Das Hirn trug er vorher noch zu Grabe, bevor es aufging zur Pfandrückgabe

Ich habe mich schon immer gefragt was passiert, wenn man sich den Hinweisen am Pfandautomaten widersetzt. Normale Signaltöne? Hupen? Warnmeldungen, oder gibt es gar härtere Instanzen bei falscher Anwendung? Was geschieht, wenn man den Träger quer einführt, davon konnte ich bereits Zeuge werden. Was aber passiert, wenn man sich dem Hinweis „Flaschen nicht nachschieben!“ widersetzt und die Pfandflasche trotzdem nachschiebt? Quasi einfach des Trotzes wegen, obwohl die erste Flasche noch nicht gescannt  wurde?

Es passiert relativ wenig und die Anzahl an nachgeschobener Flaschen scheint ungefähr zehn zu betragen. Zumindest konnte ich das heute bei einem geistig schon etwas in Schieflage und Seenot geratenen, ergo hirnwasserverdampften Holzkopf sehen. Alles begann, indem er die erste Flasche schon einmal mit dem Kopfteil zuerst reingeschoben hat. Als der Pfandautomat sie hupend, scheppernd und rebellierend wieder ausgeben wollte, hat er einfach die nächste Flasche (natürlich ebenso falsch herum) nachgeschoben.

Joa, das Spiel ging ungefähr zehn Mal gut, bis der Automat wohl endgültig kapitulierte. Nur weiß ich nicht, ob er wegen einer klemmenden Mechanik oder wegen der unglaublichen Dummheit von uns Menschen kapitulierte. Ich weiß nur: Hätte der Automat sich transformieren können, er hätte dem blöden Penner so dermaßen in die Klöten gezimmert, dass er seine nächste Prostatauntersuchung beim HNO-Arzt hätte machen lassen können.

Vom Leben an der Ampel, dem nichtkassierenden Trampel und der geworfenen Eistruhe für die Ruhe

Die zwei langsamsten Dinge nicht nur von der Nachbarstadt**, sondern der kompletten nördlichen Hemisphäre sind definitiv die Ampelschaltungen bei der Kreuzung unten beim Stadtplatz und die Kassen beim größten Geschäft** dieser Stadt.

Ungelogen, wenn Du bei dieser Ampel bei Rot stehst, könntest Dir selbst zur Mittagszeit gemütlich einen Döner holen, im Drogeriegeschäft Großeinkauf machen, im Fitnessstudio weiter oben noch ein Workout hinlegen UND könntest mit einem dreikugeligen Eis mit Sahne zum Mitnehmen gemütlich nach unten schlendern und müsstest selbst *dann* noch so lange warten, dass Du noch bequem die Winterreifen aufziehen könntest – *nachdem* Du Dich noch über das aktuelle Kinoprogramm erkundigt und Geld von der Bank abgehoben hast.

Was die Kassen im großflächigsten Geschäft** angeht: Ganz anderes Thema, und HOLY FUCKING SHITBALLS, GET MY SHOTGUN.

Selbst wenn dort alle Kassen besetzt sind und sich jeweils eine Warteschlange von mindestens zehn Leuten bildet, scheint im biependen Bereich da vorne quasi nichts vonstatten zu gehen, was auch nur ansatzweise im Mindesten daran erinnert, dass soeben ein Kassiervorgang stattfindet.

Oder stattfinden sollte.

Da wird nicht nur zeitraubend nach den 480 erhätlichen Bonusscheißerein in Karten- und Punkteform gefragt, sondern noch ein kleines Pläuschchen gehalten, dass ich Lust hätte, die ganze Eistruhe zu meiner Rechten aus der Verankerung zu reißen und nach vorne zu werfen. Und fuck jetzt nochmal, wenn der Kunde zu dämlack ist, seine verschissene Sammlung an Bonuskack-Karten parat zu halten, ist der verdammte Trottel selbst schuld und braucht sie nicht. PUNKT.

Erst recht, wenn zwanzig andere dahinter vielleicht heute noch das Geschäft verlassen möchten und nicht den ganzen verfickten Tag Zeit haben, sich das affenschwafelnde Rumgestottere auf der Suche nach Cents anzuhören.

„Ich habs ament passend“, meint die eine fettquallige Dummgans.

Ich auch, als einer der aufstöhnenden sieben Kunden hinter Dir, und zwar eine 120-Stundenkilometer-Eistruhe voll auf die Zwölf. Blöde Kuh.

Und die nächste geworfene Eistruhe samt Inhalt ist für den, der ein Päckchen 50-Euro-Scheine im Portmoneau hat aber genau jetzt glaubt, seinen Betrag Cent. Für. Cent. Der Kassiererin hinlegen zu müssen. Und dann realisiert, dass er doch mit der Karte bezahlen muss. Deren PIN er erst falsch eingibt. Und dann doch darauf kommt, dass er ihn leider doch nicht weiß.

Ganz im Gegenteil sind die Lidl- und vor allem die Aldikassen, Hut ab. Da kann’s zugehen wie die grunzende Sau höchstpersönlich, die Zombies können draußen schon die Scheibe einschlagen und die Überlebenden kaufen noch schnell die Axt im Spezial-Apokalypse-Paket samt Molotov-Cocktails und Flammenwerfer. Juckt die einfach nicht, die kassieren in Rekordzeit.

Jedes Mal, wenn ich dort einkaufe, haben die Leute vor mir bereits ihre Einkaufswagen vollgeladen, die sich wie ewig sprudelnde Füllhörner auf das Warenband ergießen. Du gedenkst noch kurz warten zu müssen und drehst Dich um, weil einer hinter Dir laut gerülpst hat, doch schon bist Du an der Reihe (mit Bezahlen, nicht mit Rülpsen). Und bis ich da das bereitgehaltene Geld überhaupt überreichen kann, hat die schon fast mitgeholfen, meinen halben Warenkorb einzuräumen, alphabetisch zu sortieren und hat nebenbei eine Reklamation eines anderen Kunden angenommen und den Pfandautomaten ausgeleert.

Warum nicht immer so?

**Namen werden nicht ausgeschrieben, man will ja keine Klage bekommen.

Und da schiebt sie weiter voller Wonne, diese Ausgeburt von fetter Tonne

Und jedes Mal, wenn ich Samstagmorgen gemütlich einkaufe, das gleiche Schauspiel.

Da ich selbst sehr vorbildlich bin und meine Pfandflaschen regelmäßig, ergo in kleinen Portionen abgebe, habe ich am meinem zum Einkaufssamstag beförderten dienstfreien Samstag auch nur zwei, drei, ament fünf Pfandflascherl zum Abgeben. Aber jedes Mal – es ist wohl das elfte Gebot von dem rotzbesoffenen Dorfdeppen da ganz oben – steht irgendeine fette Hartz-IV-Tonne vor mir am Pfandautomat. Neben ihr: Ein ungefähr vierzig Kubikmeter großer Müllsack mit viertausend Pfandflaschen.

Und freilich, was würde die intelligenzgeminderte Elephantengrazie auch anderes in sich reinschütten, gibt es nur zwei diverse Typen von Flaschen: Bier (freilich das grindige Plastikflaschenbier) und grässlich schmeckende Billig-Cola, selbstverständlich aber nicht die zuckerlose Variante. Und das abwechselnd. Bier. Cola. Bier. Cola. Bier. Cola.

In diesem Augenblick habe ich aber bereits, man will es kaum glauben, schon Level 2 dieses Kampfes erreicht. Level 1 ist nämlich die Unfähigkeit der Person, den Bier(natürlich!)kasten richtig in die Aufnahme einzugeben. Bestimmt, weil man aufgrund der Breite des Aufnahmeschlitzes nicht von selbst darauf kommen kann und nur in halb leuchtenden Großbuchstaben KASTEN BITTE NUR LÄNGS EINFÜHREN! dort steht.

Immerhin, sie brauchte auch nur knappe vier Versuche, den Kasten richtig in die Aufnahme zu geben. Von der Tatsache, dass sich vier falsche Flaschen im Träger befinden und sie das einfach nicht rafft, will ich mal gar nichts erzählen hier.

Aber gut, ich will noch nicht schimpfen, immerhin bin ich schon bei Level 2! Und Level 2 steht für ganz genau viertausendeinhundertundfünfzig mitgezählte Pfandflaschen. Was wiederum – ich werde sie an der Kasse wieder treffen – für Billigbier, Billigcola, Zigaretten und Fertiggerichte ausgegeben wird.

Dann – ich warte schon immer auf diesen magischen Moment – das Schmankerl. Dööö, Zonk, die Flasche wird nicht angenommen. Selbst aus drei Metern Sicherheitsabstand und meiner knapp zweistelligen Dioptrinzahl sehe ich, dass das keine Pfandflasche ist, da KEIN PFAND auf der Flasche steht. Rotes Ettiket. Weiße Schrift. Quasi das Ultima ratio der Farbwahl, weil es auffälliger und heller kaum mehr geht und man sich als Designer davon erhofft, es auch jedem noch so beschränkten Dorfaffen somit verständlich machen zu können.

Aber nein. Analphabetismus sei dank, nein. Dööö, Zonk. Dööö, Zonk. „Das muss doch gehen!“ Und wieder reinschieben, wieder Fehlermeldung, wieder reinschieben, wieder Fehlermeldung. Ehe endlich eine Kehrtwende eintritt: Sie gibt auf und wirft die Flasche endlich genervt… natürlich in den noch halb vollen Sack zurück.

Ho. Ly. Shit. Level 3. Man lockere das Waffengesetz und reiche mir etwas mit großer Durchschlagskraft.

Es gab Tage, da dachte ich, ich würde an einer Krankheit, bei einem Unfall oder durch einen Kometeneinschlag sterben. Aber nein. Ich werde aus Gründen der Altersschwäche am Pfandautomaten oder einfach aufgrund eines Tobsuchtanfalls sterben.