
Das wird die Maßkrugschwinger oder die, die es werden wollen, sicherlich erfreuen und motivieren: Denn geht es nach einem Gericht in Rom, zählt Körperverletzung erst dann, wenn es mehr als zehn Schläge sind. Anknüpfen soll dieses 10-Schläge-Urteil an eine erst kürzlich gefallene Entscheidung des Gerichtes. Was war geschehen?
Ein Gericht in Italien urteilte einen Freispruch und war der Ansicht, dass sexuelle Belästigung länger als zehn Sekunden sein müsse, um auch als solche zu zählen. Im konkreten Fall aus 2022 griff ein Hausmeister einer Siebzehnjährigen von hinten in die Hose, berührte sie unsittlich. Es folgte ein Freispruch der Vorwürfe sexueller Belästigung. Die Begründung fußt auf der Aussage, der Übergriff habe nur »eine Handvoll Sekunden« gedauert und sei zwar »ungeschickt, aber frei von lüsternen Absichten« gewesen. Den Medien zufolge gab der Hausmeister weiterhin zu, nur »aus Spaß« gehandelt zu haben.
Auf diesem Gerichtsurteil baut man nun auf. In einem erst diese Woche geschehen Fall offensichtlicher Körperverletzung entschied man nun, dass Körperverletzung erst ab zehn Schlägen auch wirklich als Körperverletzung zählt und alles davor »ungeschickt, aber frei von gewaltbereiten Absichten« und lediglich als ein Herantasten zu definieren ist.
Im konkreten Fall eskalierte eine Auseinandersetzung in einem Wirtshaus, woraufhin ein Mann aus Rom seinem Kontrahenten einen Faustschlag ins Gesicht, zwei Leberhaken, drei Ellbogenschläge gegen die Schläfe und drei Tritte in den Rücken verpasste, als dieser bereits bewusstlos am Boden lag. Während der Angegriffene seit dem Angriff querschnittsgelähmt im Koma liegt, ist der Angreifer freigesprochen worden. Auch dieser plädierte darauf, »lediglich aus Spaß« gehandelt zu haben. Ebenso seine Kumpanen, von denen sich jeder sicher war, keinesfalls mehr als neun Fußtritte auf den am Boden Liegenden getätigt zu haben.
Das Maximum sind also neun Angriffe. Auf Nachfrage macht das Gericht auch klar: Bei einem Angriff wird nicht unterschieden, ob der Angriff durch die blanke Faust, einen Messerstich, einen Hieb durch eine Machete oder Schlagring geschieht.
Widerstand formt sich aber auch hier. Nicht nur in Italien, sondern der ganzen Welt war schon die Kritik an dem Urteil zu zehn Sekunden groß; unter dem Hashtag #10secondi (deutsch: zehn Sekunden) und #palpatebreve (deutsch: kurzes Begrapschen) filmten sich die Menschen auf TikTok und Instagram selbst, wie sie sich begrapschen.
Ob sich das Gericht in Rom von dem Widerstand angeleitet sieht, diese Urteile noch einmal zu überdenken, ist noch offen. Für alle Menschen aber, die sich ungeschickt, aber frei von gewaltbereiten Absichten mit Messer, Maßkrügen, Springmessern und Baseballschläger an andere herantasten wollen, dürfte eine gute Zeit sein – solange man unter zehn Sekunden und zehn Schlägen bleibt.
ap;
Bildquellen:
Newsquellen:
https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/zehn-sekunden-grabsch-urteil-italien-100.html
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