Von Millionenerbe, Standhaftigkeit, Models und Frühstücksfleisch

Wie mysteriös dreist das doch ist: Die Gesichtsheft-Werbung empfiehlt mir auf der rechten Seite neben dem Newsfeed ständig zwei Dutzend Datingseiten, wo zufällig, ja so ganz rein zufällig in meiner Region laut seriösem Profilbild halbnackte Topmodels in Doggystylestellung oder versehentlich herausgefallener Brust im Alter von 25 bis 29 Jahre ganz genau und *nur* auf mich warten, bis ich sie endlich anklicke.

Ooooder ich werde via Werbebanner stets gefragt, ob ich denn nicht auch interessiert wäre, mit einem ziemlich simplen, aber doch recht einfachen Trick mindestens, ja mindestens 3.000 Euro am Tag zu verdienen, so wie in etwa der dämlich grinsende Herr neben dem Lamborghini, dem Porsche oder dem Ferrari auf dem mit MS Paint zusammenkopierten Bild.

Wie vermisse ich doch die Zeiten, wo man noch seriöse eMails aus Afrika erhalten hat, wo ein ganz überraschend zum Millionär gewordener Prinz Akbaru mir die Hälfte seines Vermögens überlassen möchte, und ich müsse doch nur die Bankdaten schicken, der feine Herr würde sich um den Rest kümmern.

Und das alles nur, weil sich herausgestellt hat, dass ich weitschichtig mit der Tochter des Bruders der Nichte, deren Elektriker zwei Söhne hat, dessen Halbschwester wiederum des zweiten Sohnes aus erster Ehe wiederum gar nichts damit zu tun hat, aber die einen hervorragenden Kellner kennt, dessen verkrüppelter Stiefvater vor zehneinhalb Monaten einen Gärtner auf Minijobbasis angestellt hat – welcher, und das muss man sich echt mal vorstellen und auf der Zunge zergehen lassen, mich überhaupt nicht kennt! Aber mit mir verwandt ist. Und da es diesen Herrn eben die letzten Tage offensichtlich beim Scheißen gehen komplett zerlegt hat und bedauerlicherweise kein Testament geschrieben wurde, bin ich eben der einzige Erbe. Ja, so klein ist die Welt, nicht?

Oder die mindestens genau so seriösen Angebote via eMail, ob ich denn nicht interessiert wäre, meine Männlichkeit erstens um lächerliche 25 Zentimeter zu verlängern und zweitens die Standhaftigkeit dessen nicht nur zeitlich um vierzehn Stunden zu verbessern, sondern – wie eigentlich beworben – quasi gleich auf Dauerflaggenhissung umzustellen.

Was vermisse ich diese Zeiten. Spamming ist eben auch nicht mehr das, was es mal war. 😦

Sie vermutete daher auf die Schnelle, dass ich stehe auf Transsexuelle

In gewissen Situationen sollte man großen Wert auf die Aussprache legen – besonders, wenn es sich um Eigennamen, Firmennamen, Menschennamen und allgemein Wörter handelt, die auch nur ansatzweise ähnlich zu anderen klingen können. Oder eben deswegen eben in der Lage sind, eine falsche Assoziation herzustellen.

Natürlich weiß man dies niemals vorher, und wenn man bemerkt, dass man gerade voll in die peinliche Situation reingerasselt ist, ist es meistens ohnehin schon zu spät.

Als ich eines Tages mit zwei Freundinnen in einer italienischen Lokalität zugegen war, um entsprechende Speisen zu mir zu nehmen, ging das Gesprächsthema irgendwann Richtung Internet; besser gesagt Thema eMail, eMail schreiben, eMail-Anbieter und so weiter. Mein Gegenüber meinte, bei einem damals schon schlechten Urrelikt dieser Fraktion vertreten zu sein, was ich sofort als Humbug abtat. Eben weil ich es im 21sten Jahrhundert für etwas prästeinzeitlich halte, nur zwölf Megabyte an Speicher für den eMail-Speicher anzubieten.

Nun wurde unsere Unterhaltung wurde kurz unterbrochen, weil die Bedienung kam und unser bestelltes Essen (ja welches auch sonst) brachte.

Die Konversation wurde nach wenigen Minuten meinerseits zwischen zwei Bissen fortgeführt, als ich meinte, Gmail (Googlemail) wäre meine bevorzugte Wahl in jeder Hinsicht. Das Angebot, die Anwendbarkeit, all die Möglichkeiten, die es bietet und vor allem die einfache Bedienung („man kann es einfach hernehmen, wie man will“) wären vor allem sehr große Bonuspunkte. Habe ich schon jedem empfohlen, zu probieren, und jeder war begeistert. In keinster Weise würde ich diese Erfahrung bereuen.

Während ich also so mein persönliches, sehr positives Feedback bezüglich Gmail abgebe, bemerke ich eine leichte Veränderung in den Gesichtszügen der Frau mir gegenüber. Ich gedenke sogar, die Spur leichter Anwiderung darin zu sehen. Natürlich frage ich nach, ob etwas geschehen ist, oder was der Grund für dieses Gesicht ist.

Sie: „Shemale? Du stehst auf Shemales?“

Mein Gehirn: *processing…*

Mein Gehirn: *eine minute zurückspul und erinner, was gesagt hab, nun aber mit „Shemale“ im Kontext statt „Gmail“*
… all die Möglichkeiten, die es bietet …
… auch habe ich es schon anderen empfohlen, mal zu probieren …
… ich wolle gar nichts anderes mehr …
… ich würde nichts bereuen …

Ich: *klick* Oh…

Ahaaaaa, da machte es *bing*. Gmail. Shemale. Der Grad an Ähnlichkeit ist an Dreistigkeit ja auch wohl kaum zu überbieten. Und als ich mein Review revue im Geiste passieren ließ, fiel nicht der Groschen, sondern ein ganzer Banktresor.

Daher bitte immer aufpassen.