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Inhaltsverzeichnis
Bei gezückten Klingen: Einfach singen?
Exklusive Direktive der Exekutive
Auch für Frau und Kind (solange sie noch am Leben sind)
Deeskalation statt Perforation
Newsquellen
Bildquellen
Bearbeitungshistorie
Bei gezückten Klingen: Einfach singen?
Es mag nach Satire klingen, doch weit gefehlt: So empfiehlt die Berliner Polizei besorgten Bürgern, bei einem Messerangriff laut zu singen. Unerwarteterweise schürte man mit dieser Aussage aber mehr Verunsicherung als Ruhe. Daher will man nun mit stichhaltigen Argumenten nachsetzen.

Bestechend die Frage, wie man ausgerechnet auf das Beispiel eines Messerangriffes kommt. Umgerechnet auf die Anzahl hergestellter Messer, so ein Sprecher der Polizei, gibt es in Deutschland statistisch nahezu keine Messerangriffe. Verzeichnete Delikte wären lediglich bedauerliche Einzelfälle, bestenfalls Unfälle.
Man wolle lediglich den Bürger vor einschneidenden Erlebnissen bewahren. Etwa vor einem bewaffneten Straftäter, der zu einem kurzen Abstecher in der Stadt zugegen ist.
Exklusive Direktive der Exekutive
Schließlich bewährt sich das deutsche Justizsystem als eines der gerechtesten und fähigsten; die Polizei ist besonders in Zeiten wie diesen ein steter Freund, ein Helfer und Respektorgan. Noch nie fühlte sich der deutsche Bürger sicherer.

Und es sei ehrlich gemeint, wenn auch etwas unglücklich formuliert, sagt ein Sprecher, wenn wir empfahlen, das Singen zu beginnen. »Gemeint war damit eher, etwas Unerwartetes zu tun. Singen wird empfohlen. Ebenso klatschen, tanzen, eine Krankheit vortäuschen. Man soll sich einfach vorstellen, bereits mit einer schweren Stichverletzung am Boden zu liegen und zu verbluten, während man ausgeraubt wird – dies würde Fantasie und Schauspielereikunst anregen.«
Generell sollten Gefahren vermieden werden, hieß es weiter. Und so schlicht es klingen mag, so einfach ist es doch. Sich einfach nicht in Gefahr begeben. »Leider halten sich aber viele nicht dran. Tagtäglich lassen sich unbescholtene Bürger zusammenschlagen, vergewaltigen, verkrüppeln und umbringen«, so die Polizei.
Singen soll es also sein. Was aber tun, wenn man kein Opernsänger ist? Oder sogar stumm ist, vielleicht mit Babywagen und der Großmutter unterwegs ist? Selber betagt oder in Schockstarre verfällt? Selbst wenn man in dieser Situation singen könnte, möchte man den Messerstecher nicht zum Noch-Besser-Stecher machen, indem man ihn reizt.
Auch für Frau und Kind (so lange sie noch am Leben sind)
Doch auch hier hat die Polizei einen guten Rat: Zu aller erst soll man sich nicht so anstellen und die Bedrohung wahrnehmen. Nicht anders handeln schließlich auch ausgebildete Polizeibeamte und Spezialkräfte nach langjähriger Berufserfahrung. Weiterhin sei es in speziellen Fällen auch ratsam, rhythmisch das Klatschen zu beginnen. »Es wird doch in jeder Familie gesungen. Etwa bei feierlichen Anlässen. Freilich ist ein mit Machete bewaffneter Straftäter kein erfreulicher Anlass. Jedoch soll man sich auf die Aussicht freuen, einen Angriff nur schwerstverletzt, verkrüppelt und traumatisiert bis zum Lebensende zu überleben, anstatt gänzlich zu verbluten.«

Auch Polizeibeamten würden nie den Helden spielen, heißt es weiter. Anders als so manche 90-jährige Rentnerin oder Kindergartenkind, würde ein in Nahkampf und Deeskalation ausgebildeter Beamte nicht versuchen, den Straftäter zu überwältigen. »Unsere Polizeibeamten machen das auch nicht und nutzen die Schusswaffe nur als äußerstes Mittel.«
Wie sich das aber zum Bürger verhält, der keine Pistole mitführen darf und nur selten eine stichresistente Weste trägt, heißt es, es handle sich um Einzelfälle und Spitzfindigkeiten ohne Stichhaltigkeit, auf die man nicht gesondert eingehen kann.
Deeskalation statt Perforation

Generell soll man die Ruhe bewahren. Und so einfach es auch klingen mag, so schlicht ist es. Auch, wenn im Bus ein Kind mit Nackenstich in den Armen der Mutter verblutet und ein anderer mit zwanzig Messerstichen leicht verletzt wird, kann man immer noch ruhig und besonnen bleiben, einen Notruf absetzen und den medizinischen Fachpersonen den Fall schildern. »In Panik soll niemand geraten. Das hilft nämlich niemandem.«
Die Beamte der Polizei und Spezialeinheiten wie das SEK (Spezialeinsatzkommando) gingen auch nicht anders heran, heißt es. Etwa wenn als zehnköpfige Gruppe mit Schusswaffen, Schilden, Tränengas, Schlagstöcken und Schutzausrüstung zum Straftäter vorrücken. Selbiges kann man ruhig von einem Familienvater auch verlangen, der gerade seinen Sohn sterben sah. So viel Mitarbeit und Zivilcourage kann dann doch verlangt werden.
Newsquellen
Bingsuche: »Singen statt Weglaufen News«
Googlesuche: »Polizei empfiehlt tanzen«
Berliner Zeitung: Messerangriffe: Wie alltagstauglich sind Empfehlungen der Polizei bei Gefahren?
Blick: Berliner Polizei irritiert mit Tipps gegen Messer-Angriff
RTL: Berliner Polizei empfiehlt Bürgern bei Messerangriff „laut zu singen”
Bildquellen
Der Clown (Louis Auriol B)
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Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 188r: Herr Reinmar von Brennenberg
Urheber: Meister des Codex Manesse (fl. etwa 1306–etwa 1377)
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»Tanz Apollons mit den Musen«
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Der verwundete Mann. Feldtbůch der Wundartzney (Strasburg, 1528). ((Field book of surgery. The wounded man).
Urheber: Hans von Gersdorff (Arzt), or en:Hans von Gersdorff (1455-1529), Field book of surgery, 1517
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Bearbeitungshistorie
Sonntag, 01. September 2024: Artikel gepostet.
Dienstag, 29. Juli 2025: Formulierungen verbessert und Sätze geglättet, fehlenden Link „Newsquellen“ eingefügt, Bearbeitungshistorie angefügt.