du nimmst den Schlüssel, sperrst erst einmal auf und reißt dann die Türe auf. Erstens um ins Auto rein zu kommen und zweitens deinem Chef mit der Tür eine fingertiefe Delle zu hinterlassen.

Doch egal. Zeit ist Geld, und Nichts von beidem hast du.

Alsdenn: Schlüssel rein, umdrehen, fluchen. Kurz warten… Nachdenken… Kupplung drücken, Schlüssel rein, umdrehen und mit Vollgaus ausrangieren! Doch irgendetwas Anderes stimmt erneut nicht. Denn das Ausrangieren geht irgendwie so langsam und ist so komisch und übertrieben laut. Ah, da Herr Handbremse ist wohl sicher noch angezogen, stimmt’s? Doch nein, du siehst hin und die ist definitiv nicht angezogen. Du schaust weiterhin umher, weil dir auffällt, dass es irgendwie auch so komisch laut knirscht und heftig rumpelt.

Die Ursache hierfür ist jedoch rasch gefunden: Natürlich hast du zu früh, zu schnell und viel zu weit eingelenkt und die halbe hintere rechte Seite des BMWs zerkratzt, zerbeult und, naja, eigentlich fast gänzlich weggerissen. Zu allem Überdruss scheint der hintere rechte Blinker des BMWs nicht mehr so zu halten wollen. Doch das ist angesichts dessen egal, dass ja der komplette hintere Schweller gute viereinhalb Meter weiter liegt. Und überhaupt: Wen interessiert das jetzt überhaupt, wenn doch die Verabredung ruft!? Vollgas zurück, Handbremse rein und dabei fast ausgerissen, kupplungslos den ersten Gang reingetrümmert, Handbremse beinahe durchgebrochen und Vollgas!

Und irgendwie denkst du nach.

Es dünkelt dir, dass du etwas vergessen hast. Obwohl, wird schon nicht so wichtig sein. Du drehst dich nämlich gerade leicht nach hinten um und versuchst den Gurt zu fassen, den du vorhin in der Eile in der Türe eingeklemmt hast. Denn auch wenn die ganze schnöde Welt untergeht, Sicherheit muss sein! Du denkst noch mal nach was es Dringendes sein könnte. Hm. Eine Hand am Gurt, die andere an der Türklinke, da der Gurt ja nach wie vor in dieser eingeklemmt ist, der Fuß drückt wie eine ausgerastete Dampframme aufs Gaspedal.

Doch ein Detail scheint noch abzugehen.

Ach ja, wer zum Henker lenkt hier denn eigentlich?

Die Erkenntnis kommt jetzt, aber sie kommt zu spät. Du willst noch bremsen, doch hat dir das schon der BMW deines Chefs abgenommen. So hängt deine Front in seinem Heck und der restliche Teil seines Hecks in deiner Front. Ein paar Einzelteile verstreuten sich gerade noch splitternd am Parkplatz, unter Anderem ein Teil der Heckklappe und ein Blinker, das heißt jedenfalls sieht das Teil so aus, als wäre es das einmal gewesen. Aber dieses Problem ist jetzt nicht von akuter Natur, denn im Moment denkst du nur nach, welches Hemd du heute anziehen könntest.

Nachdem du den Parkplatz und die Tür hinter dir gelassen hast, als wäre ein halber Weltkrieg ausgebrochen, bist du endlich auf dem direkten Weg. Und direkt heißt nicht nur Abkürzungen, sondern pedal to the metal, hier kommt Krieg auf vier Rädern! Bereits in der nächsten Stadt hast du schon vier rote Ampeln und eine heulende Polizeistreifen hinter dir gelassen. Du kommst auf die Idee, ein grünes Hemd anzuziehen, während du gerade eine tolle Abkürzung durch den Park entdeckt hast, weil du unverhofft mit gerade Mal 140 Stundenkilometern eine Haarnadelkurve nicht mehr ganz so geschafft hast.

Mit Hilfe eines rekordverdächtigen Sprints und dem durchgedrückten Gaspedal, dass bei dieser fußtechnischen Gewalteinwirkung eigentlich schon auf dem Teer schleifen müsste, quer durch fremde Gärten, einem Sprung durch eine kleine schöne Holzhütte und der zusätzlichen und fachgerechten Zerlegung von vier kompletten Biomülltonnen samt Inhalt bist du endlich zuhause angekommen!

Fein. Du schaffst es sogar noch, ohne erwähnenswerte Probleme die Wohnungstüre aufzuschließen. Doch das war nur dein Unterbewusstsein, welches einen kleinen Unfall vertuschen wollte. Fakt ist nämlich, dass du nach dreimaliger falscher Schlüsselwahl dich einfach dazu entschlossen hast, die Türe einzutreten. Mit Erfolg, denn nach dem dritten Tritt flog die Türe komplett aus den Scharnieren, um den Spiegel der Kommode einzuschlagen.

Doch was soll man schon machen? Es herrscht schließlich Krieg!

Irgendwie hättest du danach jedoch nicht versuchen sollen, dir gleichzeitig die verstaubte Arbeitshose und die Schuhe auszuziehen. So bist du im halben Lauf, verlierst das Gleichgewicht und räumst den kompletten Wohnzimmertisch ab. Und auch um, um genau zu sein; die Hose hat es nicht überlebt, ohne sich zweizuteilen, doch dafür hast du ja auch die Schuhe besser abgekriegt. Wenn jetzt auch einer mitsamt Scherben in der Glasvitrine liegt und der andere in den teuren Fernseher flog, der daraufhin ziemlich empört implodierte.

Du solltest duschen, wie du bemerkst. Acht Stunden auf der Baustelle haben geruchsmäßig nämlich nicht gerade gelogen. Kurzum: Du stinkst wie eine erschossene Wildsau. Also flitzt du in Windeseile ins Bad. Natürlich viel zu schnell, denn die Türe der offen stehenden Waschmaschine reißt du gleich mit. Gebremst hat dich letzten Endes nur das Waschbecken, welches dir unter knackendem Ächzen zeigt, dass du dich mit deinem zarten und federleichten Doppelzentner bitte nicht gar so daran hochziehen solltest, selbst wenn es auch noch so einladend aussieht. Dennoch hält es dich aus.

Nachdem du dich innerhalb von zehn Sekunden deiner restlichen Kleidung entledigt hast, steigst du in die Dusche, ohne vorher bedacht zu haben, die Duschtüre vielleicht aufzuschieben. So stehen du und die Türe in der Dusche. Obwohl des Vorhandenseins von zirka zwei Pfund purem Staub auf deinem Körper schaffst du es, dich innerhalb von drei Minuten sauberst zu duschen, inbegriffen die Reinigung aller Engstellen und der Orte, die gewöhnlicherweise am ungewöhnlichsten riechen können.

Du wirfst einen Blick auf deine nicht einmal spritzwassergeschützte Armbanduhr und fluchst: Nur noch knappe zehn Minuten, bis die Verabredung mit deinen Freunden stattfindet. Jetzt aber nichts wie raus! Und das natürlich ohne Rücksicht auf Umstände und Verluste. Denn du kletterst viel zu schnell und viel zu umständlich über die Türe, mit der du geduscht hast und denkst irgendwie nicht mehr daran, was die Türe eigentlich bezwecken soll nämlich das Wasser in der Dusche zu halten. Also steigst du völlig unvorbereitet und relativ frohen Mutes in ein halb überflutetes Bad.

Und es befördert dich auf den nun spiegelglatten Fliesen auch schon prompt in die Horizontale.

Glücklicherweise konntest du noch mit den Armen um das Gleichgewicht kämpfen und gerade noch das Waschbecken ergreifen, welches nun aber endgültig abbricht und samt Dübel und ein Stück Wand nun alleinig dein ist. Du nimmst das Waschbecken und legst es in die Dusche, damit du Platz zum Rasieren hast. Obwohl, „nehmen“ ist vielleicht ein etwas unpassender Ausdruck dafür, denn wenn ein einst ganzes Ding nur noch in unzählig vielen Bruchteilen existiert, dürfte  „vernichtungskatapultieren“ schon ein eher passender Ausdruck dafür sein.

Mit großem Dank an viele Jahre Erfahrung geht das Rasieren ohne lebensgefährliche Vorfälle über die Bühne. Den benutzten Rasierer nimmst du nur samt dem benützten Aftershave und feuerst beide unmittelbar in die Dusche, ganz einfach der Vollständigkeit halber. Ehe du dich versiehst, grummelt dein Magen und der Darm meldet sich zu Wort und teilt dir mit, dass das Mahl, welches du heute zu dir genommen hast, nun bereit wäre, dem dringenden Meeting mit Herrn Porzellantopf in Abseilcity beizuwohnen.

Auch das noch! Die Darmmaschine muss gemelkt werden.

Doch da der Platz der Erlösung nur einen Schritt von dir entfernt ist und du so wie so noch nackt bist, denkst du, dass dies zeitlich noch in Kauf zu nehmen ist. Um diesen eigentlich schon sehr zeitaufwendigen Vorgang etwas zu beschleunigen und Zeit zu sparen, drückst du natürlich so stark an wie ein Gewichtheber unbekannter Abstammung bei einer Weltmeisterschaft für Eselweitwurf und es scheint, als würde es dir gleich den Kopf zerreißen. Doch siehe da und frohlocke ganz kurz, platzen tut da gar nichts und nach knapp eineinhalb Minuten hast du auch dies überstanden.

Ein erneuter Blick auf die Uhr und du bemerkst, dass dir die Zeit einfach so, und ohne dich zu fragen, davonläuft. Wahrscheinlich hat dich das Rasieren so aufgehalten. Du stürmst aus dem Bad, um ins Schlafzimmer zu gelangen, wo du dich umziehen willst… doch an Etwas hast du nicht gedacht: Du bist barfuß, das Bad ist gefliest, gleichermaßen überflutet und der Rest der Wohnung ist laminiert. Und so machst du nur einen schnellen Schritt aus dem Bad raus und gleitest weiter durch die Wohnung, direkt am Schlafzimmer vorbei und geradewegs und ohne weitere Umwege in die Küche.

Zwar liegt die Küche streng genommen in der Kurve oder ums Eck, doch konntest du diese Kurve eben deshalb mit Bravour nehmen, da du bremsen wolltest und dich in der schweren Stehlampe eingehängt hast. Die du natürlich komplett aus der Halterung gerissen und frontal in den Herd gerammt hast, der mit einem kurzen Funkenflug seiner tollen Funktionalität für immer auf Nimmerwiedersehen sagt.

Doch Glück im Unglück: Das teure Ceranfeld lebt noch. Wenigstens etwas, oder? Dann rutscht du noch mal aus und reißt die komplette Dunstabzugshaube ab, die siehe und staune ein weiteres Mal, natürlich schnurstracks das sautere Ceranfeld des Herdes zertrümmert.

Aber viel wichtiger ist im Moment: Welche Hose ziehst du an? So gehst du so langsam wie nötig und doch so schnell wie möglich in Richtung Schlafzimmer. Dort angekommen drehst du dich noch einmal um und wirfst einen Blick auf die Uhr. In wenigen Minuten musst du am Treffpunkt sein! Also reißt du die Schublade mit der Unterwäsche so hastig auf, dass du sofort das unbeschreiblich blümerante Gefühl hast, als hätte dir gerade jemand mit Springerstiefeln deine beiden Schienbeine zertrümmert. Humpelnd und mit einem Schmerz, der mit keiner Folter dieser Welt erreicht werden kann, suchst du dir eine Unterhose und ein Paar Socken raus und ziehst diese an.

Dass mit der Unterhose hat eigentlich recht schön geklappt, nur dein Gleichgewicht scheint ein bisschen vom Stress und der gewaltsamen Entladung auf der Toilette gestört zu sein und so taumelst du beim Anziehen der Socken umher, als hättest du gerade ein Fass Strohrum geleert.

An und für sich wäre das ja nicht ganz so schlimm, doch irgendwie dreht es dich unpassend, du knallst volle Lotte gegen die Tür, wirbelst zum Finale noch einmal herum und schlägst mit deinem Kopf die niedrig hängende Deckenlampe herunter, die du gerade eingeschaltet hast. Nun tastest du dich in der ungewollt improvisierten Dunkelkammer so schnell wie du nur kannst in Richtung Tür, stehst auf um dir erstens den Schädel gröbst an der Türklinge anzuschlagen und zweitens um die Türe äußerst kraftvoll aufzureißen, um etwas Licht in diese Dunkelkammer zu bringen.

Ohne nachzudenken, dass ja noch dein kleines ungeschütztes Füßchen im Öffnungswinkel ist. Auweia denkst du, und der Gedanke kam etwas früher als der Schmerz: Du lässt einen Urschrei los, welcher Höhen wie der einer schwangeren Hirschkuh bei einem multiplen Orgasmus erreicht und suchst dir so schmerzentladen und Tinitus im Ohr noch eine passende schöne helle Hose und ein schickes Hemd der Farbe Grün. Beim dritten Hemd allerdings kommst du auf die glorreiche Idee, die Knöpfe mit etwas mehr Gefühl zuzumachen und sie nicht, wie eben gerade und unter Zeitdruck, auszureißen.

Fehlen nur die Schuhe!

Dank des einigermaßen saugfähigen Stoffes der Socken kommst du schneller durch die Wohnung zum Schuhregal. Zwar nicht ganz so flott wie eben gerade in die Küche, aber immerhin etwas schneller. Du nimmst das erstbeste Paar heraus, dass du erwischt, ziehst sie an, fluchst wie es nur ein Bayer kann, ziehst sie wieder aus und denkst dir, dass die dunklen Gummistiefel mit Sicherheit nicht dazu passen werden. Schnell suchst du dir ein passendes Paar Sneaker, welches vor Allem optisch zu deiner Hose passt und ziehst es an. Irgendwie war der Schnürsenkel das letzte Mal schon ein wenig lose… quasi… fast zerrissen… und im Stress scheinst du irgendwie die Kräfte eines mit Steroiden hochgezüchteten Wasserbüffels zu haben und so reißt beim zweiten Schuh der Schnürsenkel und gibt diese Wucht nur zu gerne an deine Hand weiter, worauf du dich fast selbst ins Delirium schlägst.

Junge, was für ein Haken. Morgenstern, dein Besuch hat mich geehrt. Ein Bungee-Sprung auf Teer ohne Seil ist Nichts dagegen. Doch jetzt ist einfach keine Zeit für’s Deliriumhaben und nach wirklich sehr kurzer Benommenheit nimmst du das nächste Paar, ziehst es langsam an und registrierst währenddessen noch einmal kurz die Gesamtsituation. So weit so gut, denkst du. Unterwäsche passt, Hemd sitzt, Hose hast du an, Schuhe sind angezogen, du bist geduscht, rasiert, geaftershaved und eigentlich fertig.

Doch irgendwie hast du das Gefühl, dass du was vergessen hast; genau! Schlüsselbund, Handy und Geldbeutel, die elementaren Dinge einer modernen Existenz. Den Geldbeutel findest du relativ schnell in dem zweiten Teil deiner Arbeitshose wieder. Nun, der Schlüssel… hmm… den musst du wohl unerwartet beim Kampf mit deinen Schuhen, deiner Hose und vor Allem im verlorenen Kampf mit deinem Gleichgewicht verloren haben. Du lässt dir das Geschehnis bei deiner chaotischen Ankunft noch einmal durch den Kopf gehen.

Nachdem du ganz kurz die Zerstörung im Geiste zurückgespult hast, fällt dir ein, dass du den kompletten Wohnzimmertisch umgeräumt hast und in hilflosen Ruderbewegungen den Schlüssel losgelassen hast. Dass aber auch nur, weil du dir davon erhofftest, das Gleichgewicht wieder erlangen zu können. Mitnichten. Gedreht hat’s dich erst recht, und zwar sauber, wie eine besoffene Brezel am fröhlichsten Jahrmarkt überhaupt.

Endlich kommt dir eine vage Erinnerung die dir mitteilt, dass du den Schlüssel auf den Schrank gefeuert hast. Und natürlich, da oben liegt er. Aber nicht, ohne vorher durch die wertvolle Lampe geflogen zu sein und ihm Anschluss drei Vasen am Schrank fachgerecht und mit der Präzision eines Vorschlaghammers zerkleinert zu haben. Und wie könnte es auch anders kommen, du bist zu klein für den Schrank. War ja irgendwie klar. Hinaufklettern geht aufgrund der ungünstigen Bauart des Schrankes nicht, also schnappst du dir den nächsten Stuhl, den du auf die Schnelle kriegen kannst.

Und nimmst offenherzig, immer noch nur auf den Schlüssel konzentrierend, den Drehstuhl vom Computertisch. Schwungvoll wie eine Gazelle gehobenen Alters hüpfst du mal eben schnell mit einem gewaltigen Satz rauf, nimmst schneller den Schlüssel… und bereust sogleich, mit gar so viel Schwung raufgesprungen zu sein. Wie auf einem High-Speed-Karussell dreht es dich ungefähr fünfmal im Kreis, bis du endlich den Schlüssel freigibst und du ihn wieder quer durch die Wohnung, vorbei am nächsten Lampenschirm, pfeilgerade durch die aufgehängte Petroleumlampe und letztendlich komplett durch die dreifachverglaste Fensterscheibe pfefferst.

Doch all dem noch nicht genug, denn das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: Es dreht dich vom Stuhl herunter! Hilflos versuchst du, dich noch irgendwo einzuhalten und erwischt ausgerechnet das ohnehin schon recht mitgenommene Mittelelement des Schrankes, welches aufgrund dieser Behandlung einfach zusammenbricht und dich mit all seinen Insassen wie Tassen, Teller, Gläser und ein paar Überraschungseierfiguren begräbt. Nachdem sich der Staub der Vernichtung und der gerade entstandenen Wohnzimmerapokalypse gelegt hat und du wieder geradeaus blicken kannst, hörst du von irgendwo ein Bimmeln, als würde dein Handy läuten.

Du versuchst das Läuten zu lokalisieren und kriechst schnurstracks in die Richtung, aus der das Läuten kommt. Du überlegst nur noch: Handy, Handy, wo ist mein verdammtes Handy? Nachdem du dich zehn Mal im Kreis gedreht hast, brummelst du eine paar schlimme Wörter, stehst benommen auf und greifst grunzend vor Wut in deine Gesäßtasche, weil da das Handy schon seit vorgestern ist, da du es ja dort gelassen hast. Mit einem krächzendem, halbtoten „Ja!?“ gehst du ran und dir wird von einem deiner Freunde gesagt, dass das Treffen heute flach fällt, weil irgendwer doch nicht kann und es verschoben wird.

Ohne etwas zu sagen, legst du auf und lässt den ganzen Tag noch einmal Revue passieren, bevor du in eine barmherzige und lang anhaltende Ohnmacht fällst: Vereinzelte blaue Flecken und schmerzhafte Prellungen von zwei Arbeitskollegen und eine kaputte Brille, geschwollenes Gesicht und ausgerenkte Schulter der Chefsekretärin, folglich deren dreitägige Arbeitsunfähigkeit, ein zerstörtes Treppengeländer, ein paar eingeschlagene Scheiben, ein Putzeimer samt Wischlappen und Wischmob, eine kaputte Ausgangstür samt Türstock und Scharniere. Ein brandneuer 7er Alpina BMW (basierend auf der E65-Baureihe) mit zerstörter Windschutzscheibe, heruntergeschlagenem Spiegel, eingeschlagener Beifahrerseitenscheibe, zerbeulter Türe und zerbröseltem Heck, ein Daewoo mit zerstörter Front, defekter Radaufhängung, zersplitterter Windschutzscheibe und Getriebeschaden. Anfallende Reinigungs- und Reparaturkosten für eine mittelgroße Parkanlage und diverse Kleingärten samt Zäune, eine Partyhütte und die Säuberung und Neustreichung von fünf Häusern und zwei Villen samt Straße aufgrund der Explosion von vier großen gefüllten Biotonnen.

Ein Türschloss, eine komplette Eingangstür, der Spiegel einer Kommode, eine Arbeitshose, vier Tischbeine für einen Wohnzimmertisch, eine Glasvitrine, ein teurer 16-zu-9-Fernseher, eine Waschmaschinentür, ein Waschbecken, eine Duschkabine, ein Rasierer samt Klinge, ein Aftershave, eine Armbanduhr, eine Stehlampe, ein Elektroherd samt Ceranfeld. Eine Abzugsdunsthaube, eine Schlafzimmerlampe, zehn Knöpfe (davon jeweils fünf für ein Hemd), eine Wohnzimmerlampe, drei Dekoriervasen, eine Petroleumlampe, eine neue Fensterscheibe, ein gut erhaltener Wohnzimmerschrank, ein ganzes Sortiment an Geschirr und zahlreiche Sammelfiguren.

Dazu kommt noch eine Arztbehandlung aufgrund starker Schmerzen in beiden Schienbeinen, eine weitere Arztbehandlung aufgrund einer angeknacksten Zehe und zwanzig Meisterstunden für die Reparatur eines Laminatbodens mit Wasserschaden. Und nicht zu vergessen die Kosten für einen abgerissenen Schnürsenkel! Nichts desto trotz noch eine Anzeige wegen Ruhestörung in einem äußerst groben Fall und eine weitere Anzeige wegen unerlaubten Haltens und sexuellen Befriedigens einer Hirschkuh in der Wohnung, eine vierstellige Geldbuße wegen Überfahren mehrere roter Ampeln und weiteren Verkehrsdelikten, siebzehn Geldbußen wegen zu schnellen Fahrens, eine knapp dreistellige Punkteanzahl in Flensburg und mit Sicherheit dauerhafter Entzug des Führerscheins bis über den Tod hinaus.

In diesem Moment, bevor es dir komplett schwarz vor Augen wird, stellst du dir nur noch eine einzige Frage: „Hätte ich es dennoch zeitlich geschafft?“

Und die Moral von der Geschichte: Nimm dir Zeit und nicht das Leben! 🙂

Vorabinfo: Folgendes zweite Kapitel habe ich kurz danach begonnen, aber nie vollendet. Nun, sechs Jahre später schreiben wir das Jahr 2018, Brummbrummquietsch ist stillgelegt worden und Kapitel 2 noch im Entwurfmodus. Da ich alles Unfertige und somit alle Entwürfe löschen will, habe ich mich bei diesem entschieden, hier zu verewigen:

Kapitel II: Beim Essen

Wir alle kennen das Problem: Zwischendurch hat man nur mal ein bisschen Hunger und denkt sich, man fährt einfach schnell zum örtlichen Fastfoodrestaurant. Eigentlich nichts Tragisches will man meinen. Wenn man allein wäre und vor allem zu keiner Stoßzeit bei Fastfoodrestaurant wäre, dann wäre es an und für sich kein Problem. Und an und für sich hast du wenigstens einmal Glück: Du bist allein. Allerdings muss dir dein Magen ausgerechnet in der Mittagszeit sagen, dass er es wirklich sehr begrüßen würde, wenn du ihn nun füllen würdest. Du hast den ganzen Tag bis Mittag so wie so schon mit unzähligen Renovierungs- und Reparaturarbeiten an deiner Wohnung verbracht und bist ausgehungert wie eine ausgewachsene sibirische Riesenwildsau.

Du fragst den anwesenden Meister, der gerade mit der Reparatur des Laminats, der durch Wasser teils zerstört worden ist, beschäftigt ist ob du ihm auch etwas mitnehmen sollst. Er bejaht dies und sagt dir kurz was er möchte.

Sein vertrottelter Lehrbub will natürlich auch was von Fastfoodrestaurant und braucht geschlagene fünf Minuten, um sich zu entscheiden, was und wie er es denn gerne möchte. Derweil scheint dessen Lehrmeister selbst auch zu zweifeln zu beginnen und erklärt dir darauf auch noch mal kompliziert, was er denn gerne fastfooden möchte. Natürlich kannst du dir das Alles nicht merken, wenn zwei Münder simultan auf dich einplappern und so entscheidest du dich kurzerhand, es aufzuschreiben. So weit so gut. Das hättest du geschafft.

Leicht gereizt entfernst du dich aus deiner Wohnung. Die Reizung wurde durch den saublöden Lehrbuben hervorgerufen der dir, ob unabsichtlich oder nicht, entzieht sich derzeit deiner Erkenntnis, beim Umdrehen eine Laminatplatte voll ins Gesicht geschlagen hatte. Du wolltest dich zwar noch ducken und ausweichen, konntest den Aufprall des Laminates jedoch nur verzögern, nicht verhindern. Dafür war aber die Tischkante schneller, an der du dir fast den Schädel eingeschlagen hättest. So viel zum Thema leicht gereizt sein.

Du gehst zügig zu deinem neu reparierten quietschgelben Daewoo Matiz, machst eine unbewusste Denkpause, nimmst den seperierten Einzelschlüssel, sperrst auf und setzt dich rein. Du fährst aufgrund deines leichten Zornes ziemlich zügig los. Nun gut, zügig ist etwas untertrieben. Nachdem du nach mehreren Sekunden immer noch am gleichen Platz aber in einer weißgrauen Wolke aus verbrannten Gummi stehst, zügelst du langsam wieder deinen Bleifuß und fährst fast eine alte Oma über den Haufen die dir dann mit sämtlichen Schimpfwörtern dieser Welt ihre Meinung zu deinem Fahrverhalten nachruft.

Währenddessen überlegst du, wie viel Drehmoment dein Wagen im Rückwärtsgang hat und ob dieser Drehmoment wohl genügen würde, diese verdammte alte Schachtel mit einem einzigen kraftvollen Satz in die Wand zu befördern.

Wie dem auch sei, du hast es bis zum Stadtplatz recht schön und zügig geschafft und kannst dich… natürlich gleich im Stadtverkehr hinten anreihen! Die Abbiegespur, in die du rein musst, ist noch gute hundert Meter von dir entfernt, was von der Zeit und Ort vergleichsweise zirka zehntausend Kilometer Autobahn bedeutet.

Danach, so denkst du, sind es zum Glück nur noch circa achthundert Meter weiter, einen steilen Berg hinauf, durch einen Tunnel durch und noch mal einen steileren Berg hinauf bis oben, thronend wie eine dicke, ungesunde und verfressene Gottheit, dein besagtes Ziel ist.

Oder sein wird. Denn so schnell wie dieses Stop-and-go-Verfahren hier geht, wird es wohl noch bis um Mitternacht dauern. Eine Nebenstraße die in deinige einmündet, ist ebenfalls vollgestopft mit hupenden und blinkenden Autos.

Du musst dich nur beherrschen um vor lauter Ungeduld, Hunger und beginnender Raserei nicht ins Lenkrad zu beißen. Nun geht es endlich ein bisschen weiter. Der hintere hupt weil es ihm zu langsam geht, der neben dir hupt weil du ihn nicht rein lässt und du hupst, einfach nur weil du verzweifelt bist.

Deine Finger krallen sich schon etwas fester in das Lenkrad und du wünschst dir nur für einen klitzekleinen Moment, du würdest in einem Panzer sitzen. Zu allem Überdruss schlängelt sich noch eine Gruppe Fahrradfahrer durch. Der Letzte von dieser Gruppe ist natürlich ein richtig speckiger Uhu und es wundert dich irgendwie überhaupt nicht, dass er der Letzte ist. Mit so einem Dampfkessel vorne dran und noch dazu auf dem Rad sich da durchzuschlängeln muss wirklich so sein als würde man versuchen, mit einer Lanze ein Kleid zu nähen.

Und so torkelt er schon langsam näher. Du befürchtest, dass er beim Fallen dein Auto zerdrücken könnte, doch diesen Gedanken verwirfst du sehr schnell, denn schließlich willst du ja nicht den Fettsack als personifizierten Teufel an die Wand malen.

Er hat schon das fünfte Auto schadenfrei passiert doch dann sieht er wohl seine schnelleren Kameraden nicht mehr, gerät in Panik und fängt in seiner Angst, sie ganz aus den Augen zu verlieren, dass schnelle Treten an. Du schickst noch schnell ein Stoßgebet zu Gott doch entweder bist du zu langsam oder Gott gerade mit etwas Anderem beschäftigt. Du willst noch schreien – doch die Vision, die im gleichen Moment Realität wird, nimmt dir jegliche Worte.

Das fahrende Rhinozeros kommt zu weit rechts, zerkratzt dir deine ganze Fahrerseite, tritt aber noch fleißig weiter als gäbe es pro Treter fünf Saurierschnitzel. Du siehst aus dem Auto die Seite entlang und genau in diesem Moment verliert das schwankende, sehr gut beleibte Untier komplett die Kontrolle.

Er versucht sich irgendwo einzuhaltenen, krallt sich durch die offene Fensterscheibe deinen Kopf und reißt ihn dir von den Schultern runter. Du kannst dich noch befreien, doch das Monster fällt jetzt komplett um und in einer ungewollten Reflexhandlung und frei nach dem Motto „Mann ist der Dickmann“ haut er dir deinen linken Spiegel runter.

Voller Angst was passieren kann nimmt das Nashorn sein Rad huckepack und bevor du irgendwas machen kannst, ist er über damit auch über alle Berge – und im Großstadtdschungel sicher nicht mehr aufzufinden. Du verkneifst es dir ein weiteres Mal in das Lenkrad zu beißen und bleibst stattdessen nur fünf Minuten auf der Hupe.

Mann bist du jetzt sauer!

Doch das hat gut sichtlich getan denn schon geht es weiter. Du bist jetzt endlich an der vorletzten Kreuzung angekommen. Was für ein Glück! Nur noch ein kleiner Berg, dann ein Tunnel und noch einen großen Berg, und nach einer allerletzten Riesenkreuzung bist du am Ziel des Fastfoodens.

Doch zurück zu der ersten Biegung: Nachdem ein blöder alter Mann mit mindestens hundert Jahren oder gar der Vater von Tutanchamun nicht so recht weiß wann er Vorfahrt hat, beißt du letztendlich doch ins Lenkrad und schmeckst den bitteren Ledergeschmack.

Der Opa vor dir, der mit Gewissheit den Totenschein schon in der Tasche hat, biegt jetzt endlich doch noch, wenn auch zögernd, ab und fährt in eine weitere kleine Gasse weiter. Du hast zwar jetzt eigentlich keine Vorfahrt, doch das interessiert dich jetzt einen feuchten Kehricht.

Du gibst Vollgas und prescht über die Kreuzung. Einer derjenigen die Vorfahrt hätten, wollte fluchen doch dem hast du nur den Mittelfinger gezeigt und ein unartikulierbares, aber doch sehr eindeutiges Schimpfwort entgegengebracht. Ja gut was heißt entgegengebracht, eher in Todesangst gebrüllt.

Du weißt nicht wer es war aber er muss einen schlimmen Unfall hinter sich haben: Er fuhr eine sehr große Limousine mit einer schönen linken aber total zerstörten rechten Seite. Außerdem fehlte ihm ein Spiegel. Auffallend war nur der schöne Lack. Muss ein Vermögen gekostet haben!

Die noch in der Stadt liegende Strecke zum Tunnel verlief im Grunde sehr schnell. Du weißt nicht ob es daran lag, dass dein Tachometer einen fast dreistelligen Betrag anzeigte oder du permanent überholt hast. Es ist dir auch egal, denn du hast jetzt Hunger und nicht mal der Teufel persönlich kann dich jetzt abhalten, was zu essen.

Im Tunnel musst du natürlich warten, falls ein großer LKW oder Bus kommt, so steht es jedenfalls auf dem Schild vor dem Tunnel. Und wie kann es anders kommen: Da kommt wirklich ein elefantengroßer LKW. Das so was Riesiges überhaupt existiert! Mitten im Tunnel kannst du gerade noch mit Hilfe der Handbremse stehen bleiben.

Der LKW braucht geschlagene zwei Minuten um sich da vorbeizuquetschen weil du irgendwie ein bisschen uneinsichtig bist und gar nicht erst daran denkst, rückwärts wieder raus zu fahren. Ohnehin hörst du nur wie er flucht weil das Führerhaus so weit oben ist und weder du ihn noch er dich sehen kann.

Die Gelegenheit nimmst du wahr: Du greifst in das Handschuhfach, ziehst das Taschenmesser heraus und haust es ihm voller wuchtiger Freude in den Vorderreifen. Es zerreist ihn zwar noch nicht aber recht weit wird er damit auch nicht kommen.

Mit quietschenden Reifen donnerst du den letzten Berg hinauf, bevor dich nur noch eine Kreuzung vom Sattwerden trennt. Genau so hast du es dir vorgestellt: Die Ampel zeigt rot. Und zu allem Überdruss bist du auch noch der zirka siebte in der Warteschlange, natürlich am steilsten Stück des ganzen Berges.

Nach kurzer Zeit, die du nur zu gerne damit verbringst, weiter den Geschmack deines Lenkrades zu testen und deine beschädigte Fahrerseite mit fehlendem Spiegel zu inspizieren, fällt dir auf das es bei McDonals zu geht als gäbe es heute Alles kostenlos.

Dein langsames Hinfahren zum Parkplatz und Ausschauhalten nach einem Parkplatz wird begleitet von heftigem Hupen, unaufhörlichem Aufblinken und oftmals wiederkehrenden Kraftausdrücken. Und ein weiteres Mal hast du Glück:

Gerade verlässt ein Flaggschiff von einem Auto, du denkst es ist ein Audi S8, den besten Parkplatz, noch dazu den nahesten am Eingang. Als wärst du ein Geheimagent pirschst du dich ganz langsam, ohne Gas und schleifender Kupplung heran, bis das schwarze Flaggschiff weg ist.

Mit Vollgas prescht du in die Parkplatzlücke und siehe da, nirgends angefahren, Alles noch dran und du bist direkt am Eingang! Das ist ja wie Weihnachten. Und einer der schlimmsten Tage deines Lebens, aber das wird sich noch herausstellen.

Nachdem du dein Auto abgesperrt hast und deinen Geldbeutel in die Hand genommen hast, der unter anderem für die Bezahlung des Mahles zuständig ist und den Zettel mit Bestellung der Laminatbodenverleger enthält, atmest du erleichtert auf.

Weil du es ja so weit geschafft hast.

Du öffnest die erste der zwei hintereinander liegenden Eingangstüren und es kommt dir die fetteste Wuchtel entgegen, die du je in deinem ganzen Leben gesehen hast. Während du einen lebensrettenden Ausfallsschritt nach hinten machst und die Tür aufhalten willst, stolpert das Urviech und übergießt dich mit einer sauberen Ladung eines extra süßen Getränkes.

Frisch gezuckert wartest du, bis der fette Brummer weggerollt ist und denkst an das Essen, dass dich hoffentlich gleich fröhlicher stimmen wird. Der schätzungsweise fünf Meter lange Weg bis zum Bestellungsempfang ist eigentlich nicht so schlimm.

Bis auf die Kinder, die dir entgegenkommen und das vierte Kind, dass sich gleichzeitig umdreht und dir mit seiner dummen Saubirne voll in die Eier rummst. Du willst schon zutreten doch als du den zwei Meter großen Vater siehst, der wahrscheinlich Weltmeister im Ochsenweitwurf ist, lässt du es lieber bleiben und denkst an das schöne saftige Lenkrad.

An der Bestelltheke denkst du dir es wäre besser wenn du dir erst Dein Essen und dann erst das Essen für den Meister und den brunzdummen Lehrbuben bestellst. Du bestellst dir ein extra großes Mega-Ultra-Universums-Menü mit allen Extras und allem optionalem Zubehör, so dass dich dieses Mal auf einen fast dreistellige Betrag kommt, womit man wahrscheinlich für eine ganze Fußballmannschaft Essen machen könnte. Und das drei Wochen lang.

Mit einem Bestellblech, das ungefähr dem Gewicht eines ausgewachsenen grauen Dickhäuters entspricht, suchst du vergeblich einen Platz. Das ganze Restaurant ist so voll wie du schon langsam die Schnauze hast.

Mensch, wie gerne hättest du jetzt eine schöne fette Handgranate dabei!

Kurz bevor du einen schmerzhaften Krampf in beiden Oberarmen bekommst, erblickst du im letzten Augenblick ganz hinten einen freien Platz. Glücklicherweise haut dir kein Kind in die Glocken und es kommt dir auch keine Fastfood-Fanatikerin entgegen.

Anstatt dessen schaffst du es, ohne auszurutschen den besagten Platz zu erreichen. Muss wohl heute dein Glückstag sein. Na jedenfalls hast du gerade dein Tablett abgeladen und bist erstaunt, als der Tisch das aushält und nicht zusammenbricht.

Du setzt dich und willst auch gleich zu essen beginnen. Doch erst musst du einmal Ordnung in dieses Chaos bringen. Dein übersüßtes und überteuertes Getränk ist irgendwo zwischen drei Burgern und einer optisch gigantischen Pommestüte verborgen.

Gewaltsam dringst du in das Tablettregime vor und greifst dir einfach den nächsten Burger den du erwischt. Du öffnest die Schachtel und denkst dich tritt ein Pferd: Was du da in den Händen haltest kommt dir vor als hättest du ein Mini-Mikro-Nulldiäts-Menü bestellt.

Auf der Abbildung sieht dein Burger aus als hätte eine halbe Farm daran glauben müssen um ihn herzustellen. Und hier? Naja. Egal, du hast jetzt Hunger wie eine Herde paarungswütiger Zuchtochsen und beißt richtig rein, wobei bei diesem kulinarischem Unternehmen ungefähr schon drei Viertel des Burgers hops gehen.

Und gleichzeitig kommt in dir das Gefühl hoch als hättest du gerade in eine brennende Fackel gebissen oder einen Flammenwerfer geküsst. Der Burger ist so heiß das du meinst, gleich zu Asche zu zerfallen.

In einer Panikreaktion wirfst du den Burger weg, um mit fächelnden Bewegungen deinen Mund zu kühlen, den du gerade geöffnet hast. Unglücklichweise rutscht genau jetzt ein Bröckchen des Fleisches in deine Gurgel.

Du röchelst wie ein Esel bei der vierten Serienejakulation und suchst blindlings mit beiden Händen nach deinem eisgekühlten Getränk. Dabei wirfst du das halbe Tablett hinunter. Doch endlich hast du das Getränk in beide Hände genommen und nimmst einen kräftigen Schluck.

Und wie es so üblich ist sind da auch Eiswürfel enthalten, die jedoch nur noch vom Namen an Würfel erinnern. Faußtgroße Eisbrocken gleiten schon nach dem ersten großen Schluck mit in deinen Mundraum.

Scheiße ist das kalt! Deine Zähne fühlen sich jetzt nach wie es dem Alien in Teil 4 erging, als es aus glühendem Metall kommt und dann mit einem Kübel Eiswasser getroffen wird. Du verziehst dein Gesicht als würde dir ein Zahnarzt mit einem Abschlepphaken alle Zähne samt Kiefer auf einmal ausreißen, indem er einfach mitdemselbigen über dich drübermäht.

Na jedenfalls schreist du wie am Spieß wegen der Wärme, der Kälte, der Brocken und einfach wegen der durchgängig unpassenden Allgemeinsituation. Nachdem dich die Leute kurz anschauen als hättest du gerade laut „Heil Hitler“ gebrüllt, widmen sie sich wieder ihren eigenen, äußerst tollen Menüs.

Eine kurze überblickende Statistik ergibt, das du einen halben Burger gegessen, einen hinuntergeworfen und einen noch übrig hast. Die Cola hast du zur Hälfte ausgetrunken wobei so wie so die Hälfe aus Eis bestand. So hast du praktisch betrachtet noch ein Viertel davon.

Bei dem einen Burger am Boden kannst du dich nicht beherrschen und entscheidest dich dafür, ihn mitzunehmen und der Fratze von Lehrbuben zu geben. Wäre da nicht gerade der fette Bomber von vorhin drauf getreten weil sie ja ihre blöde Handtasche vergessen hatte.

Nun sieht der Burger endlich so groß wie auf dem Bild aus. Aber auch so gesund. Neue Statistik der Kulinarik: Nur noch ein Burger, ein Viertel des Getränks, was schon langsam wie Wasser schmecken muss weil das Eis geschmolzen ist und ein paar Pommes.

Den nächsten und letzten Burger den du öffnest, erinnert dich an das Ergebnis im Porzellanbehälter, das produziert wurde durch eine Pizza Fatale, die sich (zeitlich versetzt versteht sich) mit Milch, Weißbier und Spinat im Magen vermengt hatte und dadurch den Notausgang nahm.

Nur in etwas festerer Form.

Weil du noch immer Hunger hast, isst du ihn halt, weil bezahlt ist er ja auch schon. Die Pommes sind eine Art kulinarisches Mikado: Das erste vom anscheinend gigantisch großen Stapel genommen veranlasst alle anderen dazu, zu einem Drittel zusammen zu sacken.

Nachdem du diese auch noch gegessen hast und mit einem Getränk, dass die farblichen Eigenschaften von Teer und die geschmacklichen Eigenschaften von Zucker und pestizoider Chemiegeballtheit hat, hinuntergespült hast, denkst du sehnsüchtig an dein saftiges Lenkrad.

Oh Mann, jetzt noch für den Meister und seiner Hackfresse das Zeug besorgen. Genervt drückst du das Tablett in die davor vorgesehenen Schuber, obwohl eh schon zwei hintereinander sind.

Doch Wut ist ein Faktor, der die Kraft steigern lässt. Und sich von ein bisschen Plastiktablett erst gar nicht aufhalten lässt.

Du gehst an die Bestelltheke und das wahrscheinlich hässlichste Ding dieser Existenz erblickt dich. Du meinst schon sie zückt gleich eine Axt und rennt auf dich los doch anstatt dessen fragt sich dich in gebrochenem, nein zerstückelten, zerfetzen oder nein, sagen wir fast überhaupt keinem Deutsch was du denn gerne möchtest.

Nach qualvollen 5 Minuten hast du ihr erklärt was du möchtest. Sie fragt, ob du noch eine Tüte brauchst und du verkneifst es ihr zu sagen dass du schon eine Tüte möchtest, aber nur um ihr hässliches Antlitz zu verdecken.