Das Hirn trug er vorher noch zu Grabe, bevor es aufging zur Pfandrückgabe

Ich habe mich schon immer gefragt was passiert, wenn man sich den Hinweisen am Pfandautomaten widersetzt. Normale Signaltöne? Hupen? Warnmeldungen, oder gibt es gar härtere Instanzen bei falscher Anwendung? Was geschieht, wenn man den Träger quer einführt, davon konnte ich bereits Zeuge werden. Was aber passiert, wenn man sich dem Hinweis „Flaschen nicht nachschieben!“ widersetzt und die Pfandflasche trotzdem nachschiebt? Quasi einfach des Trotzes wegen, obwohl die erste Flasche noch nicht gescannt  wurde?

Es passiert relativ wenig und die Anzahl an nachgeschobener Flaschen scheint ungefähr zehn zu betragen. Zumindest konnte ich das heute bei einem geistig schon etwas in Schieflage und Seenot geratenen, ergo hirnwasserverdampften Holzkopf sehen. Alles begann, indem er die erste Flasche schon einmal mit dem Kopfteil zuerst reingeschoben hat. Als der Pfandautomat sie hupend, scheppernd und rebellierend wieder ausgeben wollte, hat er einfach die nächste Flasche (natürlich ebenso falsch herum) nachgeschoben.

Joa, das Spiel ging ungefähr zehn Mal gut, bis der Automat wohl endgültig kapitulierte. Nur weiß ich nicht, ob er wegen einer klemmenden Mechanik oder wegen der unglaublichen Dummheit von uns Menschen kapitulierte. Ich weiß nur: Hätte der Automat sich transformieren können, er hätte dem blöden Penner so dermaßen in die Klöten gezimmert, dass er seine nächste Prostatauntersuchung beim HNO-Arzt hätte machen lassen können.

Und da schiebt sie weiter voller Wonne, diese Ausgeburt von fetter Tonne

Und jedes Mal, wenn ich Samstagmorgen gemütlich einkaufe, das gleiche Schauspiel.

Da ich selbst sehr vorbildlich bin und meine Pfandflaschen regelmäßig, ergo in kleinen Portionen abgebe, habe ich am meinem zum Einkaufssamstag beförderten dienstfreien Samstag auch nur zwei, drei, ament fünf Pfandflascherl zum Abgeben. Aber jedes Mal – es ist wohl das elfte Gebot von dem rotzbesoffenen Dorfdeppen da ganz oben – steht irgendeine fette Hartz-IV-Tonne vor mir am Pfandautomat. Neben ihr: Ein ungefähr vierzig Kubikmeter großer Müllsack mit viertausend Pfandflaschen.

Und freilich, was würde die intelligenzgeminderte Elephantengrazie auch anderes in sich reinschütten, gibt es nur zwei diverse Typen von Flaschen: Bier (freilich das grindige Plastikflaschenbier) und grässlich schmeckende Billig-Cola, selbstverständlich aber nicht die zuckerlose Variante. Und das abwechselnd. Bier. Cola. Bier. Cola. Bier. Cola.

In diesem Augenblick habe ich aber bereits, man will es kaum glauben, schon Level 2 dieses Kampfes erreicht. Level 1 ist nämlich die Unfähigkeit der Person, den Bier(natürlich!)kasten richtig in die Aufnahme einzugeben. Bestimmt, weil man aufgrund der Breite des Aufnahmeschlitzes nicht von selbst darauf kommen kann und nur in halb leuchtenden Großbuchstaben KASTEN BITTE NUR LÄNGS EINFÜHREN! dort steht.

Immerhin, sie brauchte auch nur knappe vier Versuche, den Kasten richtig in die Aufnahme zu geben. Von der Tatsache, dass sich vier falsche Flaschen im Träger befinden und sie das einfach nicht rafft, will ich mal gar nichts erzählen hier.

Aber gut, ich will noch nicht schimpfen, immerhin bin ich schon bei Level 2! Und Level 2 steht für ganz genau viertausendeinhundertundfünfzig mitgezählte Pfandflaschen. Was wiederum – ich werde sie an der Kasse wieder treffen – für Billigbier, Billigcola, Zigaretten und Fertiggerichte ausgegeben wird.

Dann – ich warte schon immer auf diesen magischen Moment – das Schmankerl. Dööö, Zonk, die Flasche wird nicht angenommen. Selbst aus drei Metern Sicherheitsabstand und meiner knapp zweistelligen Dioptrinzahl sehe ich, dass das keine Pfandflasche ist, da KEIN PFAND auf der Flasche steht. Rotes Ettiket. Weiße Schrift. Quasi das Ultima ratio der Farbwahl, weil es auffälliger und heller kaum mehr geht und man sich als Designer davon erhofft, es auch jedem noch so beschränkten Dorfaffen somit verständlich machen zu können.

Aber nein. Analphabetismus sei dank, nein. Dööö, Zonk. Dööö, Zonk. „Das muss doch gehen!“ Und wieder reinschieben, wieder Fehlermeldung, wieder reinschieben, wieder Fehlermeldung. Ehe endlich eine Kehrtwende eintritt: Sie gibt auf und wirft die Flasche endlich genervt… natürlich in den noch halb vollen Sack zurück.

Ho. Ly. Shit. Level 3. Man lockere das Waffengesetz und reiche mir etwas mit großer Durchschlagskraft.

Es gab Tage, da dachte ich, ich würde an einer Krankheit, bei einem Unfall oder durch einen Kometeneinschlag sterben. Aber nein. Ich werde aus Gründen der Altersschwäche am Pfandautomaten oder einfach aufgrund eines Tobsuchtanfalls sterben.