Bewirken wollte ich das Gegenteil, doch ging die Oma richtig steil

Ich schwöre beim abgewutzelten Radiergummi meiner Vorfahren: Es war nicht meine Intention, dass die Situation so dermaßen eskaliert. Und ich würde unter Schwur aussagen, dass ich sanft war, als ich bei der Oma von hinten kam und ihn reingedrückt habe. Hm? Wie bitte? War das eine Frage da hinten von dem Fettsack mit dem grünen Shirt? Aber ja, freilich hat die ältere Dame nicht gedacht, dass es so heftig und laut ausfallen würde. Was für eine Frage. Ich selbst ja auch nicht!

Aber als ich im Stadtverkehr diese ältere Dame vor mir auf dem Fahrrad sah und gute hundert Meter weiter eine Verkehrsinsel, da war ich mir sicher: Nein, Alexander, du bist ein designierter Fahrer. Ein Überholmanöver ist hier zu riskant, die ein-ein-halb Meter benötigter Sicherheitsabstand wären hier bestenfalls im Minusbereich, nach Abzug meines Spiegels. Und schließlich willst du weder diese Dame, noch weniger deinen Autolack gefährden. Selbst dann nicht, wenn beides schon die besten Jahre hinter sich hat. Also verblieb ich ihm zweiten Gang, ehe meine unterhubraumisierte Möhre etwas zu stottern anfing und ich mich mehr oder weniger gezwungen sah, in den ersten Gang zu schalten.

Und wie hallen die Worte meines Fahrlehres noch immer in meinem Geiste, bezüglich des ersten Ganges?

Erst beim Halten schalten.

Tja. Das ist wohl lange her. Und das Fahrschulauto hatte auch mehr Hubraum als das gefühlte Schnapsglas meiner Gurke.

Wohl habe ich bei diesem Vorgang den Herrn Getriebe gerade gestört, da es sich anfühlte, als hätte ich bei einhundert Stundenkilometern gerade den Rückwärtsgang reingetrümmert. Ein Geräusch vergewaltigter, knirschender Zahnräder erklang, welches nicht nur mir selbst durch Mark und Bein ging, sondern ebenso der betagten Dame vor mir mächtigst durchs staubige Osteoporosen-Gerippe rumpelte. Zumindest sah es danach aus. Hat sie mit ihrem Rad doch einen Satz und Sprung gemacht, als wollte sie mit einem Bunnyhop die komplette Verkehrsinsel samt dem entgegenkommenden Jeep überspringen. Vom Momentum hätte es zumindest ausgereicht. Sogar noch für einen Doppelsalto.

Wie dem auch sei, da versucht man einmal, Vorsicht walten zu lassen und schon zerlegt’s fast jemanden. Zumindest wird sie das nächste Mal gleich den Radweg benutzen und nicht mit gefühlten vier Stundenzentimetern durch die Gegend eiern.

Hat der Lastkraftwagenfahrer hinter mir doch auch durch eine kaum bemerkbare Minimierung des Sicherheitsabstandes mir zu verstehen gegeben, dass es ihm a bissale pressiert. Das heißt es hätte ein Lastwagen sein können, da im Rückspiegel nur ein riesiger Grill zu sehen war, der von einer gut justierten, sogar heftig aufflackernden Fernlichtanlage beflankt wurde. Imposant. Dies hat sich nicht verändert, bis man endlich die Landstraße erreichte, wo er sich mit einer erfreuten Ein-Finger-Gestikulation und noch frivolerem Hupen schließlich dazu entschloss, trotz Gegenverkehr, Kurve und schlechter Sicht zu überholen.

Ehrlich gesagt empfinde ich die Variante ohne Überholen besser. Ich mein, richtig hart und laut von hinten kommen ist dann doch die bessere Wahl.

Zumindest für mich.

Und es war ihm wohl so blunsn wie die Haare seiner Grunsn

Vorab und für welche, die nicht damit verdammt sind, im niedersten niedrigen Niederbayern zu wohnen und keinen Wortschatz wie ein Rottweiler besitzen: „etwas blunsn sein“ bedeutet „egal sein“ und „Grunsn“ ist die „crena ani / Ritze“. Aber keine Sorge, der Post geht diesbezüglich nicht weiter ins Detail. Dafür sinkt das Humorniveau in die nächste tiefe Spalte.

Also auch ein ganz kleines bissale pfui und sich auf der Rangliste der Bähigkeit knapp über dem Nasenborher platzierend, der sich an der Ampel mit seinem Finger im Löschhorn auf archaeologische Tiefengrabung begab und sein glibbriges Fundstück nach sekundenlanger Inspizierung wieder seinem Organismus auf dem oralen Wege zugeführt hatte, dürfte der Kassierer sein, den ich letztens hatte und bestaunen durfte.

Ich mein, während er darauf wartet, dass die dämliche Omakuh ihre 41 Taler kreuzerweise aus ihrem zerfetzten Portemonnaie der frühen 1820er Jahre sucht und auf den Tisch legt, bemerkt er abtasend mit der Zunge, dass das gepfefferte Saurierschnitzel von heute mittag noch zu knappen 74 Prozent in den Zwischenräumen der bezahnten Futterluke hängt.

Was er mit seiner Zunge begann, konnte er nicht mit derselbigen zu Ende führen. Daher versuchte er dann eben mit den Fingern nachzuhelfen. Es wird gehebelt, hantiert und gestochert, ehe er auch wirklich ein Ministückchen Fleisch zu Tage befördert. Welches er zuerst überlegend ansieht, um es dann zu verspeisen.

Pfui gack nein, welch ein Schwein. *grunz* Und das ist der Moment, wo es einem vor Ekel ruhig mal schütteln darf.

Natürlich, ja, es ist freilich jedem seine Sache. Jeder macht das. Und wer sagt das nicht, der lügt. Aber während in diesem gut besuchten Geschäft inkludierend mich selbst an der Kasse sechs Leute warten, bis die 170jährige ihr Geld abgezählt hat, ist bestimmt nicht der Augenblick, in welchem man so etwas machen kann.

Garantiert, dem wenn im Kino in der ersten Reihe die haarige Arschgrunsn zu jucken beginnt, steht er bestimmt auch auf und kratzt sich ganz ungeniert, bis die Schuppen dem Nebenmann in die Haare fliegen. *schrubb-schrubb-schrubb*