Schon lange ist das Niveau am Sinken, doch grinsen wir ihm nur zu und winken

Wahrlich kann man bemerken, dass das ohnehin bereits sinkende, ja sich im senkrechten Fall befindliche Niveau noch mit Füßen kräftig nach unten getreten wird. Dies kann man nicht nur im sprachlichen Verfall unserer degradierenden Jugend, der überall dargebotenen Werbung oder beim Besuch dieses Blogs hier bermerken, sondern besonders, wenn man Radio hört. Quasi eines der Aushängeschilder modernen Werteverfalls.

Letztens las ein Moderator die eMail einer Hörerin vor. Diese hätte berichtet, dass sie vor die Terrassentüre immer ihre Schuhe stellen würde. Letztens wäre aber von jedem Paar ein einzelner Schuh von einem Mader gemopst worden – der diese dann offensichtlich gefuttert und aus dem Produkt davon einen schönen, gediegen saftig großen Haufen vor die Tür gesetzt hat.

Wie immer wurde das Thema schön breitgetreten. Visuell dargestellt ungefähr so aufgeilend wie bei der ärmsten „Zeitung“ Deutschlands, die es im Grunde nicht verdient hat, im gleichen Satz mit dem Wort „Niveau“ aufzutauchen. Wörter wie „hinkacken“ und „Scheiße“ wechselten sich ab; alle waren plötzlich achtjährige Rotznasen, die einen Böller in einen Kuhfladen gesteckt haben, und nicht erwachsene Menschen, die sich eigentlich mit etwas Seriösität einem Millionenpublikum präsentieren sollten. Natürlich wurde auch gleich aufgrund der unglaublichen Brisanz dieses weltbewegenden Geschehnisses ein Veterinär zu Rate gezogen, welcher wohl schon auf glühenden Kohlen saß und nur auf einen solchen Einsatz wartete.

Wie erwartet, hatte auch dieser zu dem Kackthema viel zu berichten und scheute sich keineswegs, seinen Senf zu dem Haufen abzugeben. Warum der Mader so was tut, warum er den Haufen genau vor die Tür gesetzt hat und so weiter und so fort. Ich wartete nur noch auf den Hinweis des für’s Dummlabern überbezahlten Moderators, dass gemachtes Bild von besagtem Haufen nun auf der Website des Radiosenders einsehbar ist.

Meh. Was soll man noch sagen dazu.

Wäre ja was anderes, gäbe es was Wichtiges aus der Welt zu berichten. Aber solange ein schuhkackender Marder, zugeschissene Windeln und die Natur von Wolf und Fuchs zum stundenfüllenden Thema auserkoren werden, kann es ja kaum was existenziell Gravierenderes geben, eh? Lieber füllt man die Sendezeit daher mit sowas und schmückt es mit idiotischen Gewinnspielen, ständiger Selbstbeweihräucherung und dummen Kommentaren aus, als dass man einfach mal Musik spielt.

Obwohl. Bei der sich bietenden musikalischen Abwechslung (welche stets als das Beste angepriesen wird) ist und bleibt es das Beste, dass man nach wie vor das Radio meidet.

Und weil der Bayer nicht gern lange hadert, er den Fremden gleich komplett zulabert

Hauptsache sich nicht von seinem Standpunkt abbringen lassen, eh?

Da ist der Alexander nach einem zarten Beintraining noch kurz in der Sauna der lokalen Eisenschmiede, um sein Hüftgold eine Viertelstunde lang auf knapp neunzig Grad durchzudünsten. Er ist soweit alleine in der Sauna, als eine Gruppe Englischsprechender hereinkommt. Sicherlich Urlauber, wie die erste Vermutung nahelegt.

Keine Minute darauf kommt ein Ansäßiger herein, klatscht sein Handtuch neben dem ersten Engländer auf die Bank und sagt zu ihm in schönem gemütlichen Bayerisch, als wäre es sein urigster Kumpel und Busenfreund: „Mei, so was aber auch, da war vorher so a Gruppe Engländer bei der Theke und ich konnte kein Wort mit denen reden. Sprechen ja kein Deutsch! Mei wenn ich das gewüsst hätte! Dann hätte ich die davor gar nicht angeredet, sowas depperts aber auch!“

„Eh, I’m sorry, I don’t speak German!“ entgegnet ihm der Erste, nachdem der erste Satz des Bayern schon eine peinliche Stille verbreitete.

„Jaja, das ist es ja! Die konnten überhaupt kein Deutsch!“, fährt der Bayer unbeeindruckt wie unbeirrt seine Argumentation weiter und textet den Engländer komplett von oben nach unten zu. Ich glaube der Engländer hätte ein Südafrikaner sein können und mit Klicklauten der Xhosa-Sprache antworten können, es hätte nicht interessiert.

Für mich als stillen Beobachter hielt sich die Waage sehr standhaft zwischen dem Mitleid für den Engländer und dem Fremdschämen für den Bayer. Aber durchaus amüsant. 😀