Als Totale Erinnerung verewigte ich mich im Kino, als er mir entfleuchte wie ein Rhino

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Es ist zwar schon etwas länger her, aber ich erinnere mich noch daran, als wäre es schon einige Zeit her. Was war geschehen? Nicht viel. Warum ist es geschehen? Man weiß es nicht! Vielleicht hatte ich an diesem Tag nur schlechtes Timing. Vielleicht war es auch wie jeder andere Tag als Jahresabonnent der Arschkarte in Gold. Doch wie es mit allem Peinlichen ist, was einem so geschieht, es verjährt nicht. Selbst im hohen Greisenalter muss man noch kräftig darüber lachen, bis man erstens es und zweitens sich selbst nicht mehr auf dem Stuhl halten kann. Dem nicht genug, werden auch die Enkelkinder noch ihren Spaß haben.

Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass etwas Peinliches nicht in Vergessenheit gerät. Besäße ich Ballast wie Ehre, Etikette oder andere unnötige Dinge wie gesunden Menschenverstand und ein zartes Pfündchen Zunder in der Birne, würde ich es für mich behalten. Zeitgleich etwaige Zeugen zum Schweigen bringen und das Erlebnis nie wieder erwähnen. Vielleicht sogar auswandern. Aber da ich neben ohne schon abgestorbenen Emotionen auch für diese Dinge keinen Platz mehr in meinem Spektrum an dem so genannten Scheissendreck habe, verfasse ich sogar einen Post darüber.

Wäre ja ein Unding, eine Chance zu vergeuden, ein oder zwei Menschen da draußen zum Schmunzeln zu bringen. Und wie mein Lehrer immer so schön gesagt hat, kurz bevor er mir wieder mal mit der Rückhand die Brille vom unterbelichteten Bunker geschossen hat: Halt die verdammte Fresse wenn du keine Ahnung hast, du scheißdämlicher Mistkrüppel!

Aber da ich hier zumindest ein bisschen Ahnung habe, geht es auch gleich los.

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Als plötzlich sich erhob der Fuße, in die Klöten wuchtig zart zum Gruße

Wahrlich, es gibt vereinzelt Situationen im Leben, da kommt man mit Sachen davon, für die man unter minimalst unterscheidenden Umständen gelyncht, gevierteilt, noch einmal gevierteilt und danach noch richtig erschlagen werden würde. Und zwar auf der Stelle.

Nun, folgende Situation: Im zum Zeitpunkt des Geschehens ausgeführten Beruf von mir hatte ich unter anderem mit dem Transport und Umlagerung von Patienten zu tun. Sprich Patientenumlagerung von Bett auf Stuhl, von Stuhl auf Trage, von Stuhl auf Behandlungsstuhl und so weiter, was es eben für Kombinationen gibt.

Wie man es sich denken kann, und wie man es bereits von der nicht unerheblichen Vielfalt der Menschheit kennt, hat man es natürlich nicht immer mit vierzig Kilogramm leichten Patienten zu tun, sondern auch mal mit etwas heftigereren Individuen der etwas höher gelegenen, elitären Wammerl-Klasse, die über Jahrzehnte gereift ist und auch entsprechend wohlgefüttert wurde.

Aus diesem Grund ist man als Umlagerer immer darauf erpicht, eine einigermaßen gesunde Körperhaltung dabei zu wahren, da man diese Arbeit ansonsten nicht sehr viel länger als eine Woche machen würde. Sprich beim Hochheben hebt man aus den Beinen, nicht aus dem Rücken, man kniet sich ab, anstatt sich zu bücken und achtet auf möglichst gerade Rückenhaltung. Schließlich möchte man nicht mit seiner plötzlich sich verabschiedenden Bandscheibe den Hintermann über den Haufen und das Dach durchschießen.

Virabhadrasana III, aka Warrior Pose III.
Hier ein Beispiel, wie es aussehen kann. KANN.

Oft, wenn es für mich nötig war, zu bücken, um beispielsweise am Stuhl des Tragestuhls die Fußstütze auszufahren, habe ich mich zwar gebückt, als „Gegengewicht“ aber einen Fuß nach hinten ausgestreckt. Sieht bei meiner zarten Figur zwar unter Umständen etwas befremdend aus, hat aber zum Vorteil, dass der ganze Rücken bis zum Bein eine gerade Linie bildet und der untere Rücken erheblich, wenn nicht gänzlich entlastet wird. Ein Bein bleibt freilich am Boden und bildet den Standfuß, wie man es in diesem Bild gut erkennen kann. Für die, die es genau wissen wollen: Das entspricht alles im Ungefähren der Warrior 3 / Virabhadrasana 3– Haltung, die es beim Yoga gibt. Insofern es das leberkäsfressende Menschenvolk interessieren sollte.

An diesem Tag war unter anderem ein Transport eines Patienten von einer gesundheitsfördernden Einrichtung zu seinem Zuhause vorgesehen. Nun, alles wie gehabt, man holt den Patienten ab, lädt ihn in das Fahrzeug ein, fährt zum Zielort und lädt ihn wieder aus. Täglich Brot eben. Im Tragestuhl sitzend, war sein Zuhause nur etwas eng und wir hatten Mühe, uns samt Patient und dessen bereits anwesendem Angehörigen in dem kleinen Zimmer zurecht zu finden. Weiterhin hatten wir bereits einen Folgeauftrag, womit Zeit nicht gerade in passablen Mengen vorhanden war. Dennoch: An der Qualität der geleisteten Arbeit soll es natürlich nicht mangeln.

Dann kam der finale Moment: Ich sehe, dass wir zuerst die Fußstütze unten am Tragestuhl einfahren müssen. Ein kurzer Handgriff. Schnell will ich mich bücken, um das zu korrigieren, strecke auch meinen rechten Fuß nach hinten aus, um meinen Rücken zu entlasten. Da die ganze Magie quasi bei der Hüfte ansetzt, geht mein ausbalancierender Fuß wie bei einem nach hinten ausschlagenden Pferd nach oben, während der Torso samt Händen nach unten geht. Und je schneller ich vorne nach unten greife, desto schneller geht das Hintere nach oben.

Genau so. Nur mit bisschen mehr Aua im Gepäck.

Mit viel Schwung greife ich also nach unten und bemerke, dass ich soeben dem Angehörigen mit meiner Fußhacke voll frivolem Elan ungebremst und in bester Hau-den-Lukas-Manier in die Kronjuwelen gezimmert habe.

Und nein, ich beschreibe hier nichts durch die Blume. Das war ein satter Volltreffer, und elitärer Nußknacker der Sorte redux extra WUMMS. Nicht gerade zart gestreichelt, sanft touchiert oder gerade noch gestreift. Nein. Voll. In. Die. Klöten.

Erstaunlicherweise hörte ich keinen Schrei wie von Tom aus Tom und Jerry. Auch fiel er nicht bewusstlos um. Eigentlich, ja eigentlich tat er gar nichts.

Noch heute rätsle ich, warum. Entweder hatte der sprichwörtliche Balls of Steel oder auch gar nichts mehr unten rum. Oder er trug grundsätzlich einen Tiefschutz der Klasse 3. Vielleicht war er es aber auch schon gewohnt, dass er da unten rum regelmäßig etwas härter massiert wird. Dennoch. Sollte ich jemals dem Erschaffer oder wem auch immer begegnen und hätte ich eine Frage zur Beantwortung frei, wüsste ich schon eine.

Bildquellen:

Das Yogabild mit Virabhadrasana III:
https://en.wikipedia.org/wiki/File:Tuladandasana.jpg
By Drchirag patel (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Der Nussknacker:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nut_cracker_-_F%C4%B1nd%C4%B1kk%C4%B1ran.jpg
By Zeynel Cebeci (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons