Nach Nespresso kommt jetzt Fresspresso – Essen aus der Kapsel!

Nach einer flüssigen Ära für Kapselmaschinen (sogenannten Portionskaffeemaschinen) wie Nespresso, Dolce Gusto und Tassimo entwickelt ein Marktführer nun Fresspresso – eine Kapselmaschine für Essen.

Inhaltsverzeichnis

Kann man Essen pressen?
Nicht hausgemacht, nur ausgemacht und eingemacht
Alles Klasse trotz homogener Masse?
Verdiene! Termine! Fünf-Minuten-Terrine!
Heiß wird der Preis – versteckt mit Lock-in-Effekt?
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Kann man Essen pressen?

Es ist schwer, vorab Einblicke zu bekommen. Als erstes deutsches Bloggerteam durften wir keinen Tag in den Produktionshallen eines namhaften Herstellers verbringen, dafür aber mit dem Entwicklerteam dieser neuartigen Erfindung sprechen. Verabredet sind wir mit Helmut Stopfhanserer, Chefentwickler bei der Abteilung für Portionskaffeesysteme. Das aktuellste Produkt, die Fresspresso, soll noch Ende 2024 erhältlich sein.

Als ein Team aus wortgewandten Designern drängt sich bei BBQ rasch die erste Frage auf. »Herr Stopfhanserer. Wir verstehen, dass ein griffiger Name und Wortspiele maßgebend zum Erfolg einer Marke beitragen. Warum aber heißt es FRESSpresso, und nicht einfach ESSpresso

»Diese Entscheidung kam vom Marketingteam. Und es liegt am mangelnden Sprachverständnis der Käuferschaft«, verrät Stopfhanserer, in dessen Büro wir zu Beginn des Interviews sind. »Natürlich dachte man über die Möglichkeit von Esspresso nach, aber das Wortspiel erkannte niemand. Bereits jetzt wird Espresso als Expresso ausgesprochen, vom korrekten Plural Espressi hat ohnehin nie jemand gehört. Daher die Entscheidung für das eher Wortspiel. Es ist derb, bleibt aber hängen.«

Das leuchtet ein. Nicht zu verwechseln ist Fresspresso übrigens mit Frespresso, einem indischen Franchiseunternehmen im Café-Sektor.

Nicht hausgemacht, nur ausgemacht und eingemacht

Stopfhanserer führt uns in einen Vorraum des Entwicklungslabors und zeigt uns sein imposantes Gerät. Es trägt den Namen Latrino und ist das erste Modell der Einsteigerserie. Uns erinnert die Maschine an eine größer geratene Kapselmaschine. Stopfhanserer verweist auf den Wassertank, der siebzehn Liter fasst und zeigt uns eine Kapsel, die groß ist wie zwei Erwachsenenfäuste.

Stopfhanserer legt wie bei einem Spielautomaten einen seitlichen Hebel am Gerät um; ein Ruck geht durch die Maschine, die Lichter flackern, Putz rieselt von der Decke und im Nebenraum explodiert etwas. »Alles in Ordnung«, beruhigt der Experte. »Die Fresspresso ist leistungshungrig«, schreit er über den Lärm der Maschine hinweg, die lokomotivengleich Dampfstöße von sich gibt.

»Kapselmaschinen beziehen eine Leistung von zirka 1.500 Watt. Die Einsteigerserie der Fresspresso bezieht 3.600 Watt. Hierzulande sind 3.680 Watt die maximale Leistung, die eine Steckdose liefern kann«, erklärt er. »Davon braucht das Einsteigermodell also knappe 98 Prozent. Eine Mahlzeit frisch aus der Kapsel gebrüht ist es immer wert, alle anderen elektrischen Geräte abzuschalten.«

Wir fragen nach, ob die anderen Modelle mehr Leistung benötigen. Immerhin sprach er hier von einer Einsteigerserie. Stopfhanserer verweist auf eines der Geräte auf einem weiteren Tisch. Es ist deutlich massiver, aus Stahl gefertigt, mit dickerem Kabel, noch größerem Tank. Fresspresso Kruppstahl. Made in Germany. steht darauf.

»Für Geschäftskunden und die Industrie«, erklärt Stopfhanserer. Wie sich herausstellt, benötigen die größeren Modelle, wie die Modelle Kruppstahl, die Sveltino (ein extra schnelles Gerät) und die Duplo Penetratore (für zwei Portionen) einen Starkstromanschluss, wie man es von Elektroherden, Backöfen und Kreissägen kennt.

Chefentwickler Stopfhanserer denkt da zuversichtlich. »Die Fresspresso wird in den Haushalten ohnehin den Platz des Ofens einnehmen.«

Alles Klasse trotz homogener Masse?

Das erste Gerät, Modell Latrino, ist hochgefahren. Wir reden wieder in normaler Lautstärke, es tuckert nur noch wie ein Generator im Hintergrund. Gewohnt intuitiv ist die Anwendung, reduziert auf wenige Knöpfe und ein Touch-Display. Stopfhanserer drückt unserem Fotografen eine Kapsel in die Hand. Es gibt Käsespätzle mit Röstzwiebeln.

Wir stellen eine flache Schale darunter, legen die Kapsel ein und drücken auf START. Die Maschine läuft an; für zwanzig Sekunden flackern die Leuchtröhren, der Tisch zittert, in den Labors daneben flucht jemand in plötzlicher Dunkelheit. Wir beobachten die Latrino, die nach weiterem Keuchen und Stöhnen eine homogene, gepunktete, grau-braun-gelbliche Masse kreisförmig in die Schüssel drückt.

Wir fragen, welche Magie in der Rezeptur aufwartet. »Das Geheimnis liegt in der Abstimmung der Bestandteile.« Der Stolz über die technische Errungenschaft drückt dem Chefentwickler nach anfänglicher Geheimnistuerei dann doch heraus, dass man das Ergebnis erreiche, indem man auf den Einsatz von – zumindest frischen – Lebensmitteln verzichtet. Diese wären rasch verderblich und unwirtschaftlich, was Anschaffung und Verarbeitung angeht. Stattdessen nutzt man überwiegend Restprodukte, künstliche Stoffe und Geschmacksverstärker. Da dies nicht reicht, verwendet man Geschmacksverstärker für die Geschmacksverstärker.

»Am Schluss zählt, was hinten raus kommt.«

(Helmut Stopfhanserer, Chefentwickler)

Wir fragen erneut, ob er sich trotz Lärms und Energiebedarf einen Gewinn versprechen kann. »Natürlich. Am Schluss zählt, was hinten raus kommt. Wir haben schon Tausende Anfragen, obwohl das Gerät offiziell erst im Dezember 2024 auf den Markt kommt. Also ja. Denn die Fresspresso ist das, auf was der Kunde wartet. Er ist es gewohnt, auf Knopfdruck dampfend frischen Kaffee zu bekommen. Gleiches wollen wir bei der Fresspresso.«

Verdiene! Termine! Fünf-Minuten-Terrine!

Und er holt weiter aus. »Wir führten Befragungen durch, um den Kunden das zu bieten, was wir wollen. Dabei war Zeit stets erwähnter Mangelfaktor. Es muss nicht nur schnell gehen, sondern sofort. Tee wird nicht mehr lose aufgebrüht, sondern mit Kapselmaschinen wie Special.T und Teelounge zubereitet. Gleiches gilt für Kaffee: Kapseln, Pads, Instantpulver. Im Einzelhandel vergrößert sich jährlich die Abteilung für Gerichte, die nur noch heißes Wasser benötigen: Instant-Nudelsuppen, Instant-Kartoffelpürree oder die Fünf-Minuten-Terrine. Also takten wir nach den Fakten – der Mensch von heute will nicht nur in fünf Minuten gegessen haben, sondern gekocht, gegessen und gespült haben.«

»Unsere Kunden schätzen die Zeitersparnis bei der Zubereitung ihrer Nahrung. Jeder schätzt den Cheeseburger zwischendurch, den Snack an der Tanke, den Riegel aus dem Automaten. Warum? Weil es bequem, lecker und sofort ist. Warum all das also nicht heimelig, heiß und vor allem zuhause machen? Fresspresso ist jederzeit, für jedermann.«

Wahrer könnte das nicht sein. Die Fahrt zur Arbeit, die Arbeit selbst, Heimreise, sich um die Familie kümmern, Termine einhalten, Erledigungen, Termine, Haushalt, zwei Stunden in den Sozialnetzwerken, drei Stunden Videospiele und vier Stunden Netflix. Da kann man kaum noch eine weitere Stunde für die Zubereitung und Zuführung von Nährstoffen in Form richtiger Nahrung opfern.

Heiß wird der Preis – versteckt mit Lock-In-Effekt?

Wir fragen nach dem Preis und sprechen den Lock-in-Effekt an. Jene Konsequenz, die Kunden nach Kauf zwingt, der Firma angetan zu bleiben. Zu sehen bei Herstellern von Druckern und Patronen, Rasierern und Klingen oder beim Konvertieren zum Glauben Apple – nach der Erstanschaffung ist man aus Kompatibilitätsgründen genötigt, die finanzielle Treue zu schwören.

Das will Stopfhanserer nicht kommentieren und verweist darauf, dass der Fresspresso einzigartig ist. Im Entwicklerteam ist man sich sicher, einen wunden Punkt im Leben getroffen zu haben und diesen zu versorgen. »Wir sind im Segment der Portionskaffeesysteme marktführend. Es war unser erster Clou. Nach der flüssigen Nummer eins kommt jetzt Nummer zwei – ein ganz großes Geschäft, das die ganze Schüssel füllt«, ist sich Stopfhanserer sicher.

»Preislich wird eine Fresspresso geringfügig teurer sein als handelsübliche für Kapseln und Pads, also knapp unter eintausend Euro«, verrät Stopfhanserer. »Geschuldet ist der höhere Preis der aufwendigeren Mechanik und generell größeren Maschine.« Als Vergleich: Kapselmaschinen wie Dolce Gusto, Tassimo und Lavazza gibt es für knapp einhundert Euro.«

Eine Portionskapsel kostet 4,99 Euro, mit einem Einführungs- und Vorstellungspreis von 2,99 Euro, beim Kauf der ersten Maschine ist eine Packung mit acht unterschiedlichen Gerichten dabei. Diese enthält die Käsespätzle, einen Schweinsbraten mit Knödel, Rindsrouladen, Königsberger Klopse, Zwiebelrostbraten, Maultaschen, Pfannkuchen mit Apfelmus und ein Döner Kebap.

Die Chancen stehen für den Entwickler gut, bald schwarze Zahlen zu schreiben. Bereits die Vermarktung des schwarzen Goldes in Kapseln erwies sich als finanzielle goldene Dusche. Und das von Stopfhanserer angepriesene große Geschäft wird anlaufen, sobald es im Mund des Kunden dankbaren Boden gefunden hat.

Bildquellen

Das Cover:
Eigenkreation, mit Ausnahme der darin vorkommenden Bilder, die mit Microsoft Copilot / DALL-E 3 erstellt wurden. Das Bild mit der Kapsel wurde minimal abgeändert – die Bohnen und ein Rechtschreibfehler wurden entfernt (der Copilot schrieb ein »s« zu viel).

Die Kaffeemaschine:
Urheber: Nada Bastawi, Pexels

Die anderen Bilder:
Erschaffen mit Microsoft Copilot / DALL-E 3