Als plötzlich sich erhob der Fuße, in die Klöten wuchtig zart zum Gruße

Wahrlich, es gibt vereinzelt Situationen im Leben, da kommt man mit Sachen davon, für die man unter minimalst unterscheidenden Umständen gelyncht, gevierteilt, noch einmal gevierteilt und danach noch richtig erschlagen werden würde. Und zwar auf der Stelle.

Nun, folgende Situation: Im zum Zeitpunkt des Geschehens ausgeführten Beruf von mir hatte ich unter anderem mit dem Transport und Umlagerung von Patienten zu tun. Sprich Patientenumlagerung von Bett auf Stuhl, von Stuhl auf Trage, von Stuhl auf Behandlungsstuhl und so weiter, was es eben für Kombinationen gibt.

Wie man es sich denken kann, und wie man es bereits von der nicht unerheblichen Vielfalt der Menschheit kennt, hat man es natürlich nicht immer mit vierzig Kilogramm leichten Patienten zu tun, sondern auch mal mit etwas heftigereren Individuen der etwas höher gelegenen, elitären Wammerl-Klasse, die über Jahrzehnte gereift ist und auch entsprechend wohlgefüttert wurde.

Aus diesem Grund ist man als Umlagerer immer darauf erpicht, eine einigermaßen gesunde Körperhaltung dabei zu wahren, da man diese Arbeit ansonsten nicht sehr viel länger als eine Woche machen würde. Sprich beim Hochheben hebt man aus den Beinen, nicht aus dem Rücken, man kniet sich ab, anstatt sich zu bücken und achtet auf möglichst gerade Rückenhaltung. Schließlich möchte man nicht mit seiner plötzlich sich verabschiedenden Bandscheibe den Hintermann über den Haufen und das Dach durchschießen.

Virabhadrasana III, aka Warrior Pose III.
Hier ein Beispiel, wie es aussehen kann. KANN.

Oft, wenn es für mich nötig war, zu bücken, um beispielsweise am Stuhl des Tragestuhls die Fußstütze auszufahren, habe ich mich zwar gebückt, als „Gegengewicht“ aber einen Fuß nach hinten ausgestreckt. Sieht bei meiner zarten Figur zwar unter Umständen etwas befremdend aus, hat aber zum Vorteil, dass der ganze Rücken bis zum Bein eine gerade Linie bildet und der untere Rücken erheblich, wenn nicht gänzlich entlastet wird. Ein Bein bleibt freilich am Boden und bildet den Standfuß, wie man es in diesem Bild gut erkennen kann. Für die, die es genau wissen wollen: Das entspricht alles im Ungefähren der Warrior 3 / Virabhadrasana 3– Haltung, die es beim Yoga gibt. Insofern es das leberkäsfressende Menschenvolk interessieren sollte.

An diesem Tag war unter anderem ein Transport eines Patienten von einer gesundheitsfördernden Einrichtung zu seinem Zuhause vorgesehen. Nun, alles wie gehabt, man holt den Patienten ab, lädt ihn in das Fahrzeug ein, fährt zum Zielort und lädt ihn wieder aus. Täglich Brot eben. Im Tragestuhl sitzend, war sein Zuhause nur etwas eng und wir hatten Mühe, uns samt Patient und dessen bereits anwesendem Angehörigen in dem kleinen Zimmer zurecht zu finden. Weiterhin hatten wir bereits einen Folgeauftrag, womit Zeit nicht gerade in passablen Mengen vorhanden war. Dennoch: An der Qualität der geleisteten Arbeit soll es natürlich nicht mangeln.

Dann kam der finale Moment: Ich sehe, dass wir zuerst die Fußstütze unten am Tragestuhl einfahren müssen. Ein kurzer Handgriff. Schnell will ich mich bücken, um das zu korrigieren, strecke auch meinen rechten Fuß nach hinten aus, um meinen Rücken zu entlasten. Da die ganze Magie quasi bei der Hüfte ansetzt, geht mein ausbalancierender Fuß wie bei einem nach hinten ausschlagenden Pferd nach oben, während der Torso samt Händen nach unten geht. Und je schneller ich vorne nach unten greife, desto schneller geht das Hintere nach oben.

Genau so. Nur mit bisschen mehr Aua im Gepäck.

Mit viel Schwung greife ich also nach unten und bemerke, dass ich soeben dem Angehörigen mit meiner Fußhacke voll frivolem Elan ungebremst und in bester Hau-den-Lukas-Manier in die Kronjuwelen gezimmert habe.

Und nein, ich beschreibe hier nichts durch die Blume. Das war ein satter Volltreffer, und elitärer Nußknacker der Sorte redux extra WUMMS. Nicht gerade zart gestreichelt, sanft touchiert oder gerade noch gestreift. Nein. Voll. In. Die. Klöten.

Erstaunlicherweise hörte ich keinen Schrei wie von Tom aus Tom und Jerry. Auch fiel er nicht bewusstlos um. Eigentlich, ja eigentlich tat er gar nichts.

Noch heute rätsle ich, warum. Entweder hatte der sprichwörtliche Balls of Steel oder auch gar nichts mehr unten rum. Oder er trug grundsätzlich einen Tiefschutz der Klasse 3. Vielleicht war er es aber auch schon gewohnt, dass er da unten rum regelmäßig etwas härter massiert wird. Dennoch. Sollte ich jemals dem Erschaffer oder wem auch immer begegnen und hätte ich eine Frage zur Beantwortung frei, wüsste ich schon eine.

Bildquellen:

Das Yogabild mit Virabhadrasana III:
https://en.wikipedia.org/wiki/File:Tuladandasana.jpg
By Drchirag patel (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Der Nussknacker:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nut_cracker_-_F%C4%B1nd%C4%B1kk%C4%B1ran.jpg
By Zeynel Cebeci (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Und für jedes Wort, das kam zu schnelle, landete sicher die Maulschelle

Ah, Berufsschule! Berufsschule heißt Schule, und Schule heißt für mich seit der siebten Klasse, als mein unglaublich verfressenes Mundwerk so richtig lose wurde und außer dem Verlangen, stets Futter in die Luke geschoben zu bekommen, auch hier und da zur Abwechslung mal verbal Brauchbares produzierte: Innerer Clown hat Level 2: Klassenclown erreicht!

Unser Lehrer kam gerade etwas verspätet in den Unterricht und erklärte, er hätte noch etwas erledigen müssen. Irgendwelche Sachen bezüglich anstehendem Informationstag mussten noch besprochen und ausgedruckt werden, ebenso musste alles passend verteilt und im ganzen Schulhaus gut sichtbar aufgehängt werden.

Jedoch hatte es unsere Lehrkraft fatalerweise versäumt, es mit einer eindeutigen Formulierung anzugehen. Ich hingegen hatte es umso mehr nicht versäumt, eine solche Schwachstelle im Sturm anzugreifen. Immer griffbereit: Meine unglaublich treffsichere Lanze der Schwarzrhetorik. Wie ein stehendes Heer nur darauf wartend, sich auf einen Satzbaufehler, eine laue Formulierung oder Dergleichen zu stürzen und in die Weichteile stechen. Besonders dann, wenn sich eine Zwei- oder Dreideutigkeit oder Steilvorlage gibt.

Da heißt es nur noch: Marsch Marsch! 😀

Lehrer: „Ja, und die ganze Sache mit dem Aushang und dem Banner muss ich mit meinem Kollegen noch einmal abklären. Dann werden wir es angehen und ihn endlich aufhängen.“

Ich: „Wen aufhängen, den Kollegen?“

Ein Moment der Stille.

Dann die Erkenntnis: Alexander startled the Inevitability.

Und das Steinchen das trollt, wird zu einer Lawine, die rollt.

Nun, unglücklicherweise war das noch ein Lehrer der alten Schule. Sehr alten Schule. Quasi so alt, dass es noch nicht einmal ein Wort für diese Einrichtung gab. Somit spreche hier nicht von „alt“ wie „Ich bin eine betagte Lehrkraft, ich habe noch ein halbes Jahr zur Pension und dann folgt nach nie getaner Arbeit der gar noch gemütlichere Teil des Lebens“, sondern alt wie in „Wir wurden im frühen 18ten Jahrhundert geboren und mit Prügelstrafe aufgezogen, also geben wir das auch in bester Panzerhandschuhmanier und knirschender Kinnhakenmentalität weiter.

„Pretsch!“, rief er, kam auf mich zu und wollte mir eine Elitäre fotzen und meine Wenigkeit nach richtig alter Tradition komplett durchbackpfeifen. Damals wie heute leider nicht in Künste von Muay Thai oder eines Kame-hame-ha eingewiesen, endete es in einem kinoverdächtigen Rumgefuchtel in Gesichtshöhe, ehe meine Brille in hohem Bogen zwei Bänke weiterflog.

Lehrkraft uses Backpfeife!

Sehhilfe faints and flies away!

It’s super effective!

😀