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Inhaltsverzeichnis
Das Aus der Forever Mouse?
Kunden finden, binden und auswinden
Es wird gescrollt, solange der Rubel rollt
Newsquellen
Bildquellen
Das Aus der Forever Mouse?
Die Forever Mouse; das Konzept einer Computermaus, die besser verarbeitet ist und länger halten soll – dafür aber ein kostenpflichtiges Abo benötigt, um verwendet werden zu können und Updates zu erhalten. Was Logitech stolz als große Errungenschaft anpries, wurde von Nutzern nicht gut aufgenommen.

Verständlich; eine Computermaus hält im Normalbetrieb ohnehin unzählige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Updates sind nicht notwendig, es sei denn, der Hersteller will das Mausrad neu erfinden.
Also ruderte man bei Logitech wieder zurück, war wohl um Schadenseindämmung und Imageerhaltung bemüht. Die Forever Mouse würde nicht kommen, hieß es urplötzlich. Sie sei kein wirkliches Produkt, sondern hätte nur einen Einblick in interne Überlegungen zukünftiger, nachhaltiger Möglichkeiten gewährt.
Abwegig oder gar dystopisch-futuristisch ist so eine Herangehensweise hingegen nicht. Nutzer von Hard- und Software erst das Produkt gänzlich bezahlen zu lassen und dann ein Monats-Abonnement einzuführen und für die Freischaltung rudimentärer, bereits vorhandener Features extra bezahlen zu lassen, ist bereits gang und gäbe.
Ein brandneuer BMW, bei dem die Sitzheizung 17 Euro, ein beheiztes Lenkrad 9 Euro im Monat kostet? Bereits Realität. HP stellte das Drucken bereits auf ein monatliches Abo um – und lässt zahlen, selbst wenn man nicht druckt. Die Software-Suite von Photoshop und Illustrator von Adobe ist nur noch mittels Adobe Creative Cloud verfügbar und somit kontrollierbar. World Of Warcraft ist bis zu Level 20 spielbar, danach müssen Pakete gekauft werden. Monatspreis: 12,99 Euro. Namensänderung? 8 Euro. Fraktionswechsel? 25 Euro.
Nur einige Beispiele, die aufzeigen, was bereits umgesetzt ist. Und erst recht, was an Potenzial noch möglich ist auszuschöpfen, um den Kunden zu schröpfen.
Kunden finden, binden und auswinden
Die Forever Mouse kommt also nicht, und auch kein Monatsabo – das Konzept aber bleibt in Entwicklung. Bereits jetzt arbeitete man mehrere Reiter eines Abomodells aus, das die ganze Produktpalette von Logitech betrifft. Für 2026 plant man die schrittweise Einführung, wenn der erste Schock der Forever Mouse verflogen und vergessen ist. »Zu Beginn betrifft das Pflichtupgrade nur die Maus und die Tastatur der Peripherie. Später folgt dann die restliche Palette, Mikrofone, Kopfhörer, alles.«

Das Basispaket für rudimentäre Funktionalität kostet demnach 4,99 Euro im Monat. Es beinhaltet pro Tag 500 Klicks, 100 Zeilen Scrolling und 10.000 Tastaturanschläge. »Das sind ungefähre Standardwerte, mit denen man zweieinhalb kurze E-Mails verfassen, einen Kommentar auf Facebook schreiben, zehn Minuten im Internet surfen und den Rechner wieder herunterfahren kann.« Dabei wird angemerkt – der Zähler wird jeden Tag zurückgesetzt und beginnt, sobald das Gerät am Strom ist.
Weitere, preislich empfindlichere Pakete folgen – so ein Gamerpaket mit Fokus auf mehr Mausklicks für 11,99 Euro und eines für Vielschreiber und Autoren für 14,99 Euro, das sich auf mehr Tastaturanschläge im Allgemeinen konzentriert. Alles zusätzlich zum Basispaket. Wer nicht gewillt ist zu bezahlen, wird weder klicken noch eine Taste bewegen.
Einen Zähler, etwa softwareseitig, der vor einem zeitigen Verbrauch warnt, soll es nicht geben. Man wolle den Nutzer nicht mit zu viel Informationen von seinem Schaffen ablenken. »Der Nutzer bekommt dann einfach eine Infomeldung, dass beispielsweise die Anzahl der gescrollten Zeilen nun erreicht ist und die Funktion eingestellt ist. Dann hat man eben im Shop die Wahl, ob man 100 oder 1.000 scrollbare Zeilen oder gleich ein ganzes Paket erneut buchen möchte. Die folgenden Klicks und Eingaben im Store werden übrigens gezählt und müssen nachbezahlt werden.
Es wird gescrollt, solange der Rubel rollt
Bei den Klicks verhalte es sich ähnlich. Das Basispaket für erwähnte 4,99 Euro im Monat beinhaltet 15.000 Klicks (500 Klicks x 30 Tage), zusammengerechnet für alle Maustasten. Gemessen wurde das an einem gewöhnlichen Nutzer, der am Tag zirka fünfhundert Mal eine Maustaste betätigt. Gamer und Designer kommen hier rasch auf das gut Zehnfache. »Der Gamer muss hier nicht gleich das Sechsfache bezahlen, aber das Fünffache.«

Angelehnt an die kaufstarke Gamerszene und an viele Spiele, die mit ihren tief verankerten Mikrotransaktion-Systemen das bare Existenzminimum der CEO mit ihren Millionengehältern, Luxusautos und Yachten am Leben erhält, will man auch bei Logitech so etwas einführen. Im Logitech G Hub, der Software zur Verwaltung von Peripheriegeräten wie Maus, Tastatur und Mikrofon, kann man mit Käufen im Shop Logipoints hinzubuchen, die wiederum Rabatte ermöglichen.
»Bei den Tastaturen streben wir zwei Märkte an – ersten den der Gamer und zweitens den der Vielschreiber. Bei Gamern könnten wir uns vorstellen, den WASD– und ESDF-Block gegen eine Extragebühr für höheren Input freizuschalten.« Sprich wer die Spielfigur mit der Taste »W« (oder wahlweise mit »E«, für Menschen ohne massiver Beschränkung) länger als eine Minute geradeaus steuern will, dem wird das Gamerpaket für 11,99 Euro im Monat empfohlen. »Attraktive Rabattpunkte gibt es für den Kauf von Logitech-Produkten, etwa, weil nach einem verlorenen Match die Computermaus aus Versehen vom Tisch gerutscht und durch das Fenster geflogen ist.«

Finanziell härter trifft es da die Sparte von Autoren – diese benötigen das ganze Alphabet, um ihre Bücher zu schreiben, zigfach zu überarbeiten, ständig darüber auf Social Media zu posten und nie irgendetwas zu veröffentlichen. »Der Fairness halber den Gamern gegenüber sehen wir es als angemessen an, für die Nutzung der kompletten Tastatur das Autorenpaket für 17,99 Euro anzubieten. Das beinhaltet dann Anschläge für knappe 25.000 Wörter. Natürlich kann man das Paket auch ein zweites Mal buchen.«
Man betont bei Logitech, dass es sich hier noch um Spekulationen handelt und man sich sicher ist, sich sicher zu sein, dass man sich sicher ist, das sicher in naher Zukunft umzusetzen. Die Investoren wären bereits hellauf begeistert von dieser Idee.
Am Ende lässt sich nur schwer urteilen, wann – dafür leicht urteilen, ob Logitech das Vorhaben in zweiter Instanz nun wirklich um- und durchsetzt. In erster Linie sind für ein Unternehmen noch wichtiger als die Kunden selbst deren langfristige, dauerhafte finanzielle Bindung. Und gemessen an den anderen großen Spielern ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Logitech diesen Trumpf ausspielt und die Nutzer ausspielt.
Newsquellen
Golem: Logitech-Chefin kann sich Maus mit Abo vorstellen
t3n: Maus mit Abo: Was sich die Logitech-Chefin unter einer Forever-Mouse vorstellt
MSN: Logitech: Lebenslange PC-Maus als kostenpflichtiges Abo-Modell
The Verge: Logitech CEO Hanneke Faber wants your next mouse to last forever
PC Games N: Logitech wants to make a “forever mouse” that needs a subscription
Connect: Logitech plant »Forever Mouse« mit Abo-Modell
Dexerto: Logitech confirms subscription-based “forever mouse” isn’t happening following backlash
Bildquellen
Die Maus:
Urheber: Darkone, Wikimedia Commons
Lizenz: CC BY-SA 2.5
Die Tastatur:
Urheber: Simon, Pixabay
Der Taschenrechner:
Urheber: loufre, Pixabay
Die Tastatur mit WASD:
Urheber: Anthony Gideon, Pexels