Darum diese Bitte, liebe Kindergärtnerin, langens nächstes Mal ruhig härter hin

Zugegebenermaßen bin ich der Letzte, der (von irgendeinem beliebigen Thema, hier aber Mal Musik) eine Ahnung hat, aber was im Radio die letzten Jahre und Monate für ein pseudoemotionaler Drecksmüll quäkt, trällert und durchfallisiert, das ist schon keine musikalisch-lyrische Fehlgeburt mehr, das ist ein explosiver Abgang vom Allerallerfeinsten. Oder Allerallergröbsten, dass es die Rosette gleich mit zerwirft.

Wobei man nicht weiß, was schlimmer ist. Diese säuselnden weinerischen Stimmen, die nicht nur schwimmen, sondern auf hoher See untergehen oder das lyrische Kackniveau, dass sich in noch niedrigeren Gefilden als dieser Blog hier bewegt. Wobei Begriffe wie „lyrisch“ und „Niveau“ etwas zu hochgegriffen sind, ich aber nicht schon wieder das Wort „Durchfall“ verwenden kann. Ständiges Rumgestöhne, tausendfaches Wiederholen der gleichen Textpassagen und eine quäkende Gesamtkomposition, die so nervig ist, dass man vor Verzweiflung anfangen möchte, den Fensterkitt aus dem Fensterspalt zu lutschen.

Ohnehin geht es immer um irgendwelche verweichlichten Idioten ohne Arsch und Eier in der Hose. Typische Spotted-Poster also. Der eine Vollpfosten jammert davon, dass er in der U-Bahn war und sich in eine Hübsche verliebt hat, der andere Dorfdepp weint davon, dass er sich nicht traut, die Dame anzusprechen. Quasi die untervögelten Dramaqueens der Musikindustrie. Gleiche Scheiße, anderes Medium. Und niemand behält seinen Müll für sich.

Wecker. Radio. Alles, was einem ziemlich auf den, obacht, Wortspiel, Wecker geht.

Auch wenn ich hier keine direkte Textstelle nennen will (darf?), kann sich jeder eine fast x-Beliebige ausdenken. Auswahl gibt es genug, da man im Grunde nur das Radio einschalten muss. Mit etwas Glück ist auch nicht gerade irgendein überbezahlter Moderator damit beschäftigt, irgendeinen dämlichen Scheiß daherzulabern oder den banalen Schwachsinn all der gelangweilten Obertrottel zu beantworten. Mit noch mehr Glück läuft auch nicht gerade ein quotengeiles Gewinnspiel oder „lustiges“ Intermezzo „lustiger“ siebtklassiger Kabarettisten, die so schlecht sind, dass man noch einmal ein müdes Lächeln für sie übrig hat sondern einfach nur noch möchte, dass sie ihre dämliche Schnauze halten und ihren Dreck der Wand erzählen, während sie mit vollem Anlauf dagegenlaufen.

Grundlegend hätte zu meiner Zeit jeder Fünfjährige im Kindergarten in der Kunst- oder Musikstunde eine Genickwatsche betoniert bekommen, hätte er so einen unglaublichen Scheiß zusammengedichtet. Und diese Worte hätte man mir in mein Öhrli eingepflogen: „Nein, Alexander, das war jetzt wirklich nicht gut. Ich gehe jetzt kurz ins Lehrerzimmer, bringe meinen Alkoholpegel wieder in Form und komme in ganz genau zwanzig Zentilitern Whiskey wieder. Wenn dir bis dahin nichts Besseres, oder überhaupt etwas eingefallen ist, was nicht literarischer Müll ist, dann knallt nicht nur die Handkante vom Musiklehrer ins Genick, sondern zeitgleich dem Oberrektor seinen Kinnhaken in die Kauzentrale. Dessen Bruder ist hier Hausmeister. Du kennst doch Hausmeister Brackenmeier, dessen Sohn immer so viel frisst und grüne T-Shirts trägt? Der mit einer einzelnen Hand einmal eine ganze Kloschüssel ausgerissen und quer durch die Sporthalle geworfen hat, nur weil der Brunzbauer Rudi eine Sprosse des Turngeräts kaputt gemacht hat? Ja? Ok. Der wird dich nämlich ins Gebet nehmen, wenn du dich nicht anstrengst. Und wenn du bei Papi petzen tust, knallt’s gleich nochmal so hart. Verstanden? Und jetzt probier es nochmal. Es ist ja nicht so schwer. Und bitte gib Dir bitte etwas Mühe, weil dem Sportlehrer auch schon wieder die Fäuste jucken.“

Bis ins späte Mittelalter gab es übrigens die Ohrfeige als Gedächtnisstärkung und die Ohrfeige als Abwehr von Übel. Nun, gäbe es diese Sitten noch, man müsste manche toujour links und rechts eine runterwatschen, bis die Hände brennen und die Geschlag’nen flennen. Stärkung! Abwehr! Stärkung! Abwehr! Quasi körperliche Züchtigung zur mentalen Ertüchtigung. Gut, dass man zwei Hände hat und auch Paddel zur Hand nehmen könnte.

Oder einfach Radio und Fernseher anzünden und aus dem Fenster werfen.

Bildquelle:
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