Kommen 2027 die 84-Stunden-Woche und die Rente mit 76?

Von wegen 48-Stunden-Woche! Wenn es nach neuen Plänen der Bundesregierung geht, kommt ab 2027 verpflichtend für alle eine 84-Stunden-Woche und die Rente ab 76. (1200 Wörter, 5 Minuten, 0 KI-Inhalte)

Inhaltsverzeichnis

Zumindest überwunden: 48 Stunden
Nur ein Versehen beim Zahlendrehen
Keine Extravaganz oder Work-Life-Balance
Keine Nöte, keine Sorgen, nur zur Arbeit jeden Morgen
Debattiert und hitzig: Rente mit 76
Bildquellen
Bearbeitungshistorie
Fußnoten

Zumindest überwunden: 48 Stunden

Der Schock sitzt noch immer tief. Erst im Januar verwies der Bundeskanzler beim Neujahrsempfang auf eine Reform des Arbeitszeitgesetzes hin. Momentan herrscht eine tägliche Höchstgrenze von acht Stunden. Das aber schien der Politik ein Dorn im Auge; deshalb sollte die wöchentliche Obergrenze auf 48 Stunden angehoben werden.1 Das solle mehr Flexibilität und wirtschaftliche Impulse schaffen.

Mit dieser Idee löste der Bundeskanzler massive Kritik aus – insbesondere von Gewerkschaften, politischen Gegner und der arbeitenden Bevölkerung, die diese 48 Stunden auch reell arbeiten müssen.

In einer erst wenige Stunden zurückliegenden Rede ruderte der Bundeskanzler nun ganz zurück. Denn eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden (umgerechnet auf sechs Arbeitstage mit je acht Arbeitsstunden) sei natürlich weder rechenbar, noch umsetzbar und machbar. Das gab sogar der Bundeskanzler zu. Doch es kommt nicht besser. Und das Zurückrudern geschah nur, um erneut und stärker auszuholen. Denn:

Nur ein Versehen beim Zahlendrehen

»Das war alles nur ein Versehen beim Zahlendrehen«, heißt die offizielle Begründung. Denn ein technischer Fehler bei einer Kalkulation führte dazu, dass die Zahl verdreht wurde. Gemeint waren nämlich nicht 48 Stunden, sondern 84 Stunden.

»Das mag sich erst einmal viel anhören«, betonte der Bundeskanzler. »Aber das wird natürlich aufgeteilt auf sieben Tage.«

Noch bevor der Zuhörersaal aufbegehren wollte, gab es erklärende Worte. »Nur so können wir dieses beste Deutschland aller Zeiten zum allerbesten Deutschland aller Zeiten machen. Zur Zeit der Industrialisierung2 arbeiteten die Menschen auch an sechs Tagen in der Woche, oftmals 60 bis 80 Stunden die Woche und bis zu vierzehn Stunden täglich.«

»Indem zukünftig auch der Sonntag zum Arbeitstag wird, setzen wir uns für die arbeitende Schicht ein. Schließlich werden die 84 Stunden auf nicht sechs, sondern sieben Tage aufgeteilt. 84 Stunden in der Woche sind nur zwölf Stunden am Tag. Und das sind fast zwei Stunden weniger als in der Hochzeit der Industrialisierung. Mehr können wir nun wirklich nicht für die arbeitende Schicht tun.«

»Eine Stunde mehr Arbeit ist nicht zu viel verlangt«, zitierte der Bundeskanzler den bayerischen Ministerpräsidenten3. Weiter sagte er: »Wenn eine Stunde nicht zu viel verlangt ist, dann ist auch ein Tag an Mehrarbeit nicht zu viel verlangt.«

»Man betrachte nur unseren Handelspartner China. Dort arbeiten die Menschen emsig wie die Bienen. Oftmals auch achtzehn Tage am Stück, und mehr als zwölf Stunden pro Tag, um etwa das begehrte iPhone herzustellen. Man mag mit den Foxconn-Selbstmordserie4 argumentieren, wo sich Mitarbeiter vor Überarbeitung aus dem Fenster der Firma stürzten oder sich auf der Toilette erhängten.

»Viele mögen hier mit gesundheitlichen Aspekten wie Überarbeitung, Burn-out und dergleichen kommen. Unser Gesundheitssystem ist aber eines der besten in der ganzen EU, wenn nicht sogar auf der ganzen Welt. Im Kontrast dazu belegen wir auf der Rangliste geleisteter Stunden Platz 129.5 Noch in den 1950er Jahren arbeiteten wir 2.427 Stunden, mittlerweile sind es über 1.000 Stunden weniger.6 So kann und darf das nicht weitergehen.«

»Daher sind selbst gesundheitliche Risiken der Beschäftigen ein Risiko, welches die Regierung durchaus gewillt ist, einzugehen.7 Unser Land fußt auf dem Durchhaltewillen des Arbeiters. Und ob nun 48 oder 84 Stunden – ein starkes Land braucht eine starke Wirtschaft, um in der Welt bestehen zu können.«

Das heißt mit anderen Worten auch:

Keine Extravaganz oder Work-Life-Balance

Im weiteren Zug wird die Bundesregierung Teilzeitkräfte dazu verpflichten, grundsätzlich nur noch Vollzeit zu arbeiten. Viele würden ihre Lebenszeit mit allem anderen als Arbeit verplempern und dem Staat, und somit allen ehrlichen Bürgern auf der Tasche liegen. Sogenannte Work-Life-Balance, mit Schwerpunkt aufs Nichtstun und ewiger Burnout-Argumentation8.

Ursprünglich wollte man Härtefälle davon ausnehmen und Arbeit in Teilzeit ermöglichen. »Mit einer Vier-Tage-Woche und Fokus auf Work-Life-Balance wird unser Wohlstand nicht zu halten sein. Verkommen sind wir, zu einem nichtsschaffenden Schlaraffenland und Paradies für Tagelöhner, Taugenichtse, Trunkenbolde und Tagediebe«, lautet die zentrale Aussage.

»Denn das beste Deutschland aller Zeiten hat Verpflichtungen der Welt gegenüber9. Projekte10 müssen bezahlt werden. Die EU und die NATO müssen aufrechterhalten werden. Finanzielle Pakete zur Rettung fremder Staatsfinanzen11 und Entwicklungshilfen zahlen sich nicht von alleine. Ebenso muss der Wohlstand all der Privilegierten in diesem Land12 und über die Grenzen hinaus geschultert werden. Und niemand hat breitere Schultern und mehr Schwielen an den Händen als der Deutsche.«

Mit einem gänzlichen Verbot der Teilzeit ab 2027 sollen auch fadenscheinige Ausreden wegfallen. »Ich muss meine krebskranke Mutter zu Hause pflegen« oder »Ich bin alleinerziehender Vater mit einem behinderten Kind, da meine Frau verstorben ist« sollen dann nicht mehr gelten.

Daher sei es eben notwendig, dass jeder Deutsche, der kein politisches Amt bekleidet, nicht mit einem Politiker, dessen Familie, Lobbyisten oder Millionär verwandt und älter als 14 Jahre ist, seinen arbeitenden Beitrag für andere leistet, bis er das Renteneintrittsalter erreicht hat. Dadurch sollen den Erwerbstätigen auch die Sorgen genommen werden. Dann gibt es nur noch:

Keine Nöte, keine Sorgen, nur zur Arbeit jeden Morgen

Wer arbeitet, erfüllt seinen Zweck in der Gesellschaft und hat weniger Sorgen. Denn wie es eine Politikerin schon 2019 recht passend formulierte13: »Was haben die denn für Sorgen und Nöte?«

»Keine, und bald keine mehr« lautet die Antwort, und das weiß auch die Politik. Sorgen und Nöte des kleinen Mannes seien hausgemacht und dem Nicht- und Zu-wenig-Arbeiten geschuldet. Zum 01. Januar 2027 soll die 84-Stunden-Woche eingeführt sein. Um den Bürgern die Umstellung auf zunehmende Mehrarbeit heranzuführen, hat der Bundestag ein Stufenmodell für die Arbeitenden erarbeitet.

Bereits im kommenden zweiten Quartal 2026 geschieht die pflichtmäßige Aufstockung aller Arbeitsverträge auf exakt 39,0 Wochenstunden. Während es den bisherigen 38,5-Stunden-Kräften leichter fallen wird, eine zusätzliche halbe Stunde zu arbeiten, werden vor allem Beschäftigte in der von der IG Metall vertretenen Metall- und Elektroindustrie aufstocken; die arbeiten derzeit noch nach Tarifverträgen, die in den meisten Fällen eine 35-Stunden-Woche vorsehen. Auch andere Tarifverträge, seien es die von IG Metall oder IG BCE, verlieren damit ihre Gültigkeit.

Am härtesten dürfte es die Beschäftigten in Teilzeit treffen, die nur 20 oder 30 Stunden ihrer Tätigkeit nachgehen. »Von Arbeiten kann da überhaupt keine Rede mehr sein«, postete dazu ein Minister auf einer sozialen Plattform. »Die lungern doch mehr rum, als dass sie arbeiten. Wenn ich nach einer von Steuern finanzierten Dienstreise mit meiner Familie von meinem Chauffeur ins Amt zurückgefahren werde und das von meinem Küchenteam zubereitete Essen zu mir genommen habe, habe ich schließlich auch noch Energie, Telefonate zu führen, oder meinem Assistenten und Redenschreibern Anweisungen zu geben.«

Bis zum Jahresende wird es eine Eingewöhnungsphase an das 84-Stunden-Modell geben. »Beginnend mit fünf zusätzlichen Stunden im Juli, sechs weiteren Stunden im August, sieben Plusstunden im September und so weiter, bis im Dezember schließlich noch einmal zehn Stunden dazukommen. Damit wird gewährleistet, dass sich kein Beschäftigter zu rasch überarbeitet.«

Woher diese plötzliche Rücksicht kommt, erklärt die Regierung mit einem weiteren, wie es scheint, kleinen Zahlendreher:

Debattiert und hitzig: Rente mit 76

Nicht nur werden die Arbeitsstunden erhöht, sondern auch das Renteneintrittsalter hochgestuft. »Das mag für viele jetzt überraschend kommen«, leitete der Bundeskanzler diesen Punkt ein. »Aber wie ich es schon öfters gesagt habe – wir müssen mehr arbeiten, und dürfen uns nicht auf unserem Vollzeit-Arbeitsmodell mit 84 Wochenstunden ausruhen. Wir werden das Renteneintrittsalter von 67 auf 76 erhöhen. Diese neun Jahre mehr sind noch nicht einmal ein Jahrzehnt, und das sollte man einem Deutschen durchaus zumuten können. Das wird der Wirtschaft einen Superimpuls geben!«

Zur Erhöhung um neun Jahre gab es keine weiteren Erklärungen. Es ist aber klar, dass bald ein harter Arbeitswind in Deutschland herrschen wird. Bereits in den nächsten Tagen werden viele Post von der Rentenversicherung bekommen. Der Inhalt: Deutlich nach oben korrigierte Rentenbescheide.

Somit haben alle Beschäftigten noch diesen Monat Zeit, sich mental auf den Rest ihres Arbeitslebens vorzubereiten. Spätestens ab April, wenn bereits jeder wöchentlich 39,0 Stunden arbeitet und 5 Stunden dazukommen, wird der Deutsche aber seine Motivation und seinen Eifer für die Arbeit wiederfinden.

Bildquellen

Bearbeitungshistorie

Sonntag, 08. März 2026: Artikel online gestellt.

Fußnoten

  1. https://duckduckgo.com/?q=48h+woche+merz&ia=web ↩︎
  2. https://www.betriebsrat.de/news/arbeitszeit/samstags-gehoert-vati-mir-zur-historischen-entwicklung-der-arbeitszeit-20046 ↩︎
  3. https://duckduckgo.com/?q=s%C3%B6der+eine+stunde+mehrarbeit&ia=web ↩︎
  4. https://en.wikipedia.org/wiki/Foxconn_suicides ↩︎
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Arbeitszeit#Rangliste ↩︎
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Arbeitszeit#Historische_Entwicklung_(1950%E2%80%932010) ↩︎
  7. https://www.youtube.com/results?search_query=shrek+2001+sacrifice+i%27m+willing+to+make ↩︎
  8. https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/burnout-2025-deutschland-am-limit/68364411 ↩︎
  9. https://www.focus.de/finanzen/steuern/finanzhilfen-fuer-indien-peru-co-die-milliarden-liste-lesen-sie-in-welche-winkel-der-welt-steuergeld-fliesst_id_259654766.html ↩︎
  10. https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/so-viel-geld-zahlt-deutschland-ans-ausland-faktenfuchs,U25zoQf ↩︎
  11. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/rettungspakete-101.html ↩︎
  12. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_reichsten_Deutschen_(Manager_Magazin) ↩︎
  13. https://www.youtube.com/results?search_query=Was+haben+die+denn+f%C3%BCr+Sorgen+und+N%C3%B6te%3F ↩︎