Erst schreien die Innereien, dann tönt die Operette der Rosette, ehe Menschen erblinden und verschwinden

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Diese feine Komposition des Todes hat sich letztens mein Kollege zur Brotzeit genehmigt:

Auf die Blähung, fertig, los!

Nun, was soll man dazu noch sagen, außer „Oleck“? Ich bin ja selbst schon eine ziemliche kulinarische Wildsau, aber irgendwann stößt auch das Grunzen dieser Sau an ihre Grenzen. Spätestens dann, wenn ohnehin schon berühmt-berüchtigtes Trockenobst mit Schlagsahne gemischt wird. Das ist, als würde man … ja, wie soll ich das beschreiben? Wenn man einmal das Nonplusultra erreicht hat, kann sich da wirklich noch recht viel ändern und ist da noch Luft noch oben hin? Ament ändert sich höchstens die Duftnote samt Feedback von „Jawohl, lieber Kollege, das war schon etwas bitter hantig, sanft im Abgang, bissig im Bukett. So mögen wir die beschlagenen Fenster denn öffnen, auf dass wir auch morgen noch leben“ auf „Ja scheiß doch die Wand an, du stinkende räudige Drecksau! Bist du am Verfaulen oder was!“

Das galt es herauszufinden. Auf die harte Tour. Da kann man nur hoffen, dass er wie der andere Kollege so viel Menschlichkeit besitzt und das Auto verlässt, wenn die Hölle losbricht und wir alle sterben müssen. Ansonsten würde es wie in der Szene aus dem guten alten 1980er-Film Big Trouble in Little China enden, in der es schon sehr realitätsnah dargestellt wird.

Wer ansonsten allers grausamst verenden würde, wenn ich mir das zur Brotzeit genehmigen würde:
[✔] Ich und meine Innereien
[✔] Alles Lebende und Atmende im Umkreis von neun Meter
[✔] Das Ozonloch
[✔] Der Putz an den Wänden

Eigentlich ist es ja noch verwunderlich, dass er das nicht noch mit Sauerkrautsaft, Pumpernickel und Buttermilch abgeschmeckt hat. Egal wäre es gewesen, denn wenn der Tod ohnehin schon an die Tür klopft, durch die Spalten und Nischen kriecht und langsam die Nasenhaare versengt, hilft das Verstecken auch nicht mehr viel.

Da kann man nur noch mutig wegschnaufen, sich die Tränen verbeißen und ganz, ganz tapfer sein.

Sein erstes Mal war eine Qual, doch war er erst einmal im Mund, ging es flott und richtig rund

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Ältere Menschen sind schon lustig. Besonders, wenn es sich noch dazu um Bauern handelt. Und noch schlimmer, wenn es sich zeitgleich um Bayern handelt. Eines dieser Vorkommnisse ist ja schon schlimm, aber beide in Kombination, das ist … ja, wie soll ich sagen, das Wörtchen deluxe ist zu fein für so einen Misthaufen, warum nennen wir es nicht einfach einen Sauhaufen? Ja? Denn Bayernbauern pflegen neben einer Schrotflintenmentalität auch stets das erste und einzige Gebot, den Grundsatz engstirniger, horizontloser Weltauffassung: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Auch wenn man das bei uns hinterwäldlerischen Bauernvolk nicht nur auf das Kulinarische beziehen sondern auf das Ganze Leben beziehen kann, so wird es dieser Post dennoch tun.

Ein Gedicht von Gericht: Nasi Goreng.

In diesem Post geht es um mich und einen Bekannten. Einem älteren Herrn, der nur kennt, was er kennt und nur frisst, was er frisst. Änderungen, Neuerungen und vergleichbar gibt es nicht. Neues wird grundsätzlich verteufelt und für böse empfunden. „Nein, das mag ich nicht“ ist die Standardantwort. Auch wenn er gar nicht weiß, was ich ihm überhaupt empfehlen will.

Schon vor längerer Zeit war ich mit ihm einmal unterwegs. Zur Mittagszeit dachte ich, ihn für einen leckeren thailändischen Imbiss begeistern zu können. „Nein, das ist nicht so das meine“, meinte er, auch wenn er es mit keinem richtigen Argument belegen konnte. Ironischerweise hatten wir am gleichen Tag die Thematik der Tiefkühlkost angeschnitten, bei welcher er sich ziemlich für das Nasi Goreng aussprach. Ja, das macht für mich auch keinen Sinn.

Dennoch.

An besagtem Tag Weiterlesen

Und jeder hier wird gut gepflegt, erst an die Wand gestellt, dann umgelegt

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Eigentlich braucht man den Post hier gar nicht ganz lesen, weil das komplette kreative Potenzial bereits für die Überschrift draufgegangen ist. Außer natürlich man besitzt die mit Dreistigkeit gepaarte Langeweile, weiterzulesen. Dann aber meine Garantie, dass es nur schlechter und billiger wird. Aber man ist es von der Bratwurst ja nicht anders gewöhnt, eh?

Dennoch. So ein sinnloses Talent für die Sprache kann schon manchmal Vorteile haben. Zwar keine finanziellen, existenziellen oder anderweitig ansatzweise Brauchbaren, dafür kann man aber zumindest Eines immer verdammt gut: Dumm daherreden. Und würde ich für jedes schlechte Wortspiel und jeden einzelnen Wortdreher neben den verständnislosen Blicken auch nur einen einzigen Cent bekommen, ich könnte mir nicht einmal den Honig für mein Käsebrot kaufen. Weil ich da schließlich viele schlechte Witze machen müsste, und selbst einhundert Stück nur knapp ein Euro sind und das nicht einmal für den Honig reicht. Also. Was soll schon die Rechnerei.

Da ist es wie mit vielen Dingen bei mir, von zwei linken fleischigen Händen (alles Daumen) bis hin zum dummen Geschau. Bringt nicht viel, habe ich aber. Zumindest kann ich mich wie ein Level-91-Grammarnazi auf jeden Rechtschreibfehler stürzen und dem anderen jede Silbe im Mund umdrehen, alles zweideutig sehen und so interpretieren, dass es mir selbst passt und die Langeweile in meinen Geist für eine Nanosekunde vertreibt. Vorteil für mich oder irgendwem: Keiner. Nachteil für die anderen: Mein dämliches Mundwerk muss man nach meinem Tod extra mit der Rohrzange erschlagen.

Unangebracht für Humantransport, wenngleich der Aufgabe dienlich: Schubkarre.

Wie komme ich also dazu, diesen Post zu verfassen? Nun, bei einer damals ausgeführten Arbeitsstelle war ich unter anderem für den Transport von lebendigen Menschen zuständig. Manchmal wurde ich sogar dafür bezahlt, selbst wenn mancher Angehörige dabei einen zarten Kick in die Kronjuwelen abbekommen hat. Im Detail bestand mein Tätigkeitsbereich darin, die Fracht liegend oder im Rollstuhl sitzend von zuhause abzuholen und in das Krankenhaus oder in die Arztpraxis zu bringen.

Freilich kann man dann nicht einfach wie mit einer Schubkarre in die Praxis reinfahren, Patienten wie eine Ladung Heu auf Boden abwerfen und wieder fahren. Nein. Denn das schmälert nicht nur das Trinkgeld, das degradiert auch etwas das Image meines geschätzten Arbeitgebers. Somit muss man erst anmelden und erfragen, wo man denn Herrn oder die Frau platzieren darf und soll. Und nachdem ich nun fünf sinnlose Absätze geschrieben habe, komme ich flugs zum Eigentlichen:

„Wo soll denn der Herr X hinkommen? In den Behandlungsraum oder ins Bett?“
„Könnt ihr den Herrn X bitte gleich auf das Bett umlegen?“
„Ok, dann legen wir ihn um.“
Siehe auch die Zweitvariante: „Ok, dann machen wir ins Bett.“

„Wo sollen wir den Herrn X mit dem Rollstuhl hinstellen? Ins Wartezimmer?“
„Nein, es reicht, wenn ihr ihn nur in den zweiten Wartebereich zur Wand stellt.“
„Ok, dann stellen wir ihn an die Wand.“

„In welches Zimmer sollen wir den Herrn X bringen?“
„In Zimmer Zwei, das ist am Ende des Ganges links.“
„Ok, dann bringen wir ihn um die Ecke.“

„Herr X lässt fragen ob es für die Behandlung notwendig, dass er liegt oder ob er sitzenbleiben kann.“
„Nein, bitte legt ihn auf die Liege, das Kopfteil muss ganz flach sein.“
„Ok, dann legen wir ihn flach.“

Bildquelle:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AModerne_Schubkarre.jpg,
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