Weil erst mit selbstgestrickten Socken Badelatschen richtig rocken

Meinetwegen kann ja jeder anziehen, was er will. Oder ausziehen, was er will. Ist mir relativ wurst. Aber wenn man so manche elitäre Level-55-Grattler umherstreifen sieht, möchte man sofort mit „Fremdschämen 400“ weitermachen, die Frage „Ooooida, wie fertig kann man sein?“ fragen und die Sittenpolizei holen.

Denn ja. Manchmal tut es wahrlich so weh, dass es dem guten Geschmack höchstpersönlich die Hornhautverkrümmung wegdampft.

Freilich ist es unangenehm, ein paar Pfunde, Röllchen oder ganze Kanister an, in und um die Bauchgegend zu viel zu haben. Ihr kennt das. Ich kenne das. Jeder kennt das. Aber deshalb gibt’s auch Kleidung in meiner Größe. Oder Maßnahmen, die man ergreifen kann. Und wenns auch nur ein einfacher Leinensack vom Kartoffellager, Mutters Vorhänge oder auch der Bequemlichkeit halber die zugeschissene Bettwäsche vom Nachbarn ist, die er eigentlich in die Müllverbrennungsanlage fahren wollte. Doch spätestens dann, wenn dem Herrn der Schöpfung so a fünf Zentimeter langes Wampenschwarterl beim Gehen rausploppt und dann lustig hin- und herbaumelt, weil das M-Shirt doch überraschenderweise zu klein war und nur knapp bis über den Bauchnabel gereicht hat, sollte man etwas ändern.

Und nein, diese Veränderung geht nicht unbedingt damit vonstatten, indem ich meinen Einkaufskorb mit Cola, Bier, Fertigprodukten und Süßigkeiten vollade. Und wenn man bemerkt, dass man unter dem Bauch einen weiteren Bauch besitzt (wie heißt das Ding eigentlich, Zweitwampe, Unterbauch, Backup-Darmlader, Reservebaumler, Erstbauchhalter?) sollte man es ament vermeiden, erstens gestreifte und zweitens hautenge Kleidung zu tragen.

Ehrlich gesagt dachte ich schon, ich würde diesen Post niemals vollenden können. Erstens fehlte eine richtige Tagline und zweitens das i-Tüpfelchen, welches diesem Post die Würze senkrecht durch die Decke flakken würde. Doch, man lobe die Kausalität der Grausalität, die wie ein Fluch die Krallen in mich geschlagen hat und nicht mehr loslässt.

Und ich würde mich auch bis heute nicht als Sittenpolizist bezeichnen oder als jemanden, der eine andere Person nach dem Äußeren beurteilt. Wirklich nicht. Aber wenn ich wie heute jemandem im Kino sehe, der selbstgestrickte quietschbunte Socken und dazu ausgeleierte Badelatschen trägt, DANN BRENNT MIR HIER DER WIRSING GLEICH AUF HALBMAST, VERDAMMTE KACKE.

Warum die Menschheit trotz des Mammuts Eberhard, sich immer noch sehr fleißig paart

„Natural Brain Power“ las ich heute auf so einem kleinen Giftbehälter bei der Quengelware, der sich als „Shot“ für die Dummen tarnt und wohl ein konzentrierter Energydrink sein soll.

Ja, natürliche Gehirnkraft also.

Und zwar so natürlich, dass schon die Neandertaler vor einhunderttausend Jahren die Wirkung davon zu schätzen wussten, als sie die quietschfarbenen Plastikfläschchen mit bunten Lettern vom Strauch ernteten. Unvorstellbar, hätten die zum Beispiel nur Wasser zum Trinken gehabt! Ich mein, die mussten damals ja doch ziemlich fit sein, wenn der böse Obermammut Eberhard saftig um die Ecke trötete und erlegt werden wollte.

Somit sind diese Shots genau das, was auch unsere pseudo- und schokocrossfitte Schreibtischdauersitzergesellschaft braucht.

Ganz ehrlich, man frage sich selbst, wie sollte man sonst über den Tag kommen? Nach zwei gesüßten Milchkaffees, einem Schokocrossaint und zwei Marmeladebroten zum Frühstück, zwei Butterbrezn, einer warmen Leberkässemmel samt Spezi zur Brotzeit, einer XXL-Currywurst mit Pommes und einem Liter Limo zum Mittag uuund nach insgesamt acht Stunden Bürositzerei braucht man dann doch nach Feierabend einen kleinen Energieschub, um sich ins Auto nach Hause (500 Meter weiter) und anschließend auf die Couch hieven zu können.

Gut, dass Mutter Natur uns mit solchen natürlichen Shots gesegnet hat. Aus wäre es, wenn nicht! Da würde uns der Obermammut Eberhard heute noch derbe mit seinen Stoßzähnen rüsseln. (Ja, natürlich von hinten, weil wir ja am Davonlaufen waren.)