Denn im Krieg sollte man sich auch nicht genieren, mit Nachdruck alles zuzubetonieren

Als ich letztens früh im Einkaufszentrum unserer Stadt die Toilette verließ, hielt ich die Tür für einen älteren Herrn auf, den ich kenne. »Guten Morgen!«, begrüßte ich ihn freundlich, während wir uns passierten und er im Vorbeigehen mit einem unbeschreiblich wissenden Grinsen erwiderte: »Oh ja, den werde ich gleich haben.«

Ich will ja nicht übertreiben hier (nein wahrlich nicht!), aber seinem Gesichtsausdruck nach zufolge hatte der noch Großes, und ich meine wirklich Großes vor. Da stand kein einfaches Vorhaben mehr an, nein, nein, liebe Gefolgsleute. Dieser gute Mann zog in den letzten Krieg. Und lasst Euch gesagt sein, der Sieg strahlte mir bereits da aus seinen Augen entgegen.

Dies würde ein innerer Krieg werden, für welchen er alle Register ziehen und schwerste Geschütze ausfahren würde. Und als sich die Türe letztlich hinter mir langsam schloss und er noch im nächsten Moment damit begann, den Thron ein letztes Mal für dieses Ultima ratio zu besteigen, da wusste ich, dass ein neues Kapitel geschrieben werden würde.

Ganz ehrlich? Von einem normalen Geschäft im Sinne von Zubetonieren, den Fliegerhorst neu zu zimmern oder kräftig Massivzupflastern konnte hier gar keine Rede mehr sein. Dass, was dort anschließend im Gange war, zu geschehen, besaß schon eine Dimension, deren bildhafte Beschreibung in Worten jegliche zumutbare Härte übertreffen würde.

Und ich denke nicht, dass er sich an die Gebrauchsanweisung gehalten hat. Oder es war mal wieder dieser eine Tag.

Weder passend und gar nie perfekt, ist in der Fachsprache der Dialekt

Man stelle sich vor, jemand hegt den Wunsch, sesshaft zu werden und will dies mit dem Bau eines eigenen kleinen Häusschens in die Tat umsetzen. Demzufolge, wir nehmen an, es ist ein eher fauler Mensch, wendet sich mit gewissen Vorstellungen an ein Planbüro, welche mit einer Baufirma für schlüsselfertiges Bauen kooperiert.

Der zuständige Architekt bespricht natürlich im Vorab notwendige Details und andere Einzelheiten mit dem zukünftigen Hauseigentümer, zumal ja alles zu dessen Zufriedenheit geschehen und seine Richtigkeit gemäß den achthundertvierzig Tausend Industrienormen hier in Deutschland haben soll.

Jetzt wenn der Häuslebauer aber nicht aufpasst, den folgeschweren Fehler begeht und das verbindliche Gespräch auf Bayerisch hält, kann das mitunter interessante Folgen haben.

Der zukünftige Hausbesitzer sagt also: „Und wenn’s na draf schaund, dass in dem Haus ganz vai Glos voakimmd, des is mia ganz wichtig. In jädm Zimma, wenn’s gäd! Vai Glos!“ Auf Deutsch will er also: „Bezüglich der besprochenen Innenarchitektur meiner zukünftigen Immobilie insistiere ich darauf, dass bei der Umsetzung besonderes Augenmerk darauf gelegt wird, sehr viel Glaselemente zu verwenden. In jedem einzelnen Zimmer, falls es möglich ist.“

Interessanterweise ist zu erwähnen, dass das Wort Glas und der Plural von Klo im Bayerischen sehr, quasi zu einhundert Prozent identisch klingen und ohne entsprechenden Kontext nicht voneinander zu unterscheiden sind.

Könnte also im blödsten Falle bei viel Vertrauen, wenig Kontrolle und schlüsselfertigem Bauen darin enden, dass der Auftraggeber das erste Mal sein Haus betritt, im überdachten Eingangsbereich beim Postkasten die erste Kloschüssel vorfindet, dann am Flur von drei brunzbereiten Pissoirs begrüßt wird – ehe es dann aber erst weiter in die Küche geht, deren Küchenzeile von zwei Pissoirs beflankt wird und dem Wohnzimmer, dessen Kachelofen von einem mächtigen Porzellanthron dominiert wird, welcher direkt in den Kachelofen verbaut wurde.