Noise cancelling? Out! Neuer Kopfhörer mit Voice cancelling begeistert Audiowelt!

(1.500 Wörter, 8 Minuten, 0 KI-Inhalte)

Denn Noise cancelling reicht nicht mehr. Deshalb will Serenity, finnisches Start-up-Unternehmen, den audiophilen Markt mit Voice cancelling – Technologie für Kopfhörer verbessern. BBQ war zu Besuch bei den Finnen.

Inhaltsverzeichnis

Gutes Patent im falschen Moment
Eine halbe Million Dank Crowdfunding-Aktion
Weniger soll stören beim Hören
But wait! There’s more! (Or even less!)
Noise cancelling bedeutet Voice cancelling
Bildquellen
Spaßfakten die wir mit reinpackten

Gutes Patent im falschen Moment

Als Nobelpreisträger, Baron und Physiker John William Rayleigh im Jahr 1878 das Prinzip der Interferenzfähigkeit aus der Optik auf die Akustik anwandte und dank zweier Stimmgabeln und deren Minima und Maxima ermittelte und das Prinzip der aktiven Geräuschunterdrückung entdeckte, war ihm keineswegs der Impakt seiner Entdeckung bewusst.

Selbst als jemand mit dem Namen Bichovskij 1949 ein Patent darauf anmeldete, war der eigentlich Nutzen des Antischalls noch nicht wirklich von Bedeutsamkeit. Erst im Jahr 1988 war es Bose, die mit Digitaltechnik das Prinzip umsetzte und den ersten Aktivkopfhörer mit Antischall-Technik entwarf. Kommerzielle Verwendung fanden diese zu Beginn im Bereich lauter Umgebungsgeräusche, wie im Militärbereich und der Luftfahrt.

Nur wenige Jahre vor dem 150. Entdeckungsgeburtstag des Funktionsprinzips ist die Technik als Noice cancelling fest etabliert in Arbeit, Alltag und Auszeit und in, an und über jedermanns Ohr – In- Ear, On-Ear, Over-Ear.

Den ungestörten, ungeteilten auditiven Genuss lässt sich der Audiophilie Verschriebene gerne kosten; Geräte reichen von knapp dreistelligen Beträgen bis hin zum Vierstelligen. Hersteller wie Sony, Beyerdynamic, Sonos, Bose und andere liefern sich jedes Jahr einen tosenden Kampf um die Stille. Schon 2025 aber könnte es wirklich leise werden. Ein neuer Big Player besteigt den Ring besteigt und sorgt für absolute Stille: Serenity.

Eine halbe Million Dank Crowdfunding-Aktion

Serenity kommt aus dem Englischen und bedeutet Gelassenheit, Klarheit und Ruhe. Das hat sich der gleichnamige Hersteller aus Finnland auch auf seine Hi-Fi-Fahne geschrieben. Finnland ist bekannt für seine Naturverbundenheit und die Bedeutsamkeit des persönlichen Raumes und der Ruhe. Passend dazu das Motto: Sophisticating the Sound of Silence. Das Veredeln der Stille.

Wir sprachen mit dem gerade mal zehn Personen starken Entwicklerteam, von denen sich sieben in der Universität Helsinki kennenlernten. Für das ganze Projekt und Serenity als Start-up-Unternehmen selbst wurde übrigens schon 2020 eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Als Ziel strebte man damals eine halbe Million Euro an, um Kosten für Entwicklung zu decken. Bereits nach knapp drei Wochen erreichte man eineinhalb Millionen, was die Entwicklung des Silent Shroud One rasant vorantrieb.

Universität von Helsinki. Ideelle Geburtsstätte von Serenity.

Daran erinnert sich auch Tontechniker und Projektleiter Mika Korhonen. »Es war der Wahnsinn! Wir glaubten es zuerst selbst kaum, dachten an einen Fehler auf der Seite.« Auf die Frage, was den Antrieb für dieses Projekt gab, ein neues und doch altes Produkt zu entwerfen, antwortet seine Freundin Marja, Informatikerin: »Wir waren mit den Produkten am Markt nicht zufrieden. Und wenn man etwas gut sehen – oder (nicht mehr) hören will, macht man es selbst.« Was damit gemeint ist, dürfen wir am Produkt selbst ausprobieren. Denn: Der Silent Shroud One ist bereits fertig.

Weniger soll stören beim Hören

Beim Testen fällt uns nur Positives auf. Design, Haptik, rasche Kopplung, intuitive Bedienung, die entweder durch Tasten am Gerät oder verbundener App funktioniert. Eine runde, glatte Sache – fehlt nur noch das kräftige Rühren der Werbetrommel, aus welchem Grund auch wir als fünftes deutsches Bloggerteam darüber berichten dürfen. Noch im ersten Quartal 2025 ist es soweit. Besonders schmackhaft macht es einem der Preis von nur knapp zweihundert Euro.

»Unsere Kundenzielgruppe sind Menschen, die absolute Ruhe und Abgeschiedenheit, ihren Einklang suchen. Also wir selbst in erster Linie!«, weiß Marja Laine, die auch Tontechnikerin ist. »Primär Personen, die unter und mit Menschen sein wollen, aber keinerlei Interesse an Unterhaltungen hegen, weder aktiv noch als Zuhörer.«

Wir verstehen die Prämisse nur zu gut. Spätestens seit Corona schätzen immer mehr den Komfort der Stille. Unter der Pandemie litt Mensch, damit die Kunst, damit die Musik. Mit Spätfolgen. Immer mehr meiden dauerhaft den Kontakt zu Menschen. Nicht, weil es noch Infekte gibt, sondern man zur Erkenntnis kam, dass der Mensch selbst der Infekt ist. Und man stets am besten daran ist, wenn man ihn meidet.

»Musik gibt einem ohnehin mehr«, weiß Sanna Heikkinen, die ihr Kunststudium abbrach, um Audio-Engineering zu studieren, bei diesem Projekt aber ihre Liebe für das Design wiederfand. »In Finnland gibt es die Entspannungsmethode Kalsarikännit. Zudem hat es eine großartige Black-Metal-Szene. Nichts ist störender, als entspannt satanischen Black Metal zu hören und von plärrenden Menschen gestört zu werden, obwohl man vielleicht die Umgebung an sich hören möchte. Egal ob im Fitnessstudio, unterwegs oder auf Arbeit. Genau da greift das Voice cancelling. Wir schalten alle Stimmen auf stumm.«

Das fühle ich, würde die verfallene Jugend von heute sagen. Mehr könnten wir aber nicht zustimmen. Der Silent Shroud One ist zugeschnitten auf Menschen im Einzelhandel, Hotlinemitarbeiter, Bedienungen, Taxifahrer, Paketboten, Pflegepersonal. Generell Menschen, die in der von Mammon motivierten Mensch-Maschinerie stecken und auf Arbeit der verbalen Dauerbeschallung von Klientel und krankhaft kommunikativen Kollegen ausgesetzt sind.

But wait! There’s more! (Or even less!)

»Vom Turm von Babel zu einem Sturm von Gebrabbel. Den Menschen ist ihre Ruhe heilig.« Die bekommt man aber nur, so wissen die jungen Entwickler, wenn man alle Menschen ausblendet. »So leicht wie mit einem Thanos-Snap geht es leider nicht.«

Wie eine Umfrage unter neun Milliarden Probanden unterschiedlicher Bereiche ergeben hat, ist es nicht die Arbeit, die Menschen kaputt macht, sondern die Menschen auf Arbeit, die alles kaputt und krank machen. So ist es nicht der Lärm oder die Anwesenheit von Menschen, sondern ihre Sprache, die mittlerweile zu einem kranken Kokon verkommenen Kommunikationskonstrukt korrumpiert ist.

Der Dialog wird immer träger, taktloser, zur Tortur. Reichte damals noch ein einfaches Nein oder ein gezielter Handkantenschlag, so metastasiert heute alles zu einer debilen Diskussion, dumpf-stumpfen Debatte – eine desaströse Dimension dauerdegradierenden Dauerdialoges. Politiker, Podcasts, Privatfernsehen, das Radio – alles verkümmertes, stumpfes, wertloses Gebrabbel im Dauerbeschallungsmodus.

Spätestens seit Einführung der Jugendsprache als Amtssprache durch den »Babo« von Deutschland ist es für Menschen mit Intelligenz und Integrität statt Influencertum und einer Funktion statt Fans, also einem reellen Vollzeitjob und Daseinsberechtigung nicht mehr so leicht, sich kommunikativ im Leben zurechtzufinden.

»Genau da brillieren wir bei Serenity; der Silent Shroud One hat nicht nur Noise cancelling, sondern auch Voice cancelling als Merkmal«, sagt Projektleiter Korhonen.

Noise cancelling bedeutet Voice cancelling

Der Silent Shroud One kann Gesprochenes der Umgebung in menschliche Sprache übersetzen. Echtzeitübersetzung ist zwar nichts Neues (Google’s Pixel Buds können das schon seit 2017), doch geht man bei Serenity einen Schritt weiter. Der Nutzer soll den anderen nicht hören, sondern verstehen. Ganz gemäß der Textzeile aus dem jahrgenau 60 Jahre alten Song Sound Of Silence von Simon & Garfunkel: »People talking without speaking, people hearing without listening«; Menschen sprechen, ohne etwas zu sagen und sie hören, ohne zuzuhören.

Nicht hören. Verstehen!

Serenity

»Wir haben den Markt des Noise cancelling lange beobachtet. Wer sich für mehrere hundert Dollar Kopfhörer mit Noise cancelling – oder gar Voice cancelling kauft, will sicherlich vieles, bestimmt aber keine Unterhaltung führen.«

Dabei greift eine KI unter die Arme und in die Ohren. Im SILENT-Modus gelangen keinerlei Außengeräusche in die Ohren, im SAFE-Modus nur Dinge wie eine Alarmanlage, eine Sirene oder ein schreiendes Kleinkind. Im SPEECH-Modus übersetzt die künstliche Intelligenz automatisch alles Gesprochene. Da man bei SPEECH den namensverbindenden Leitsätzen von Serenity treu bleibt, lässt der Silent Shroud One einen nicht nur zuhören, sondern verstehen.

So wird bei aktiviertem Translator-Modul aus einem sprachbehinderten »Ziemlich cringe, Boomer« sofort ein »Entschuldigen Sie bitte, Herr von Erfahrung! Ihr Verhalten empfinde ich als etwas altmodisch angehaucht« und aus einem degenerierten »Same, der Talahon ist doch safe voll delulu und cooked wenn er das denkt« ein verständliches »Eure Ansicht teile ich durchaus, werter Landsmann. Jedoch wage ich die Behauptung zu äußern, dass jene weitere anwesende Person nicht aus dem vollen Ausmaß der Wahrheit schöpft.«

Uns hat Serenity jetzt schon überzeugt, und wir von der BBQ-Redaktion können es kaum erwarten, uns ein paar Exemplare des Silent Shroud One zu ordern. Spätestens Frühling 2025 steht einem dauerhaft aktivierten SILENT-Modus beim gepflogenen Kalsarikännit also nichts mehr im Wege.

Zurück zum Anfang.

Bildquellen

Titelbild mit »Serenity«, Slogan, Schriftzug und Design:
Eigenes Design. Davon ausgenommen ist der Kopfhörer im Titelbild selbst. Der wurde vom weißen Hintergrund freigestellt und eingefügt, und zwar vom Bild mit folgendem Eintrag:

Die weißen Kopfhörer, Frontansicht:
Sound On, Pexels

Die roten Earbuds:
Berthold Werner, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Die Universität von Helsinki:
John Welsh (Welshentag), Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Die Frau, Silhouette am Fenster:
Alison Leedham, Pexels

Der Mann, alleine im Zimmer:
Andrew Neel, Pexels

Die weißen Kopfhörer, in der Verpackung:
Sound On, Pexels

Spaßfakten, die wir noch reinpackten

• Die erste Fassung von Sound of Silence von Simon & Garfunkel ist von 1964, also jahrgenau (fast sogar auf den Monat, Release war am 19. Oktober!) 60 Jahre alt. (Album: Wednesday Morning, 3 A.M.)
Kalsarikänni ist in der Tat eine aus Finnland stammende Entspannungstechnik, die übersetzt so viel bedeutet wie »sich in Unterhosen daheim alleine betrinken«. Finnen nutzen hierfür sogar ein eigenes Emoji. Merke: Finnen haben alles richtig gemacht! 🤘🍻
• Dazu ist Finnland das erste Land, das ein eigenes, landestypisches Emoji bekommen hat.
• Ich zog erst noch andere Slogans wie »Silence is Golden. Make it yours.« in Betracht, das biss sich aber mit dem weißen/schwarzen Design.
• Auch »Die Ruhe nach dem Sturm« oder »Im Ohr des Sturms« blieben ungenutzt.
• Ursprünglich war keine sprachlich anmaßende, absolut ausufernde Alliterationsanhäufung geplant, es eskalierte aber wie immer in manchen Absätzen.
• Ursprünglich sollte bei dem Artikel Sony dran glauben mit dem 1000XM6, Codename »Serenity«. Doch gab es zu viele schöne Wörter mit »S« und ich entwarf ein eigenes Produkt.

Zum Anfang des Artikels.