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Geht es nach Insiderinformationen, will die Bundesregierung jedwede Doppeldeutigkeiten und Anzüglichkeiten phasenweise aus der deutschen Sprache tilgen. Wir sprachen mit der zuständigen Regierungsabteilung.

Inhaltsverzeichnis
Am Ende: Innuendo
Eine Initiative bis in jede Tiefe
Gute Namen, guter Samen
Ein Führen beim Einführen
Wenn es kommt, dann prompt
Bildquellen
Spaßfakten, die wir mit einpackten
Am Ende: Innuendo

Seit Jahren befindet sich Deutschland auf einer Achterbahn der sprachlichen Entwicklung. Wurde noch 2023 die Jugendsprache als Amtssprache eingeführt, so steuert man nun in eine neue Richtung. Wenn es nach Plänen eines Gremiums des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus geht, wird es schon bald keine Anzüglichkeiten, Doppeldeutigkeiten mehr in der deutschen Sprache geben.
Dabei richtet sich das Komitee nach den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz in Bonn. Diese stellte fest, dass Deutschland nicht aufgrund der generellen Komplettunfähigkeit der Politik in der Welt Ansehen verliert. Sondern infolge des deutschen Humors, der in erster Linie auf anzüglichen Wortwitzen basiert. Man will zurückkehren zum korrekten Beamtendeutsch, das oft als steif beschrieben wird.
Dafür trafen wir Maria Hartmann. Sie ist Sprachwissenschaftlerin im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus und ist Leiterin des ins Leben gerufene Gremiums. Sie ist dienstälteste G.I.L.F. – Germanistin In Leitender Funktion.
Mit ihren 55 Jahren blickt die studierte Germanistin auf eine unbeachtliche Karriere zurück; seit elf Jahren schon ist sie leitende Wissenschaftlerin in einem ambitionierten Programm der Regierung. Bei dem geht es konkret um die Reduktion und Eradikation aller Anzüglichkeiten der deutschen Sprache. Innuendo nennt sich das Fachwort dafür.
Eine Initiative bis in jede Tiefe
Doppeldeutigen sind der Regierung schon lange ein Dorn im Auge. Verwässert es doch die Aufrichtigkeit und Korrektheit des Deutschen. Aus der Senke erhob sich da P.E.N.I.S. – das Protokoll zum Etablieren einer Norm zur Integritätserhaltung aller Sprachsitten. Dazu konnten wir die Leitung des Gremiums zu einem Interview gewinnen.
BBQ: »Guten Tag Frau Hartmann. Vielen Dank, dass wir kommen durften, um mit Ihnen über P.E.N.I.S. zu sprechen.«
Hartmann: »Ich danke ebenso, dass Sie gekommen sind!«
BBQ: »Frau Hartmann, der Deutsche ist in der ganzen Welt bekannt für seinen Humor. Denken Sie, dass ihm durch die Einführung von P.E.N.I.S. das Lachen vergehen wird? Das Protokoll klingt doch etwas, nun, militärisch hart?«

Hartmann: »Wichtig ist, das alles im richtigen Umstand zu verstehen. Denn was in fehlendem oder falschem Kontext steht, wird nicht lange aufrecht stehen. P.E.N.I.S. mag zu Beginn etwas überwältigend wirken und viel zum Verdauen sein, doch sind Ängste unbegründet.«
BBQ: »Wie gedenken Sie genau, diese Angst zu nehmen?«
Hartmann: »Zu aller erst – für derartige große Dinge wie P.E.N.I.S. braucht es Fingerspitzengefühl und Engelszungen. Mein dreißigköpfiges Team und bringen einen ganzen Pool an Erfahrung mit, was Handhabe und Einführung angeht. Das Ziel ist es, das Beste aus allem und keine Unze weniger herauszuholen. Ein sanftes Vorrücken ist auch der Regierung wichtig. Dafür gehen wir nicht frontal vor, sondern versuchen es zuerst durch die Hintertüre. Als erfahrene G.I.LF. habe ich bereits vor Augen, wie das geschehen soll.«
Ihre Aussage über einen satten Erfahrungspool ist nicht nur so gesagt; ein paar Kollegen ihres Teams stellen sich kurz vor. Alles Spezialisten der Sprache; Lektoren, Sprachtherapeuten, Fachleute der Linguistik, Dolmetscher, ein Musiker, ein Sprachpsychologe. Auch ihr Mann ist dabei, er ist Theologe und Autor.
Gute Namen, guter Samen
BBQ: »Sie bedienen sich der bildhaften Sprache. Hilft ihnen das?«
Hartmann: »Ja. Denn Sprache ist wie Samen; es beginnt alles mit kleinen Vokalen und Silben, die zu Wörtern, Sätzen, Geschichten und Kommunikation selbst heranwachsen. Es ist fesselnd, alles anschwellen, wachsen und direkt pulsieren zu sehen. Man möchte es direkt mit den Händen packen!«
BBQ: »Wo fangen Sie bei P.E.N.I.S. konkret an?«
Hartmann: »Mit der Spitze. Geplant sind drei Phasen, wobei Phase drei bereits der Abschluss und Akzeptanz ist. Damit sich Unerfahrene nicht an P.E.N.I.S. verschlucken, verwenden wir zur Benennung für Phase eins und Phase zwei eingängige Akronyme. Mit ihnen fassten wir Organe zusammen, die primär mit P.E.N.I.S. in Berührung kommen.«
BBQ: »Akronyme; also Wörter, die sich aus den Anfangsbuchstaben anderer Wörter zusammensetzen. Haben die neuen Begriffe eine Bedeutung an sich? Werden sie zu Apronymen?«
Hartmann: »Nein, das nicht; wir wählten die Wortkonstellationen zufällig.«
»Wir sprechen hier von doppelter Penetration.«
Hartmann, GILF der Regierung
BBQ: »Erläutern Sie diese bitte.«
Hartmann: »Am wichtigsten sind die Teilbereiche O.R.A.L. – aufgeteilt in Orthografie, Rhetorik, Aussprache und Linguistik. O.R.A.L. als Phase eins bildet das harte Fundament für P.E.N.I.S.. Steht P.E.N.I.S. erst einmal, kann man damit arbeiten und in weitere Bereiche eindringen.«
BBQ: »Es folgt also Phase zwei?«
Hartmann: »Genau. Phase zwei sind vor allem Arbeitsgebiete, mit denen niemand gerechnet hat. Areale wie A.N.A.L. – das sind Autoren, das Nachrichtenwesen, Agenturen und Lektorate. A.N.A.L. wird oft vernachlässigt. Da wir in Phase zwei in beide Organe gleichzeitig eindringen, sprechen wir hier von doppelter Penetration. Mein Team und ich gingen das in den Jahren erst in der Theorie, dann in der Praxis durch. Es ist stets ein Führen beim Einführen und Spüren.«
Ein Führen beim Einführen
BBQ: »Sie sprechen von einem Team. Gab es noch weitere Hilfe von außerhalb?«
Hartmann: »Ja, uns wurde eine unabhängige M.I.L.F. (Mentorin In Leitender Funktion) zur Seite gestellt, mit der ich mich oft austausche.«

BBQ: »Es läuft wohl alles gut. Rechnen Sie trotzdem mit Schwierigkeiten? Wir stellen uns den Vorstoß bei bei A.N.A.L. am Anfang schwierig vor. Zudem wird es anfangs viel Gegenwind geben, weil man etwas übersah?«
Hartmann: »Das mit Sicherheit, bei sensiblen Organen gibt es viele Löcher zum Stopfen. Besonders angesichts der Größe von P.E.N.I.S. und der Deckung durch die Regierung. P.E.N.I.S. aber wurde von einem großartigen Team über Jahre hinweg geprobt und getestet und wird standhalten. Davon bin ich überzeugt.«
BBQ: »Das Projekt liegt Ihnen sehr am Herzen?« Das fragen wir, weil wir den Enthusiasmus für dieses Projekt spüren können.
Hartmann: »Das tut es! Ich selbst habe mich dieses letzte Jahr noch einmal intensiv mit den Phasen O.R.A.L. und A.N.A.L. beschäftigt und bin mit dem Team alle Positionen und Möglichkeiten durchgegangen. Wir haben uns sogar gefilmt dabei, um Außenstehenden die Reaktionen zu zeigen und darauf zu reagieren.« Denn:
Wenn es kommt, dann prompt
Als respektierte und dienstälteste G.I.L.F. liegt ihr Augenmerk auf allem, was das Projekt vorantreibt. Uns fällt auch ihre aktive Gestik auf. »Wie Sie sehen«, fügt sie an, »man sollte nicht nur den Mund, sondern auch die Hände, den ganzen Körper verwenden. Das fiel mir am Anfang ehrlich gesagt schwer. Mein Team aber stand tatkräftig in mir und half mir, meine Zonen zu erweitern und alles zu vertiefen. Ein großartiges Gefühl, das mich komplett ausfüllte. Ich begrüßte jeden einzelnen Vorstoß, auch wenn der Input bisweilen als massiv zu beschreiben war.«

BBQ: »Haben Sie ein genaues Datum oder einen Zeitraum, in dem P.E.N.I.S. kommt?«
Hartmann: »Nein, weil wir die Bevölkerung nicht überrumpeln wollen. Es wird eingeschlichen. Für die Umsetzung selbst werden stufenweise Maßnahmen ergriffen. Etwa die Umstellung diverser Autoren-, Schreib- und Hilfsprogramme und deren dazugehörigen Schreibkorrekturen.
Ein Modul davon ist A.S.S. – das steht für Anpassung von Syntax und Sprechweise. Denn mit falschem Satzbau und inkorrekter Sprechweise beginnen die meisten Missverständnisse. Der Vorschlag kam von meinem Mann, der aus England stammt, dort Theologie studierte und Buchautor ist. Er kam auf das A.S.S.-to-mouth-Prinzip (Adaption of Syntax and Speech to mouth). Schließlich finden Syntax und Sprechweise im Mund ihren Ursprung und müssen dorthin gebracht werden.
Wir wissen jetzt zwar, dass uns vieles eingeführt wird, aber nicht genau wann. Spätestens dann, wenn P.E.N.I.S. schon in aller Munde ist und alle Organe davon penetriert wurden.
Bildquellen
Das Cover: Eigenkreation, mit Bildschirmschüssen der Artikel Innuendo und Anspielung aus Wikipedia.
Die Apfelküchlein
Nishant Aneja, Pexels
Das alte Fenster in der Mauer
Pixabay
Spaßfakten, die wir mit einpackten
- Für die Bilder startete ich unter anderem eine Bildersuche im Internet mit »creampie«, da ich eben einen Kuchen mit Cremefüllung suchte . Nun, sagen wir so, das hätte ich eindeutig besser wissen müssen 🙄
- Auf die Idee für diesen Artikel kam ich während der Arbeit und musste mir das wie üblich dumme Grinsen verkneifen.
- Der Artikel ist von Haus aus frei von K.I-Inhalten, da jede normale künstliche Intelligenz allein bei der Erwähnung von MILF, geschweige denn GILF den Schwanz einzieht.
- Es war noch ein Wortspiel mit Kontext und Sext sowie Expertise und Sexpertise geplant, doch konnte ich es nicht umsetzen.